Dienstag, 12. März 2024

Hitze, Steppe und Trockenheit (La Serena, Chile)

 Nach fünf Tagen Grossstadtleben packte ich wieder alles zusammen und kehrte auf die Strasse zurück. Ich hab es sehr genossen alles in der Nähe zu haben und mir keine Sorgen um Trinkwasser, Routenplanung und geeignete Schlafplätze zu machen. War aber auch froh den heissen Nächten im Hostelzimmer entfliehen zu können.


Raus aus der Stadt, rein in die Steppe
Auch auf der Nordseite kam ich erstaunlich gut und schnell aus Santiago heraus. Die Häuser wurden kleiner und der Müll neben der Strasse nahm wieder zu. Schliesslich hatte ich auch die letzten Vororte hinter mir und fand mich in einer trockenen Steppe wieder. Anders als auf der Südseite der Grossstadt hatte es hier nur noch wenige Obstplantagen und von denen waren die meisten aufgegeben und vertrocknet. Als wäre es Winter, stehen die Bäume und Sträucher ohne Blätter in Reih und Glied. Schaut man jedoch genauer hin, ist alles tot und die Pflanzen nur noch ausgetrocknete Skelette.

Wassertransport
Nachdenklich fuhr ich durch die verlassenen Plantagen und stellte mir vor, wie es hier früher war als die Wasserreservoirs noch voll und alles grün und lebendig war wie im Süden. Schon bald verschwanden jedoch auch diese Zeugen von anderen Zeiten und die Landschaft wurde schnell gebirgig. Die Strasse begann sich in Serpentinen in die Berge hinein zu schlängeln und ich konnte die Umgebung wieder geniessen. Schnell war ich über 1000 Metern. Zwischen vertrocknetem Gras und dornigen Sträuchern hatte es immer wie mehr Kakteen und die Temperaturen stiegen gegen 40 Grad und manchmal sogar darüber. Nach Sonnenuntergang kühlte es jedoch schnell ab und ich konnte wieder gut schlafen.
In ständigem auf und ab kämpfte ich mich nun von einem Pass zum nächsten. Zu meiner Freude war sie Strasse dabei immer in einem Topzustand und hatte nur sehr wenig Verkehr. Oft hatten sie beim Bau der Strasse grosse Schneisen in die Berge gegraben oder Senken aufgeschüttet, um extreme Steigungen zu vermeiden. Fünf mal führte sie sogar durch eineIn Tunnel und ersparte mich so vor noch mehr Höhenmetern.
In den Tälern konnte ich in kleinen Dörfern jeweils meine Vorräte auffüllen und Wasser tanken. Da diese Dörfer in regelmässigen Abständen kamen, hatte ich keine Problem genügend Flüssigkeit zu bekommen. Da jedoch schon bald die Atacama-Wüste kommt, begann ich zu experimentieren wie viel Wasser ich bequem auf Phönix laden kann und damit noch die Pässe hoch komme. Dabei entdeckte ich, dass es möglich ist 12l Wasser aufzuladen, es danach jedoch ziemlich anstrengend ist noch zu fahren. 9l gehen jedoch Problemlos und reichen auch gut 1-2 Tage.

Gefühl von Freiheit
Langsam verschwand das trockene Gras und am Boden hatte es nur noch Sand, Steine und Staub. Die Sträucher wurden immer wie kleiner und auch die Kakteen wuchsen nur noch an den geschützteren Orten. Kühe sind mir schon länger keine mehr begegnet, dafür weiden überall Ziegen und neben den Pferden hat es nun auch Esel und Maultiere. Trotz der lebensfeindlichen Umgebung fühlte ich mich wohl konnte mich an den vielen Formen und Farben nicht satt sehen. Da es nun oft keine Zäune mehr neben der Strasse hat, fand ich problemlos schöne, einsame Übernachtungsplätze. Da die Höhenmeter und die Hitze viel Energie kosteten machte ich nur noch kurze Etappen. Brach etwas später auf und machte früh Feierabend. Dadurch kam ich zwar langsamer voran, hatte jedoch mehr Zeit die schöne Landschaft und ihre Ruhe zu geniessen. Ausserhalb der Ortschaften ist es sehr ruhig und in der Nacht ist der Himmel voller Sterne. Ich stellte fest, dass ich definitiv lieber heiss als kalt hab, lieber in der Ruhe und Einsamkeit der Steppe übernachte als in der Grossstadt und lieber viel Wasser auf dem Velo transportiere als in den Regenkleidern zu fahren.

Kampf um den Schlafplatz
Nachdem ich mehrere sehr ruhige und angenehme Nächte hatte, legte ich mich wieder ohne etwas zu ahnen mit einem lächeln im Gesicht an einer schönen Stelle schlafen. Um halb zwei in der Nacht wurde ich jedoch wach, da etwas über mich krabbelte. Als ich die Taschenlampe gefunden hatte musste ich feststellen, das alles über und übervoll von Ameisen war. Mir blieb nichts anderen übrig als zusammenzupacken, alles so gut wie möglich von den Ameisen zu befreien und 20m weiter an einer anderen Stelle wieder aufzubauen. Dabei hoffte ich, dass die Ameisen mich an dieser Stelle verschonen und nicht auch da über mich herfallen. Gerade als ich wieder am einschlafen war hörte ich Hufgetrampel und lauten prusten und schnäuzen. Eine Gruppe von Pferden und Maultieren kamen zu meinem Übernachtungsplatz und fanden mich ganz schön gefährlich. Anstelle weiter zu ziehen blieben sie jedoch in der Nähe und schnäuzten mich in regelmässigen Abständen an. Natürlich immer gerade dann, wenn ich eingeschlafen wäre. Am Morgen sah ich dann auch den vielen alten und neueren Mist rund um meinen Lagerplatz und die aufgewühlte Erde. Wahrscheinlich lag ich mitten im bevorzugten Schlafplatz der Pferde und sie entsetzten sich deshalb so an mir.

Zurück in der Zivilisation
Langsam wurden die Pässe kleiner, die Ortschaften grösser und ich kam wieder in die Nähe der Küste. Auch die Strasse wurde grösser und hatte mehr Verkehr. Da es jedoch keine Nebenstrassen hatte, fuhr ich trotz Verbotsschilder auf der Autobahn. Dies scheint hier jedoch Normal zu sein und niemand störte sich an mir. Je näher ich an die Küste kam je kühler wurde auch wieder die Luft und am Morgen hatte es Nebel.
Da die Ameisen mich bereits für tot erklärt hatten, suchte ich einen Campingplatz auf und wusch mich richtig. Die drei Monaten Sommerferien sind hier in Chile nun vorbei und die Campingplätze verlassen. Nach etwas suchen und mit Hilfe eines Nachbarn schaffte ich es doch noch das Daniel, der Besitzer eines Campingplatzes mich aufnahm. Als einziger Gast bekam ich die ganze Aufmerksamkeit von Daniel ab. Wenn ich ihn richtig verstanden hab, war er früher Bauer und produzierte hier Gemüse, Kartoffeln und Beeren. Nun hat es jedoch bereits seit vier Jahren nicht mehr richtig geregnet und das Wasser reicht nicht mehr aus um die ganzen Pflanzen zu bewässern. Mit Grundwasser bewässert er nun noch den Campingplatz, der Rest des Landes liegt brach und wird zur Wüste.
Ich genisse nun einen Tag lang die Ruhe von Daniels Oase, bevor ich weiter richtig Atacama-Wüste fahre.


























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