Freitag, 15. November 2024

Das Lied von Eis und Feuer (Antigua, Guatemala)

Bereits an meinem zweiten Tag in Guatemala ging es wieder einmal in die Höhe. Die Strasse kletterte mit einer saften aber stetigen Steigung von 350 m auf 1550 m hinauf. So kam ich nach gut zwei Monaten unterhalb 1000 m und fast durchgehend Temperaturen über 30 Grad wieder einmal in die Höhe und in ein kühleres Klima. Hier oben ist es angenehm zwischen 15 und 25 Grad warm. Zudem ist deutlich spürbar, dass die Regenzeit nun zu Ende geht. Es hat zwar immer noch, vor allem am Nachmittag Wolken am Himmel, aber richtig geregnet hat es in den letzten Tagen nicht mehr. Es ist enorm angenehm, mal nicht ständig zu schwitzen und auch mal etwas Langärmliges anziehen zu können. Ich hätte nie gedacht, dass ich kühle 20 Grad mal so geniessen werde.

Vulkanbesteigung
Nach dem ich mich zwei Tage an der Kühle erholt hatte, machte ich mich auf zum nächsten Abenteuer. Wieder einmal lies ich Phönix im Hostel zurück, schloss mich einer Reisegruppe an und buchte ein all-inclusive Angebot. So ging es am Morgen mit einem Bus rund eine Stunde zum Fusse des Acatenango Vulkans. Hier starteten wir auf der Nordseite zu Fuss und kletterten mit zahlreich anderen Wandernden den Vulkan hoch.

Wie beliebt diese Wanderung ist, realisierte ich erst, als wir los gingen. An den engen Stellen schlängelt sich eine lange Einerreihe den Hang hinauf. Gleichzeitig kamen die Wanderer vom Vortag hinunter und an manchen Orten, an denen das Kreuzen nicht möglich war, gab es richtig Stau. Ich hatte wieder einmal einen richtigen Glücksgriff bei meiner Wahl der Agentur und wir waren eine der kleineren Gruppen. Dadurch waren wir viel flexibler, konnten uns durch die grösseren Ansammlungen hindurchschlängeln und waren bald etwas für uns. Da, wo dies jedoch nicht möglich war, machte ich einen Spass daraus die anderen Wandernden zu beobachten und versuchte den Geruch der uns Entgegenkommenden zu ignorieren.

Nach rund 5 Stunden kamen wir in unser Basiscamp an. An der Südseite des Acatenango Vulkans, auf 3500 m Höhe haben zahlreiche Wanderagenturen ihre Lager aufgeschlagen. Die meisten bestehen aus kleinen Wellblechhütten mit einem Massenlager darin. Andere haben auf den kleinen ausgeebneten Stellen am Hang ganze Zeltlager aufgestellt. Da die Lager am Südhang stehen, haben alle eine wunderbare Sicht auf den Vulkan Fuego der gleich daneben steht. Während der 3976 m hohe Acatenango schon lange erloschen und ruhig ist, ist der 3768 m hohe Fuego einer der aktivsten Vulkane der Erde und wächst noch. Alle paar Minuten spukt er eine Fontäne aus Rauch, Asche und Lava aus.

Als wir ankamen hatte es leider ziemlich viele Wolken und der Fuego verschwand immer wieder dahinter. Die Guides diskutierten lange, ob es überhaupt Sinn macht noch weiter zu ihm hinüber zu gehen. Zum Glück verzogen sich die Wolken während die Sonne unter ging und wir konnten den Ausflug noch machen. Also stiegen wir auf der Südseite des Acatenangos in ein kleines Tal hinab und auf der anderen Seite auf den Fuego hinauf. Auf einer Seitenflanke des Vulkans konnten wir nun aus nächster Nähe die Ausbrüche beobachten. Da es mittlerweile dunkel war, leuchtete die Lava und die Ausbrüche waren richtige Feuerwerke.

Da auf einem aktiven, ausbrechenden Vulkan zu sitzen war schon sehr speziell. Links und rechts ging es enorm steil hinunter, vor mir der ausbrechende Vulkan, am Himmel ein 3/4 Mond und in der Ferne zuckten immer wieder Blitze von einem Gewitter durch die Wolken. Ein Augenblick, den ich mein Lebenlang wohl nie vergessen werde.

Zurück im Lager und einem einfachen Abendessen und Marshmallows auf dem Lagerfeuer ging es in die Hütten und in die Schlafsäcke. Inzwischen war es empfindlich kalt geworden und ich zog alle meine warmen Kleider an. Kurz bereute ich es sogar, dass ich die Thermounterwäsche im Hostel gelassen hatte. Dank dem, dass nicht alle Plätze belegt waren, konnte ich zwei der dünnen Sommerschlafsäcke für mich erobern und hatte so doch noch schön warm.

Nach einer sehr kurzen Nacht, wurden wir bereits um 3 Uhr geweckt und es ging hinauf auf den Gipfel des Acatenango auf 3970 m. Leider waren die Wolken zurückgekehrt und so kamen wir beim Aufstieg immer wieder in den Nebel. Da wo er jedoch Aufriss, hatten wir erneut eine schöne Sicht auf den Fuego und die umliegende Gegend. Der Gipfel vom Acatenango war dann leider definitiv in einer Wolke. Der Wind pfiff uns um die Ohren und es war extrem kalt und nur wenig über 0 Grad. Ich fror so sehr wie schon lange nicht mehr und froh, als wir wieder abstiegen. Vom Sonnenaufgang und der schönen Aussicht bekamen wir so leider nicht viel mit. Der schöne Blick auf die darunter liegenden Wolken bekamen wir dann erst weiter unten und zurück im Basislager zu sehen.

Nach dem Frühstück und nachdem wir uns am Feuer und in der Sonne wieder etwas aufgewärmt hatten, stiegen wir wieder ab. Bei der ganzen Wanderung fand ich den langen und steilen Abstieg definitiv das anstrengendste. Zum Glück waren wir wieder schnell unterwegs und kamen unten an, bevor die grossen Massen den Aufstieg begannen. So kamen wir um die gössten Staus herum.

Zurück in Antigua war ich so kaputt wie schon länger nicht mehr, aber glücklich ein so tolles Abendteuer erlebt haben zu dürfen. Die Strapazen waren es definitiv wert und das Erlebnis gehört definitiv weit oben auf die Top-Ten-Abenteuer Liste! Und somit ist auch ein weiterer Punkt auf meiner To-do-Liste, auf einen aktiven Vulkan zu steigen erreicht.

Zum Glück wurde der Muskelkater nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte und ich konnte am nächsten Tag noch einigermassen gerade aus gehen. Trotzdem machte ich einen ruhigen Tag im Hostel und erholte mich. Da am kommenden Wochenende hier in Antigua ein Blumenfestival ansteht, verlängerte ich meinen Aufenthalt nochmals, um auch das zu erleben. Danach bin ich dann hoffentlich wieder erholt und bereit um erneut in das heisse und feuchte Klima abzutauchen.


Vulkan Fuego

Grenze zu Guatemala



Antigua

Antigua

Vulkan Fuego



Basislager auf 3500 m








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