Montag, 25. November 2024

Steil, steiler, Guatemala (Flores, Guatemala)

Lange überlegte ich, welche Route ich durch Guatemala hindurch nach Belize nehmen soll. Viele Radreisende die die Panamericana fahren lassen die Yucatan – Halbinsel aus und bleiben an der Pazifikküste. Das ist nicht nur rund 1‘300 km kürzer, sondern erspart auch einige Höhenmeter. Dabei verpasst man jedoch die Maya-Ruinen und weitere spannende Sehenswürdikeiten. So war für mich schon früh klar, dass ich die Yucatan - Halbinsel besuchen will.

Kordillerenquerung
Nun musste ich jedoch ein weiteres Mal vom Pazifik an den Atlantik. Oder genauer gesagt an das Karibische Meer. Dazu hatte ich grob die Wahl zwischen quer durch Guatemala – City, die grösste Stadt Zentralamerikas und aussen um die grössten Berge rum oder auf kleinen Strassen durch kleine Ortschaften mitten durch die Berge hindurch. Je länger ich nach einem guten Weg durch die grosse Stadt hindurch suchte, desto schlechter wurde mein Bauchgefühl. Guatemala – City gilt als nicht sonderlich Sicher und vor dem Besuch mancher Zonen wird abgeraten. So entschied ich mich schliesslich für den Weg durch die Berge und um die grosse Stadt herum. Die Berge hier sind nicht extrem hoch. Der höchste Pass den ich überquerte war 2‘200 m und somit war diese Kordillerenquerung mit einer Alpenquerung zu vergleichen. Die Strassen schlängeln sich hier jedoch nicht wie in den Alp oder wie in Peru in grossen Serpentinen den Hang hoch. Meistens nehmen sie einfach den direkten Weg und führen gerade nach oben. So hatte ich unter vielen anderen Anstiegen auch ein 8 km langes Stück, mit 800 Höhenmeter. Und auch sonst waren Steigungen bis zu 16% hinauf und hinab keine Seltenheit.
Als ich da oben in den Bergen mich mit den Steigungen abmühte kam der Regen zurück und die Temperaturen sanken auf 14 Grad. So wurde es ziemlich frisch und ich war froh, als es schliesslich wieder hinab in den Dschungel und in die Ebene der Yucatan – Halbinsel ging. Zwar flach wurde es nicht o schnell und auch in tieferen Lagen ging die Strasse weiter regelmässig auf und ab. Jedoch immer wie kürzer und dazwischen auch immer wie öfters ein Strück mal flach.
 
Weihnachtsstimmung
In den Geschäften gibt es schon länger verschiedene Weihnachtsdekorationen zu kaufen. Je näher der Dezember kommt, je mehr Kugeln, Plastiktannenbäume, Pastiknikoläuse und andere Dekorationen sieht man auch auf der Strasse und immer wie häufiger tönt auch ein Weihnachtslied aus einem Lautsprecher. Für mich passen diese Dekorationen und Lieder jedoch so überhaupt nicht in das Bild. Mit Temperaturen um die 30 Grad, frischen Früchten und Blumen am Strassenrand fühlt es sich wie mitten im Sommer an und nun soll plötzlich Weihnachten sein? Ich bin gespannt wie es noch weiter geht, den bis zu den wirklichen Weihnahten ist es ja immer noch einen Monat.












Freitag, 15. November 2024

Das Lied von Eis und Feuer (Antigua, Guatemala)

Bereits an meinem zweiten Tag in Guatemala ging es wieder einmal in die Höhe. Die Strasse kletterte mit einer saften aber stetigen Steigung von 350 m auf 1550 m hinauf. So kam ich nach gut zwei Monaten unterhalb 1000 m und fast durchgehend Temperaturen über 30 Grad wieder einmal in die Höhe und in ein kühleres Klima. Hier oben ist es angenehm zwischen 15 und 25 Grad warm. Zudem ist deutlich spürbar, dass die Regenzeit nun zu Ende geht. Es hat zwar immer noch, vor allem am Nachmittag Wolken am Himmel, aber richtig geregnet hat es in den letzten Tagen nicht mehr. Es ist enorm angenehm, mal nicht ständig zu schwitzen und auch mal etwas Langärmliges anziehen zu können. Ich hätte nie gedacht, dass ich kühle 20 Grad mal so geniessen werde.

Vulkanbesteigung
Nach dem ich mich zwei Tage an der Kühle erholt hatte, machte ich mich auf zum nächsten Abenteuer. Wieder einmal lies ich Phönix im Hostel zurück, schloss mich einer Reisegruppe an und buchte ein all-inclusive Angebot. So ging es am Morgen mit einem Bus rund eine Stunde zum Fusse des Acatenango Vulkans. Hier starteten wir auf der Nordseite zu Fuss und kletterten mit zahlreich anderen Wandernden den Vulkan hoch.

Wie beliebt diese Wanderung ist, realisierte ich erst, als wir los gingen. An den engen Stellen schlängelt sich eine lange Einerreihe den Hang hinauf. Gleichzeitig kamen die Wanderer vom Vortag hinunter und an manchen Orten, an denen das Kreuzen nicht möglich war, gab es richtig Stau. Ich hatte wieder einmal einen richtigen Glücksgriff bei meiner Wahl der Agentur und wir waren eine der kleineren Gruppen. Dadurch waren wir viel flexibler, konnten uns durch die grösseren Ansammlungen hindurchschlängeln und waren bald etwas für uns. Da, wo dies jedoch nicht möglich war, machte ich einen Spass daraus die anderen Wandernden zu beobachten und versuchte den Geruch der uns Entgegenkommenden zu ignorieren.

Nach rund 5 Stunden kamen wir in unser Basiscamp an. An der Südseite des Acatenango Vulkans, auf 3500 m Höhe haben zahlreiche Wanderagenturen ihre Lager aufgeschlagen. Die meisten bestehen aus kleinen Wellblechhütten mit einem Massenlager darin. Andere haben auf den kleinen ausgeebneten Stellen am Hang ganze Zeltlager aufgestellt. Da die Lager am Südhang stehen, haben alle eine wunderbare Sicht auf den Vulkan Fuego der gleich daneben steht. Während der 3976 m hohe Acatenango schon lange erloschen und ruhig ist, ist der 3768 m hohe Fuego einer der aktivsten Vulkane der Erde und wächst noch. Alle paar Minuten spukt er eine Fontäne aus Rauch, Asche und Lava aus.

Als wir ankamen hatte es leider ziemlich viele Wolken und der Fuego verschwand immer wieder dahinter. Die Guides diskutierten lange, ob es überhaupt Sinn macht noch weiter zu ihm hinüber zu gehen. Zum Glück verzogen sich die Wolken während die Sonne unter ging und wir konnten den Ausflug noch machen. Also stiegen wir auf der Südseite des Acatenangos in ein kleines Tal hinab und auf der anderen Seite auf den Fuego hinauf. Auf einer Seitenflanke des Vulkans konnten wir nun aus nächster Nähe die Ausbrüche beobachten. Da es mittlerweile dunkel war, leuchtete die Lava und die Ausbrüche waren richtige Feuerwerke.

Da auf einem aktiven, ausbrechenden Vulkan zu sitzen war schon sehr speziell. Links und rechts ging es enorm steil hinunter, vor mir der ausbrechende Vulkan, am Himmel ein 3/4 Mond und in der Ferne zuckten immer wieder Blitze von einem Gewitter durch die Wolken. Ein Augenblick, den ich mein Lebenlang wohl nie vergessen werde.

Zurück im Lager und einem einfachen Abendessen und Marshmallows auf dem Lagerfeuer ging es in die Hütten und in die Schlafsäcke. Inzwischen war es empfindlich kalt geworden und ich zog alle meine warmen Kleider an. Kurz bereute ich es sogar, dass ich die Thermounterwäsche im Hostel gelassen hatte. Dank dem, dass nicht alle Plätze belegt waren, konnte ich zwei der dünnen Sommerschlafsäcke für mich erobern und hatte so doch noch schön warm.

Nach einer sehr kurzen Nacht, wurden wir bereits um 3 Uhr geweckt und es ging hinauf auf den Gipfel des Acatenango auf 3970 m. Leider waren die Wolken zurückgekehrt und so kamen wir beim Aufstieg immer wieder in den Nebel. Da wo er jedoch Aufriss, hatten wir erneut eine schöne Sicht auf den Fuego und die umliegende Gegend. Der Gipfel vom Acatenango war dann leider definitiv in einer Wolke. Der Wind pfiff uns um die Ohren und es war extrem kalt und nur wenig über 0 Grad. Ich fror so sehr wie schon lange nicht mehr und froh, als wir wieder abstiegen. Vom Sonnenaufgang und der schönen Aussicht bekamen wir so leider nicht viel mit. Der schöne Blick auf die darunter liegenden Wolken bekamen wir dann erst weiter unten und zurück im Basislager zu sehen.

Nach dem Frühstück und nachdem wir uns am Feuer und in der Sonne wieder etwas aufgewärmt hatten, stiegen wir wieder ab. Bei der ganzen Wanderung fand ich den langen und steilen Abstieg definitiv das anstrengendste. Zum Glück waren wir wieder schnell unterwegs und kamen unten an, bevor die grossen Massen den Aufstieg begannen. So kamen wir um die gössten Staus herum.

Zurück in Antigua war ich so kaputt wie schon länger nicht mehr, aber glücklich ein so tolles Abendteuer erlebt haben zu dürfen. Die Strapazen waren es definitiv wert und das Erlebnis gehört definitiv weit oben auf die Top-Ten-Abenteuer Liste! Und somit ist auch ein weiterer Punkt auf meiner To-do-Liste, auf einen aktiven Vulkan zu steigen erreicht.

Zum Glück wurde der Muskelkater nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte und ich konnte am nächsten Tag noch einigermassen gerade aus gehen. Trotzdem machte ich einen ruhigen Tag im Hostel und erholte mich. Da am kommenden Wochenende hier in Antigua ein Blumenfestival ansteht, verlängerte ich meinen Aufenthalt nochmals, um auch das zu erleben. Danach bin ich dann hoffentlich wieder erholt und bereit um erneut in das heisse und feuchte Klima abzutauchen.


Vulkan Fuego

Grenze zu Guatemala



Antigua

Antigua

Vulkan Fuego



Basislager auf 3500 m








Donnerstag, 7. November 2024

Honduras und El Salvador (Playa el Palmarcito, El Salvador)

Honduras
Nach wenigen Tagen in Nicaragua kam ich schon wieder an die nächste Grenze. Auch der Übergang nach Honduras verlief schnell und unproblematisch. Von Honduras habe ich bereits viel Unterschiedliches gehört und war deshalb sehr gespannt auf dieses Land. Kurz nach der Grenze war es sehr unordentlich und es hatte sehr viel Abfall neben der Strasse. Aber schon bald wurde es aufgeräumter. Es hatte viel weniger Tiere und auffallend viele neue und grosse Autos fuhren herum. Auch wurde an vielen Orten gebaut und mehrere neue Möbel- und Autohäuser vielen mir auf. Es hatte auch mehr Geschäfte die Baubedarf anboten als solche mit Lebensmittel. Es scheint, als sei da gerade ein Aufschwung im Gange.
Die Menschen in Honduras waren viel zurückhaltender als die in Nicaragua. So wurde mir viel weniger gewunken und ich wurde praktisch nie angesprochen. Aber feindselig, wie andere Radreisende erzählten waren sie mir gegenüber überhaupt nicht.
 
El Salvador
Nach knapp zwei Tagen in Honduras kam ich an die Grenze zu El Salvador. Obwohl es sehr viele Menschen an der Grenze hatte und ein grosses Durcheinander herrschte, kam ich sofort an die Reihe und war nach 10 Minuten bereits im neuen Land.
2015 war El Salvador das Land mit der höchsten Mordrate der Welt. Um dies zu ändern hat der Präsident hart durchgegriffen und ging mit Masseninhaftierungen rigoros gegen Banden und Kriminelle vor. Dadurch ist die Mordrate extrem gesunken und heute die tiefste in Zentralamerika und etwa auf demselben Niveau wie in der USA. Gleichzeitig stiegen dadurch jedoch die Häftlingsrate. Rund 1% der Bevölkerung von El Salvador ist zurzeit im Gefängnis. Viele auch ohne ein ordentliches Verfahren. 
Wie Nachhaltig diese Massnahmen sind und ob die Zahlen auch wirklich stimmen steht in den Sternen. Denn die Mordrate ging zwar zurück, die Zahlen von verschwundenen und vermissten Menschen ist jedoch gestiegen.
Von alldem bemerke ich als Tourist auf der Strasse jedoch nichts. Die Menschen winken mir oft zu, interessieren sich für meine Reise und sind sehr freundlich.
 
Allgegenwärtiges Militär
Bereits seit Kolumbien sind die Polizisten viel stärker bewaffnet als man es in Europa kennt. Auch das Militär ist immer wieder mit Sturmgewehren am Strassenrand zu sehen. Zudem stehen nicht nur vor Banken bewaffnete Sicherheitsmänner, sondern praktisch alle Geschäfte werden von mindestens einem Schutzmann bewacht. Obwohl ich nun schon länger täglich bewaffnete Sicherheitsleute sehe, werde ich mich nie daran gewöhnen. Ihr Anblick löst nach wie vor ein Unwohlsein in mir aus und gleichzeitig geben sie mir aber auch Sicherheit. So bin ich froh, dass ich mein Velo neben einer Sicherheitsperson abstellen kann und brauche mir so während dem Einkaufen weniger Sorgen zu machen.
Neben den bewachten Läden, hat es hier am Strassenrand auch sehr viele Marktstände, an denen alles Mögliche angeboten wird. So ist meine Lebensmitteltasche schon länger fast leer und ich geniesse es fast jederzeit frische Produkte direkt neben der Strasse einkaufen zu können.
 
Wieder einmal Meer
Ich schaffte es wieder einmal bis ganz an die Küste zu fahren und lies mich in einem Hostel in der Nähe des Strandes für zwei Nächte nieder. Der Pazifik ist hier wieder etwas kühler als weiter im Süden und hat etwas mehr Wellen. So genoss ich es zu baden und mich von den Wellem herumwirbeln zu lassen.
Neben der Temperatur des Meeres merke ich es auch sonst, dass ich langsam in den Norden komme. Die Wälder gleichen etwas weniger einem Dschungel und die Tage werden etwas kürzer. Nur die Temeraturen und die Luftfeuchtigkeit ist immer noch sehr hoch. Ich dachte nicht dass ich dies einmal sagen werde, aber ich freue mich tatsächlich darauf, dass es wieder einmal etwas kühler ist. Gerne würde ich wieder einmal im Schlafsack schlafen, eine Mütze und Halstuch tragen und dies ohne ständig im Schweiss zu baden. 


Nicaragua

Nicaragua

Nicaragua


Honduras

Honduras

Honduras

El Salvador

El Salvador

El Salvador

El Salvador


Freitag, 1. November 2024

Nicaragua (León, Nicaragua)

Nach dem ich mich ein paar Tage erholt hatte, fuhr ich weiter. Den Helm konnte zwar noch nicht anziehen und auch die Energie war noch nicht ganz zurück. Aber ansonsten war ich wieder frisch und munter. So nahm ich es gemütlich und besuchte noch ein paar weitere Nationalparks am Wegrand.
 
Tapir Valley Nature Reserve
So auch das Tapir Valley. Das ist ein privates Naturreservat am Rande des Volcán Tenorio Nationalparks. Dieses Reservat wurde zum Schutz der Tapire und anderer seltener Tiere gegründet. Heute leben mehrere Tapire da und es wurde im Reservat sogar ein Frosch gefunden, den es sonst nirgends gibt.
Ich ging mit auf eine Nachttour und hatte das Glück, dass wir bereits am Anfang der Tour zwei Tapire aus nächster Nähe sehen konnten. Tapire waren einst sehr vielfältig und es gab viele verschiedene Arten, die in verschiedenen Lebensräumen auf der ganzen Welt verteilt lebten. Heute gibt es nur noch fünf Arten, die alle vom Aussterben bedroht sind und es gibt nur noch wenige tausend Exemplare von ihnen.
Spannend ist auch, dass sich die Tapire verglichen mit anderen Tieren, sehr alt sind und sich in letzter Zeit kaum verändert haben. Im Aussehen ähneln sie, mit ihrem gedrungenen Körperbau am ehesten Schweinen, sind jedoch reine Pflanzenfresser und entfernt mit den Nashörner und Pferden verwand.
Die zwei Tiere die ich beobachten konnte, liessen sich nicht aus der Ruhe bringen und zogen ruhig grasend an uns vorbei. Ich bin glücklich solche seltenen Tiere mit eigenen Augen in ihrem natürlichen Umfeld gesehen zuhaben und hoffe, dass es bald wieder mehr von ihnen gibt.
 
Deutsche Bäckerei
Auf dem Weg Richtung Nicaragua kam ich durch eine Gegend, in der viele deutsche Auswanderer leben. So stand immer mal wieder ein Haus in einem deutschen Baustil am Strassenrand und manche Hotels hatten deutsche Namen. So kam ich auch an einer deutschen Bäckerei vorbei. Natürlich musste ich anhalten und freute mich sehr, wieder einmal Süssgebäck ohne Caramel essen zu können. Ich konnte auch das erste Mal seit 10 Monaten ein leckeres Roggenbrot kaufen. Dazu kaufte ich im nächsten Laden noch ein Streichkäse und fühlte mich wie im siebten Himmel, wieder einmal richtiges Brot essen zu können. Eines, dass weder die Konsistenz von Kaugummi noch die von Lebkuchen hat. Eines bei dem man nach zwei Scheiben auch etwas im Magen hat und auch nach einer Weile noch satt ist und nicht ein ganzes Brot essen muss und nach einer halben Stunde bereits wieder Hunger hat. 500m nach der Bäckerei übernachtete ich und am Morgen fuhr ich dann nochmals zur Bäckerei zurück, um nochmals Süssgebäck und ein weiteres Roggenbrot zu kaufen. So konnte ich mehrere Tage lang richtiges Brot essen und von zuhause träumen.
 
Nicaragua
Dann hiess es nach zwei Wochen Costa Rica wieder Abschied nehmen und ich fuhr ins nächste Land. Der Grenzübergang ging auch dieses Mal schnell und ich konnte ohne Problem nach Nicaragua einreisen. Schon bald nach der Grenze fühlte es sich wieder wie in Südamerika an. Wie in Peru hat es auf der Strasse mehr Motorräder als Autos. Wobei hier die meisten einen Helm tragen, während in Peru nur die wenigsten einen besitzen. Neben den grossen Supermärkten gibt es wieder kleine Krämerläden und jede Menge Marktstände und Strassenverkäufer auf den Strassen. Hier in León habe ich sogar eine Markthalle gefunden mit vielen einzelnen Ständen und unübersichtlich engen Gängen. Ich liebe es durch solche Hallen zu gehen und die verschiedenen Gerüche, Geräusche und die vielen Farben und Formen aufzunehmen. Hoffentlich haben die kommenden Länder auch noch solche Markthallen.
 
Arme Pferde
Am Strassenrand sind auch wieder viele Tiere angebunden um den Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Grundstück abzuweiden. Ich bin auch mehreren Hirten begegnet, die eine Herde Kühe oder Ziegen frei am Strassenrand weiden liessen und sie zu Fuss oder auf einem Pferd oder Maultier begleiteten. Sind die meisten Kühe, Ziegen und Schweine noch gut genährt und schauen relativ zufrieden aus, so machen fast alle Pferde einen erbärmlichen Eindruck. Immer wieder begegnete ich Pferden, die mit improvisierten Geschirren vor selbstgebauten Karren gespannt waren und alles Mögliche transportierten. Viele von ihnen haben nur noch einzelne Hufeisen oder laufen ganz ohne Hufschutz. Stehen sie dann ohne Sattel oder Geschirr am Strassenrand, kann man ihre offenen Druckstellen von den schlechtsitzenden Sätteln und Geschirren sehen und praktisch alle sind so dünn, dass man ihre Rippen von weitem zählen kann. Ich denke, dass die Besitzer von ihnen einfach kein Geld haben um sich richtig um die Pferde zu kümmern. Während ein Auto oder Motorrad ohne Benzin einfach nicht läuft, so kann man ein Pferd auch ohne oder nur mit wenig Futter noch lange nutzen. Ein neues Auto oder Motorrad muss man immer kaufen, während ein neues Pferd (fast) von alleine entsteht. So haben viele Stuten vor dem Karren auch ein Fohlen neben sich herlaufen. Ich bin überzeugt, würde es den Menschen besser gehen, hätten es auch die Pferde weniger schwer. In Panama und Costa Rica zum Beispiel ist der Lebensstandard deutlich höher als hier und ich sah keine schlecht genährten Pferde.
 
Schnelle Route
Seit langem kam ich wieder einmal in eine Gegend, die überwiegend flach ist. Aus der weiten Ebene schauen nur die spitzen Vulkane heraus und da wo gerade kein Vulkan steht, ist es topfeben. Dank den meistens sehr guten Strassenbelägen kam ich wieder einmal schnell voran. Ich genoss es sehr zur Abwechslung mal wieder mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs zu sein. So erreichte ich bereits am zweiten Tag in Nicaragua Managua, die Hauptstadt und grösste Stadt des Landes. Ich habe zwar nicht die ganze Stadt gesehen, aber obwohl ich quer durch sie hindurch fuhr, sah ich nirgends einen schönen Ort. Überall nur einstöckige Häuser, die noch notdürftig zusammenhalten. Die Strassen haben viele Löcher und überall liegt Abfall. Selbst das Abwasser läuft vielerorts noch überirdisch und alles war voller Pfützen. Ich war jedenfalls froh, als ich die Stadt hinter mir hatte und weiter nach León fahren konnte.
Einen Tag später kam ich dann in der zweitgrössten Stadt von Nicaragua an. León ist so ziemlich das Gegenteil von Managua. Die Strassen sind sauber und aufgeräumt. Die Häuser würden zwar auch hier einen neuen Anstrich vertragen, aber man kann ihre ursprüngliche Farbe noch sehen und alles macht einen freundlichen Eindruck. Selbst die Menschen scheinen mir hier fröhlicher und zufriedener zu sein.
 
Luftlinie die Mitte zwischen Ushuaia und Alaska
Eine weitere spezielle Eigenschaft von León ist, dass es von hier aus Luftlinie sowohl zurück nach Ushuaia, wie auch nach oben nach Prudhoe Bay in Alaska 7'650 km sind. Fahre ich also die gesamte Strecke, bis die Strasse am anderen Ende von Amerika endet, so bin ich nun theoretisch in der Mitte. Ob ich für die zweite Hälfte auch 16'265 km und 10 Monate brauche, weiss ich nicht. Je nach dem wo ich durchfahren und was ich noch alles anschauen werde, wird es etwas mehr oder auch weniger sein. Wann genau ich also in der Mitte dieser Reise bin, werde ich erst sagen können, wenn ich am Ziel bin.

Catarata La Fortuna

Greifschwanz-Lanzenotter

Árbol de la Paz

Catarata Río Celeste

Weissrüssel-Nasenbär



Tukan

Tapir

stacheliger Cochran-Frosch

Ochsenfrosch





León

León

León

León



Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...