Freitag, 25. Juli 2025

Letzte Etappe (Anchorage, Alaska, USA)

Überfällige Pause
Trotz meines zusätzlichen Ruhetages in Delta Junction, kehrte meine Energie nicht zurück. Die Beine waren auch danach noch schwer und ich auch nach über 9 Stunden Schlaf noch müde. Ich denke, mein Körper sagte mir so, dass wieder einmal eine grössere Pause nötig wäre. Nicht nur um die Beine auszuruhen, sondern auch um all die Erlebnisse, die ich im hohen Norden sammeln durfte zu verarbeiten. Doch so kurz vor dem Ende dieser Reise machte es keinen Sinn mehr, nochmals eine grössere Pause zu machen. Ausserdem sagen die Wetterapps schon länger eine Schlechtwetterperiode voraus.
 
Denali Hwy
So fuhr ich etwas langsamer als sonst nach dem Ruhetag weiter. Nach und nach kam ich in die Berge und die Landschaft wurde wieder spannender. Bereits am ersten Abend fand ich ein Übernachtungsplatz mit einer wunderschönen Aussicht, obwohl ich noch nicht einmal auf dem Denali Hwy war.
Am zweiten Tag erreichte ich dann den Denali Hwy. Dies war die erste Strasse, die durch diese Region führte und den Denali Nationalpark erschloss. Heute kann der Denali Nationalpark über andere Strassen schneller und bequemer erreicht werden und der Denali Hwy ist nicht mehr so stark befahren. Die Landschaft, durch die der gut 200 km lange Highway führt ist dafür sehr eindrücklich. Gletscher haben breite, runde Täler mit vielen Seen und Sümpfen geschaffen und im Hintergrund hat es immer wieder eindrückliche Schneeberge. Nach jeder Kurve erwartete mich ein neues Panorama und ich musste immer wieder anhalten um Fotos zu machen oder einfach nur um zu staunen. So hatte ich immer wieder einen Grund Pause zu machen und kam nicht mehr so schnell voran.
 
Wieder einmal zu wenig Proviant
Da es auf dem gesamten Denali Hwy, ausser ein paar Lodges keine Infrastruktur gibt, habe ich für vier Tage Lebensmittel mitgenommen. Da ich jedoch kürzere Tagesetappen machte als gedacht, wurde mir in der Mitte des Denali Hwy plötzlich bewusst, dass mir bei diesem Tempo lange vor dem nächsten Lebensmittelladen das Essen ausgeht. Also musste ich doch wieder etwas länger im Sattel bleiben und an vielen schönen Pausenplätzen vorbeifahren.
 
Die letzte Routenentscheidung
Kurz vor dem Ende des Denali Hwy kam dann der schon lange angekündigte Wetterumbruch. Der blaue Himmel verschwand und es begann zu regnen. Am Ende der Strasse musste ich mich dann nochmals entscheiden. Fahre ich nach links und direkt nach Anchorage oder nach rechts und mache noch einen Abstecher in den Denali Nationalpark. Lange sass ich vor dem Tankstellenshop am Boden, ass Tankstellenfood und überlegte hin und her. Gerne hätte ich den Denali Nationalpark besucht, doch für die nächsten Tage war da Dauerregen gemeldet. Weiter im Süden, Richtung Anchorage war jedoch Sonne vorhergesagt. So konnte ich mich nicht mehr motivieren mit den müden Beinen eine Zusatzschlaufe im Regen zu drehen und fuhr der Sonne entgegen.
 
Anchorage und ein weiteres Ende
Während hinter mir die Berge noch lange in dicke Wolken gehüllt waren, kam ich schon bald wieder in die Sonne. So erreichte ich nach weiteren drei Tagen Anchorage. Auch hier habe ich auf Airbnb eine Unterkunft gebucht. Dieses Mal jedoch nur ein Zimmer und der Rest der Wohnung teile ich mit der Besitzerin und anderen Gästen.
Die Ankunft hier fühlte sich jedoch überhaupt nicht wie eine Zielankunft an. Anchorage war auch nie ein Ziel für mich und ich fuhr nur hier hin, da es von hier aus den besten Flugverbindungen gibt. Mein Ziel ist und bleibt Tuktoyaktuk und die Ankunft da am Polarmeer bleibt ein Höhepunkt dieser Reise. Die Fahrt nun durch Alaska ist also so eine Zugabe und die Ankunft hier in Anchorage nur ein Zwischenschritt vor der Heimreise.
 
Heimreise
Also begann ich sofort nach meiner Ankunft mit den Vorbereitungen für den Heimflug. Ich schaute meine Ausrüstung durch und überlegte was mit zurück nach Europa kommt und was sein Lebensende erreicht und entsorgt werden kann. Bei einem Velogeschäft bekam ich einen grossen Karton und Phönix wurde geputzt, auseinandergenommen und verpackt.
Nun ist fast alles fertig vorbereitet und Morgen kehre ich nach 19 Monaten wieder zurück in die Schweiz. Ich freue mich riesig meine Freunde und Familie wieder zu sehen und bin gespannt wie mir der Wechsel vom Herumreisen zum Sesshaft sein gelingen wird.
Ich spüre, dass ich etwas Pause vom Herumreisen brauche und etwas Zeit um all die Erlebnisse zu verarbeiten. Weiss aber auch, dass ich nach ein paar Jahren höchstwahrscheinlich erneut losziehen werde. Es gibt noch sooo viel zu Sehen und sooo viel zu Erleben…




Biber


Denali Hwy



Arktisches Ziesel


Denali Hwy


Eisgraues Murmeltier

Denali Hwy

Mount Denali

junger Weisskopfseeadler (der weisse Kopf bekommt er erst im Erwachsenenalter)

Abendessen

letzte Nacht im Zelt

letzter Tag auf dem Velo entlang der Autobahn


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