Sonntag, 31. März 2024

Abschied von der Atacama-Wüste (San Pendro de Atacama, Chile)

 Nach dem ich mich in Antofagasta erholt hatte und nochmals im Luxus der modernen Zivilisation gebadet hatte, machte ich mich ein letztes mal auf in die Wüste.


Bequeme Fahrt
Dieses Mal ging es nur 15 km und 500 Höhenmeter steil hinauf. Danach kam ich in ein breites Tal, das schön gleichmässig nach oben führte. Mit Rund 1000 Höhenmetern auf 100km, die ich dank einem zünftigen Rückenwind fast nicht bemerkte, fuhr ich ins Landesinnere. Ich entschied mich die leichtere Route, der grossen Strasse entlang zu nehmen. So kam ich täglich mindestens durch ein Dorf und hatte so sicher immer genügend Wasser.
Der Verkehr war zu meiner Freude auch kein Problem, da die Strasse nach Calama zurzeit von 2 auf 4 Spuren ausgebaut wird. Über grosse Strecken sind die neuen zwei Spuren bereits fertig, der Verkehr wird jedoch noch überall auf zwei Spuren geführt. So hatte ich ganz bequem zwei neu geteerte Spuren und ein breiter Seitenstreifen für mich alleine.

Bergbau
In der unendlichen Weite der trockenen Wüste kam ich immer wieder an Minen vorbei. Von den meisten sah ich nur die riesen Schuttberge. Und vereinzelt die grossen Tracks die den Schutt auf den Hügeln abluden.
Neben den aktiven Minen, kam ich auch immer wieder an geschlossenen und aufgegebenen vorbei. Wie auch die Stadt Pampa Union sind diese Minen nur noch Ruinen aus einzelnen Mauern, die langsam von der Wüste zurück erobert werden.

Der Rand der Wüste
So kam ich immer wie höher hinauf und die Strasse wurde immer wie steiler, bis ich schliesslich auf meinem ersten hohen Pass, dem „Paso Barros Arana“ auf 3440m stand. Auf der Passhöhe hatte es plötzlich wieder kleine grüne Sträucher und ein paar Guanacos weideten am Strassenrand.
In Richtung Bolivien konnte ich schneebedeckte Berge erahnen, das meiste war jedoch in dicke Regenwolken gehüllt. Als ich anschliessend wieder hinunter nach San Pedro de Atacama fuhr, kamen die Wolken immer wie näher und am Abend regnete es sogar ein paar Minuten lang. Das war mein erster Regen seit 47 Tagen. Da hatte ich im Norden der Insel Chiloé ein paar Tropfen,

Abschied von der Atacama-Wüste
Hier in San Pedro endet für mich nun das Atacama - Abenteuer. Erst jetzt, wo ich zurückschaue wird mir bewusst wie lange ich in der Wüste war und wie gross sie ist. Je nach dem was man alles zur Wüste zählt ist sie 105‘000km2 bis 180‘000km2 gross. Also 2,5 bis 4,5 Mal so gross wie die Schweiz. Fast vier Woche, also fast den ganzen März war ich in ihr unterwegs. Ich hab es sehr genossen mir keine Sorgen um Regen und kalten Temperaturen zu machen und fühlte mich stets sehr wohl in der trockenen und weiten Landschaft. In meinem früheren Leben muss ich in irgend einer Wüste gelebt haben. Wahrscheinlich als Nomade…
Nun mache ich nochmals eine Pause und bringe meine Ausrüstung auf Vordermann bevor ich definitiv hinauf in die Höhe und nach Bolivien fahre. Vor diesem Abenteuer, durch Bolivien zu fahren habe ich etwas Respekt. Zwar freue ich mich sehr auf die spannenden Landschaften und neuen Herausforderungen, werde aber auch etwas nervös wenn ich an die grosse Höhe, die schlechten Strassen, tiefen Temperaturen und weniger gute Versorgungslage denke. Aber ich hab nun genügend Zeit mich hier in San Pedro darauf vorzubereiten und Mut zu tanken. Je länger ich hier warte, je trockener wird es dort oben, aber leider auch kälter.



Pampa Union

Pampa Union



Calama (Hügel im Hintergrund sind Schuttberge aus der Chuquicamata-Mine)

3000m

Paso Barros Arana 3440m

Guanaco

Valle de la Luna

Valle de la Luna

Valle de la Luna


Dienstag, 26. März 2024

Atacama-Wüste (Antofagasta, Chile)

 Die Wüste wurde tatsächlich noch trockener und die Distanzen zwischen den Dörfern grösser. So füllte ich die Flaschen mit Wasser und fuhr mit 9l in die Einsamkeit hinein. Die Pflanzen waren nun alle verschwunden, dafür konnte ich im Pan de Azúcar Nationalpark auf einsamen Strassen schöne Felsformen und Gesteinsfarben bewundern. Die Temperaturen waren jedoch wärmer als ich gedacht hab und der Durst grösser. So legte ich mehr Kilometern zurück als geplant um etwas früher in der nächsten Ortschaft zu sein und wieder tanken zu können.


Grösste Herausforderung dieser Reise
Einen Tag später konnte ich entspannte 50 km der Küste entlang durch Nebel fahren. Hier hatte es wieder zwei kleine Dörfer und verschiedene kleine Siedlungen. Sogar Esel weideten am Strassenrand die keine Angst vor mir hatten. So hatte ich genügend zu trinken, nicht zu warm und anstrengend war es auch nicht.
Nach dem zweiten Dorf ging die Strasse jedoch wieder ins Landesinnern und somit auch wieder hinauf in die Berge. Also belud ich Phönix dieses Mal mit knapp 11l und nahm den Anstieg in Angriff. Ab Meereshöhe ging es innert 30 km auf 2000 m hinauf. Schon bald war der Nebel verschwunden und die Sonne brannte mit voller Wucht auf mich hinab. Der Schweiss lief nur so hinunter und die Strasse wollte und wollte nicht enden. Anstelle es gut sein zu lassen und am nächsten Tag weiter hinauf zu fahren, musste ich natürlich durchziehen und fuhr bis ganz hinauf. Da war ich kaputt wie schon länger nicht mehr und fiel nur noch ins Zelt. Auch am nächsten Tag war ich nur Pudding. Zum Glück ging es nun mehrheitlich flach oder sogar bergabwärts weiter. Du die Anstrengung hatte ich mehr Wasser verbraucht als geplant und war sehr froh, als ein Auto anhielt und mir alle Flaschen auffüllte. So konnte ich auch am zweiten Tag weiter viel trinken und den Wasserverlust ausgleichen. Ich nahm mir vor, den nächsten solchen Anstieg etwas ruhiger anzugehen. 

Trockenste Wüste der Welt
Die Luft im Landesinnern ist, wie alles da sehr trocken. Zudem wehte ein zünftiger Wind und ich konnte regelrecht spüren wie ich austrocknete. Die Landschaft hat das schon länger hinter sich und besteht mehrheitlich nur noch aus Steinen und Staub. Da regnet es so selten wie sonst nur am Süd- und Nordpol. Oft fällt über Jahre bis Jahrzehnte kein Regen. Dies verringert jedoch nicht die Schönheit der Landschaft. An vielen Orten leuchtet sie rot und ich kam mir vor wie auf dem Mars. Die seltenen Regenfällen haben verschiedene Täler und Schluchten gefressen und der Wind wieder vieles abgeschliffen. Dadurch hat es viele verschiedene Formen und Figuren gegeben. Sogar kleine Oasen gibt es, an denen Grundwasser, das von den Anden genährt wird an die Oberfläche kommt und für ein paar Quadratmeter alles grün macht.

Mano del Desierto 
Da ich nun genügend Wasser hatte, machte ich noch einen Abstecher zur Mano del Desierto (auf Deutsch „Wüstenhand“). Das ist eine 11 m hohe Hand aus Stahlbeton des Künstlers Mario Irarrázabal, die 1992 eingeweiht wurde. Sie hat die selbe Farbe wie die Wüste, die an dieser Stelle nicht mehr rot, sondern nur noch staubgrau ist. Die Hand schaut aus dem Boden als würde jemand in ihm versinken oder der Wüste sei eine Hand gewachsen mit der sie den Reisenden zuwinkt. Je nachdem wie man das Kunstwerk betrachtet. 
Seit langem bin ich also wieder einmal bei einer Touristenattraktion und es ist eine willkommene Abwechslung den Leuten zuzuschauen wie sie Fotos von sich und der Hand machen. Wie immer kann ich mich herrlich amüsieren wie sie mit den Natels herum laufen und sich immer wieder in Pose werfen. 

Antofagasta 
In der Nähe der Hand übernachtete ich nochmals, bevor ich wieder auf Meereshöhe hinab, nach Antofagasta fuhr. Das ist eine Stadt hier inmitten der Wüste. Hier wird Salz, Kupfer und andere Rohstoffe die in der Wüste gewonnen werden auf Schiffe verladen und in die Welt hinaus gefahren. Ich erwartete eine ziemlich trostlose und zweckmässige Stadt. Wurde jedoch einmal mehr mit einer farbigen, und verhältnismässig sauberen Stadt mit sehr vielen modernen Läden überrascht. Hier kann man alles kaufen und auch wenn ich in der Schweiz wenn immer möglich einen grossen Bogen um Einkaufszentren mache, genoss ich es durch die Shopping Mall zu spazieren und bekannte Marken und Geschäfte zu sehen. 
Wie bereits in Santiago hab ich mir ein Zimmer genommen. Das hier liegt zwar halb in einem Keller und hat keine Küche, das Bett ist jedoch weich und die Dusche hat warmes Wasser und einen ordentlichen Wasserdruck. Zudem geniesse ich es wieder einmal frisches Bot, Früchte und Gemüse Essen zu können. So kann ich mich gut auf die nächste Etappe durch die Wüste und hinauf in die Anden vorbereitend. 

Nationalpark Pan de Azúcar




Nationalpark Pan de Azúcar

Grundwasseroase im Nationalpark Pan de Azúcar






Mano del Desierto

Mano del Desierto

Mano del Desierto

Antofagasta 

Antofagasta

Antofagasta

Antofagasta





Dienstag, 19. März 2024

Der Beginn der Atacama-Wüste (Caldera, Chile)

 Weiter ging es alles der Küste entlang in den Norden und somit hinein in die Atacama-Wüste. Ich weiss nicht ob es an der Küste und dem kalten Pazifik liegt oder am Herbst, jedenfalls sind die Temperaturen hier sehr angenehm zwischen 20 und 30 Grad mit einer kühlen Meeresbrise. Am Abend wurde es zum Teil sogar schon so frisch, dass ich wieder die warme Jacke und Mütze auspacken musste um noch etwas neben dem Zelt sitzen zu können. Am Morgen erwachte ich zudem häufig im Nebel auf und die Wolkenfezen verzogen sich erst am Mittag.

Wilde Esel 🥰
Je weiter ich fuhr je sandiger wurde der Boden und die Sträucher und Kakteen wurden kleiner und seltener. Am Rande der Wüste begegnete ich zahlreichen Familien von wilden Eseln. Mit grosser Freude begann ich sie zu fotografieren. Sie sind jedoch sehr scheu und schauten mich mit grossen Augen an. Versuchte ich mich ihnen zu nähern zogen sie sich mit der selben Geschwindigkeit von mir zurück um mich danach erneut anzustarren. Es ist faszinierend wie sie da am Rand der Wüste von den vertrockneten Sträuchern leben können. Und es wird klar, weshalb Esel in der Schweiz bei den saftigen Wiesen so schnell dick und krank werden, können sie doch mit dem wenigen was diese karge Gegend hier bietet überleben und Junge aufziehen.

Erneut nächtliche Besuche
Weniger Freude hatte ich an irgend welchen Nagern die mich in der Nacht besuchten. Beim ersten Besuch war am Morgen das Brot in der Tasche mit den Vorräten angenagt. Da ich die Tasche offen gelassen hatte ärgerte ich mich und beschloss sie zukünftig zu schliessen. Drei Nächte ging es gut, bis ich wieder Besuch bekam. Da die Tasche nun geschlossen war nagte sich das Tier kurzerhand ein Loch hinein um an das Brot zu kommen. Nun war mein Mittagessen trotz geschlossener Tasche angenagt und die Tasche hatte zudem ein grosses Lüftungsloch. In beiden Nächten hab ich überhaupt nichts von den Besuchern mitbekommen, obwohl die Tasche direkt neben mir im Vorzelt stand. Weshalb ich die Lebensmittel nicht zu mir ins Zelt nehme? Mit meiner Phobie vor Mäusen wäre es das schlimmste für mich, wenn sich eine Maus zu mir ins Zelt nagen würde. Da lasse ich lieber alles im Vorzelt und gebe ihr keinen Grund zu mir ins Zelt zu kommen. Die Tasche hab ich mittlerweile mit einem Stück Plane, das ich am Strassenrand fand repariert. (Hab mich noch selten so über Abfall in der Landschaft gefreut.) Nun muss ich noch irgend eine System herausfinden um die Nager von meinen Taschen fern zu halten.

Ein Hoch auf Minimärkte
Zu meinem Erstaunen gibt es hier am Rand der Wüste immer noch viele Dörfer und somit Einkaufsmöglichkeiten. Kaum stehen ein paar Häuser zusammen gibt es unter ihnen auch mindestens einen Minimarkt, in dem man das nötigste kaufen kann. Die Teigwaren müssen manchmal zwar zuerst abgestaubt werden, das Beot ist meistens trocken und wen es überhaupt Obst und Gemüse gibt, so ist es näher an Kompost als frisch. Ich musste mir so jedoch keine Sorgen um genügend Essen und Trinken machen. Zur Sicherheit füllte ich trotzdem bei jeder Gelegenheit alle Flaschen auf und transportiere so etwas mehr Gewicht als nötig durch die Gegend.
Erneut knapp wurden stellenweise jedoch die Strassen. Mehrere Male hatte ich die Wahl zwischen Autobahn und riesigen Umwegen über Schotterpisten mit viel Sand. Da ich keine Lust hatte Phönix tagelang durch den Sand zu schieben, ging ich trotz Verbotsschilder auf die Autobahn und fuhr auf dem Seitenstreifen weiter. Dies schien hier niemanden zu stören und selbst die Polizei fuhr kommentarlos an mir vorbei.

Immer wie mehr Wüste
Wie die Pflanzen und Strassen werden langsam doch auch die Abstände zwischen den Dörfern grösser. Bevor ich mich noch weiter in die Trockenheit vorwage, entspanne ich mich nochmals auf einem Campingplatz. Auch hier ist die Sommersaison vorbei und die meisten Plätze geschlossen. Ein offener hab ich zum Glück noch gefunden. Er ist natürlich einer der teuersten, dafür hab ich wieder die ganze Anlage für mich alleine, Meersicht und die Duschen sind sogar warm und mit einem anständigen Wasserdruck. 🥰






















Dienstag, 12. März 2024

Hitze, Steppe und Trockenheit (La Serena, Chile)

 Nach fünf Tagen Grossstadtleben packte ich wieder alles zusammen und kehrte auf die Strasse zurück. Ich hab es sehr genossen alles in der Nähe zu haben und mir keine Sorgen um Trinkwasser, Routenplanung und geeignete Schlafplätze zu machen. War aber auch froh den heissen Nächten im Hostelzimmer entfliehen zu können.


Raus aus der Stadt, rein in die Steppe
Auch auf der Nordseite kam ich erstaunlich gut und schnell aus Santiago heraus. Die Häuser wurden kleiner und der Müll neben der Strasse nahm wieder zu. Schliesslich hatte ich auch die letzten Vororte hinter mir und fand mich in einer trockenen Steppe wieder. Anders als auf der Südseite der Grossstadt hatte es hier nur noch wenige Obstplantagen und von denen waren die meisten aufgegeben und vertrocknet. Als wäre es Winter, stehen die Bäume und Sträucher ohne Blätter in Reih und Glied. Schaut man jedoch genauer hin, ist alles tot und die Pflanzen nur noch ausgetrocknete Skelette.

Wassertransport
Nachdenklich fuhr ich durch die verlassenen Plantagen und stellte mir vor, wie es hier früher war als die Wasserreservoirs noch voll und alles grün und lebendig war wie im Süden. Schon bald verschwanden jedoch auch diese Zeugen von anderen Zeiten und die Landschaft wurde schnell gebirgig. Die Strasse begann sich in Serpentinen in die Berge hinein zu schlängeln und ich konnte die Umgebung wieder geniessen. Schnell war ich über 1000 Metern. Zwischen vertrocknetem Gras und dornigen Sträuchern hatte es immer wie mehr Kakteen und die Temperaturen stiegen gegen 40 Grad und manchmal sogar darüber. Nach Sonnenuntergang kühlte es jedoch schnell ab und ich konnte wieder gut schlafen.
In ständigem auf und ab kämpfte ich mich nun von einem Pass zum nächsten. Zu meiner Freude war sie Strasse dabei immer in einem Topzustand und hatte nur sehr wenig Verkehr. Oft hatten sie beim Bau der Strasse grosse Schneisen in die Berge gegraben oder Senken aufgeschüttet, um extreme Steigungen zu vermeiden. Fünf mal führte sie sogar durch eineIn Tunnel und ersparte mich so vor noch mehr Höhenmetern.
In den Tälern konnte ich in kleinen Dörfern jeweils meine Vorräte auffüllen und Wasser tanken. Da diese Dörfer in regelmässigen Abständen kamen, hatte ich keine Problem genügend Flüssigkeit zu bekommen. Da jedoch schon bald die Atacama-Wüste kommt, begann ich zu experimentieren wie viel Wasser ich bequem auf Phönix laden kann und damit noch die Pässe hoch komme. Dabei entdeckte ich, dass es möglich ist 12l Wasser aufzuladen, es danach jedoch ziemlich anstrengend ist noch zu fahren. 9l gehen jedoch Problemlos und reichen auch gut 1-2 Tage.

Gefühl von Freiheit
Langsam verschwand das trockene Gras und am Boden hatte es nur noch Sand, Steine und Staub. Die Sträucher wurden immer wie kleiner und auch die Kakteen wuchsen nur noch an den geschützteren Orten. Kühe sind mir schon länger keine mehr begegnet, dafür weiden überall Ziegen und neben den Pferden hat es nun auch Esel und Maultiere. Trotz der lebensfeindlichen Umgebung fühlte ich mich wohl konnte mich an den vielen Formen und Farben nicht satt sehen. Da es nun oft keine Zäune mehr neben der Strasse hat, fand ich problemlos schöne, einsame Übernachtungsplätze. Da die Höhenmeter und die Hitze viel Energie kosteten machte ich nur noch kurze Etappen. Brach etwas später auf und machte früh Feierabend. Dadurch kam ich zwar langsamer voran, hatte jedoch mehr Zeit die schöne Landschaft und ihre Ruhe zu geniessen. Ausserhalb der Ortschaften ist es sehr ruhig und in der Nacht ist der Himmel voller Sterne. Ich stellte fest, dass ich definitiv lieber heiss als kalt hab, lieber in der Ruhe und Einsamkeit der Steppe übernachte als in der Grossstadt und lieber viel Wasser auf dem Velo transportiere als in den Regenkleidern zu fahren.

Kampf um den Schlafplatz
Nachdem ich mehrere sehr ruhige und angenehme Nächte hatte, legte ich mich wieder ohne etwas zu ahnen mit einem lächeln im Gesicht an einer schönen Stelle schlafen. Um halb zwei in der Nacht wurde ich jedoch wach, da etwas über mich krabbelte. Als ich die Taschenlampe gefunden hatte musste ich feststellen, das alles über und übervoll von Ameisen war. Mir blieb nichts anderen übrig als zusammenzupacken, alles so gut wie möglich von den Ameisen zu befreien und 20m weiter an einer anderen Stelle wieder aufzubauen. Dabei hoffte ich, dass die Ameisen mich an dieser Stelle verschonen und nicht auch da über mich herfallen. Gerade als ich wieder am einschlafen war hörte ich Hufgetrampel und lauten prusten und schnäuzen. Eine Gruppe von Pferden und Maultieren kamen zu meinem Übernachtungsplatz und fanden mich ganz schön gefährlich. Anstelle weiter zu ziehen blieben sie jedoch in der Nähe und schnäuzten mich in regelmässigen Abständen an. Natürlich immer gerade dann, wenn ich eingeschlafen wäre. Am Morgen sah ich dann auch den vielen alten und neueren Mist rund um meinen Lagerplatz und die aufgewühlte Erde. Wahrscheinlich lag ich mitten im bevorzugten Schlafplatz der Pferde und sie entsetzten sich deshalb so an mir.

Zurück in der Zivilisation
Langsam wurden die Pässe kleiner, die Ortschaften grösser und ich kam wieder in die Nähe der Küste. Auch die Strasse wurde grösser und hatte mehr Verkehr. Da es jedoch keine Nebenstrassen hatte, fuhr ich trotz Verbotsschilder auf der Autobahn. Dies scheint hier jedoch Normal zu sein und niemand störte sich an mir. Je näher ich an die Küste kam je kühler wurde auch wieder die Luft und am Morgen hatte es Nebel.
Da die Ameisen mich bereits für tot erklärt hatten, suchte ich einen Campingplatz auf und wusch mich richtig. Die drei Monaten Sommerferien sind hier in Chile nun vorbei und die Campingplätze verlassen. Nach etwas suchen und mit Hilfe eines Nachbarn schaffte ich es doch noch das Daniel, der Besitzer eines Campingplatzes mich aufnahm. Als einziger Gast bekam ich die ganze Aufmerksamkeit von Daniel ab. Wenn ich ihn richtig verstanden hab, war er früher Bauer und produzierte hier Gemüse, Kartoffeln und Beeren. Nun hat es jedoch bereits seit vier Jahren nicht mehr richtig geregnet und das Wasser reicht nicht mehr aus um die ganzen Pflanzen zu bewässern. Mit Grundwasser bewässert er nun noch den Campingplatz, der Rest des Landes liegt brach und wird zur Wüste.
Ich genisse nun einen Tag lang die Ruhe von Daniels Oase, bevor ich weiter richtig Atacama-Wüste fahre.


























Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...