Nach dem ich mich ein paar Tage erholt hatte, fuhr ich weiter. Den Helm
konnte zwar noch nicht anziehen und auch die Energie war noch nicht ganz
zurück. Aber ansonsten war ich wieder frisch und munter. So nahm ich es gemütlich
und besuchte noch ein paar weitere Nationalparks am Wegrand.
Tapir Valley Nature Reserve
So auch das Tapir Valley. Das ist ein privates Naturreservat am Rande
des Volcán Tenorio Nationalparks. Dieses Reservat wurde zum Schutz der Tapire
und anderer seltener Tiere gegründet. Heute leben mehrere Tapire da und es
wurde im Reservat sogar ein Frosch gefunden, den es sonst nirgends gibt.
Ich ging mit auf eine Nachttour und hatte das Glück, dass wir bereits am
Anfang der Tour zwei Tapire aus nächster Nähe sehen konnten. Tapire waren einst
sehr vielfältig und es gab viele verschiedene Arten, die in verschiedenen
Lebensräumen auf der ganzen Welt verteilt lebten. Heute gibt es nur noch fünf Arten,
die alle vom Aussterben bedroht sind und es gibt nur noch wenige tausend Exemplare
von ihnen.
Spannend ist auch, dass sich die Tapire verglichen mit anderen Tieren, sehr
alt sind und sich in letzter Zeit kaum verändert haben. Im Aussehen ähneln sie,
mit ihrem gedrungenen Körperbau am ehesten Schweinen, sind jedoch reine
Pflanzenfresser und entfernt mit den Nashörner und Pferden verwand.
Die zwei Tiere die ich beobachten konnte, liessen sich nicht aus der
Ruhe bringen und zogen ruhig grasend an uns vorbei. Ich bin glücklich solche seltenen
Tiere mit eigenen Augen in ihrem natürlichen Umfeld gesehen zuhaben und hoffe,
dass es bald wieder mehr von ihnen gibt.
Deutsche Bäckerei
Auf dem Weg Richtung Nicaragua kam ich durch eine Gegend, in der viele
deutsche Auswanderer leben. So stand immer mal wieder ein Haus in einem
deutschen Baustil am Strassenrand und manche Hotels hatten deutsche Namen. So
kam ich auch an einer deutschen Bäckerei vorbei. Natürlich musste ich anhalten
und freute mich sehr, wieder einmal Süssgebäck ohne Caramel essen zu können. Ich
konnte auch das erste Mal seit 10 Monaten ein leckeres Roggenbrot kaufen. Dazu
kaufte ich im nächsten Laden noch ein Streichkäse und fühlte mich wie im
siebten Himmel, wieder einmal richtiges Brot essen zu können. Eines, dass weder
die Konsistenz von Kaugummi noch die von Lebkuchen hat. Eines bei dem man nach
zwei Scheiben auch etwas im Magen hat und auch nach einer Weile noch satt ist
und nicht ein ganzes Brot essen muss und nach einer halben Stunde bereits
wieder Hunger hat. 500m nach der Bäckerei übernachtete ich und am Morgen fuhr
ich dann nochmals zur Bäckerei zurück, um nochmals Süssgebäck und ein weiteres
Roggenbrot zu kaufen. So konnte ich mehrere Tage lang richtiges Brot essen und
von zuhause träumen.
Nicaragua
Dann hiess es nach zwei Wochen Costa Rica wieder Abschied nehmen und ich
fuhr ins nächste Land. Der Grenzübergang ging auch dieses Mal schnell und ich konnte
ohne Problem nach Nicaragua einreisen. Schon bald nach der Grenze fühlte es
sich wieder wie in Südamerika an. Wie in Peru hat es auf der Strasse mehr
Motorräder als Autos. Wobei hier die meisten einen Helm tragen, während in Peru
nur die wenigsten einen besitzen. Neben den grossen Supermärkten gibt es wieder
kleine Krämerläden und jede Menge Marktstände und Strassenverkäufer auf den
Strassen. Hier in León habe ich sogar eine Markthalle gefunden mit vielen
einzelnen Ständen und unübersichtlich engen Gängen. Ich liebe es durch solche
Hallen zu gehen und die verschiedenen Gerüche, Geräusche und die vielen Farben und
Formen aufzunehmen. Hoffentlich haben die kommenden Länder auch noch solche
Markthallen.
Arme Pferde
Am Strassenrand sind auch wieder viele Tiere angebunden um den
Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Grundstück abzuweiden. Ich bin auch mehreren
Hirten begegnet, die eine Herde Kühe oder Ziegen frei am Strassenrand weiden liessen
und sie zu Fuss oder auf einem Pferd oder Maultier begleiteten. Sind die meisten
Kühe, Ziegen und Schweine noch gut genährt und schauen relativ zufrieden aus,
so machen fast alle Pferde einen erbärmlichen Eindruck. Immer wieder begegnete
ich Pferden, die mit improvisierten Geschirren vor selbstgebauten Karren
gespannt waren und alles Mögliche transportierten. Viele von ihnen haben nur
noch einzelne Hufeisen oder laufen ganz ohne Hufschutz. Stehen sie dann ohne
Sattel oder Geschirr am Strassenrand, kann man ihre offenen Druckstellen von
den schlechtsitzenden Sätteln und Geschirren sehen und praktisch alle sind so
dünn, dass man ihre Rippen von weitem zählen kann. Ich denke, dass die Besitzer
von ihnen einfach kein Geld haben um sich richtig um die Pferde zu kümmern. Während
ein Auto oder Motorrad ohne Benzin einfach nicht läuft, so kann man ein Pferd
auch ohne oder nur mit wenig Futter noch lange nutzen. Ein neues Auto oder
Motorrad muss man immer kaufen, während ein neues Pferd (fast) von alleine
entsteht. So haben viele Stuten vor dem Karren auch ein Fohlen neben sich
herlaufen. Ich bin überzeugt, würde es den Menschen besser gehen, hätten es
auch die Pferde weniger schwer. In Panama und Costa Rica zum Beispiel ist der Lebensstandard
deutlich höher als hier und ich sah keine schlecht genährten Pferde.
Schnelle Route
Seit langem kam ich wieder einmal in eine Gegend, die überwiegend flach
ist. Aus der weiten Ebene schauen nur die spitzen Vulkane heraus und da wo
gerade kein Vulkan steht, ist es topfeben. Dank den meistens sehr guten
Strassenbelägen kam ich wieder einmal schnell voran. Ich genoss es sehr zur Abwechslung
mal wieder mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs zu sein. So
erreichte ich bereits am zweiten Tag in Nicaragua Managua, die Hauptstadt und
grösste Stadt des Landes. Ich habe zwar nicht die ganze Stadt gesehen, aber
obwohl ich quer durch sie hindurch fuhr, sah ich nirgends einen schönen Ort.
Überall nur einstöckige Häuser, die noch notdürftig zusammenhalten. Die Strassen
haben viele Löcher und überall liegt Abfall. Selbst das Abwasser läuft vielerorts
noch überirdisch und alles war voller Pfützen. Ich war jedenfalls froh, als ich
die Stadt hinter mir hatte und weiter nach León fahren konnte.
Einen Tag später kam ich dann in der zweitgrössten Stadt von Nicaragua
an. León ist so ziemlich das Gegenteil von Managua. Die Strassen sind sauber
und aufgeräumt. Die Häuser würden zwar auch hier einen neuen Anstrich vertragen,
aber man kann ihre ursprüngliche Farbe noch sehen und alles macht einen
freundlichen Eindruck. Selbst die Menschen scheinen mir hier fröhlicher und zufriedener
zu sein.
Luftlinie die Mitte zwischen Ushuaia und Alaska
Eine weitere spezielle Eigenschaft von León ist, dass es von hier aus
Luftlinie sowohl zurück nach Ushuaia, wie auch nach oben nach Prudhoe Bay in
Alaska 7'650 km sind. Fahre ich also die gesamte Strecke, bis die Strasse am
anderen Ende von Amerika endet, so bin ich nun theoretisch in der Mitte. Ob ich
für die zweite Hälfte auch 16'265 km und 10 Monate brauche, weiss ich nicht. Je
nach dem wo ich durchfahren und was ich noch alles anschauen werde, wird es
etwas mehr oder auch weniger sein. Wann genau ich also in der Mitte dieser Reise
bin, werde ich erst sagen können, wenn ich am Ziel bin.
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| Catarata La Fortuna |
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| Greifschwanz-Lanzenotter |
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| Árbol de la Paz |
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| Catarata Río Celeste |
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| Weissrüssel-Nasenbär |
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| Tukan |
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| Tapir |
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| stacheliger Cochran-Frosch |
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| Ochsenfrosch |
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| León |
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| León |
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| León |
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| León |
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