Um an die Küste zu kommen, musste ich die Sierra Nevada überqueren. Eine
Gebirgskette mit Gipfeln bis zu 4.421 m Höhe und zahlreichen Gletschern, Tälern
und Schluchten. Also fuhr ich ein weiteres Mal langsam in die Höhe. Der
Frühling verschwand ein weiteres Mal und ich kam wieder in den Winter.
Leider hat im Moment der direkteste und wahrscheinlich auch der schönste
Weg über den Tiogapass und durch den Yosemite Nationalpark noch Wintersperre.
Also musste ich auf der Ostseite der Sierra Nevada in den Norden fahren. Immer
wieder ging es nach einem Pass kurz hinab in den Frühling um wenig später noch
weiter hinauf in den Winter zu gehen. Der Schnee türmte sich auf jedem weiteren
Pass noch etwas höher, bis ich schliesslich auf dem Carsonpass auf 2620 m Höhe
stand. Da Oben hatte es gut einen Meter Schnee und alle Übernachtungsplätze
waren noch tief darunter vergraben. Nach dem ich eine Zeit lang vergebens ein
Plätzchen für mein Zelt gesucht hatte, gab ich schliesslich auf und lies mich
einfach in einer Einfahrt zu einer Strasse nieder, die noch voll Schnee und
gesperrt war. Obwohl es nicht der Yesomite Nationalpark war, war die Landschaft
doch sehr schön und ich hatte immer wieder wunderschöne Panoramen. So auch an
diesem Lagerplatz (was ich erst feststellte, nach dem ich mich entschieden
hatte da zu schlafen), hatte ich eine schöne Sicht auf die schneebedeckten
Berge und einen gefrorenen See.
Jahreszeitenwechsel extrem
So startete ich am nächsten Morgen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und
mit einem Meter Schnee neben der Strasse. Die Strasse ging immer wie weiter
hinab. Der Schnee verschwand und wie im Zeitraffer zog der Frühling an mir
vorbei. Zuerst wurden die Wiesen langsam grün, bis das Gras schliesslich einen
Meter hoch stand und an vielen Orten bereits gemäht oder abgeweidet wurde. Auch
die Temperaturen stiegen immer wie weiter bis schliesslich die 30 Grad Marke
überschritten wurde und Jugendliche im Fluss badeten und von einer Brücke
sprangen. So fuhr ich an einem Tag vom tiefen Winter hinab in den Sommer. So
einen schneller Jahreszeitenwechsel hatte ich zuvor noch nie erlebt. Leider
wurde es an den kommenden Tagen nicht mehr so warm und es fühlt sich nun auch
auf dieser Seite der Sierra Nevada wie Frühling und nicht mehr wie Sommer an.
Ich weiss nicht ob es an dem Tag, an dem ich hinab fuhr einfach
ausserordentlich warm war oder es daran liegt, dass ich nun näher an der Küste
bin und es deshalb hier wieder kälter ist.
Zivilisation
Mit der Fahrt aus den Bergen hinaus, fuhr ich auch aus der Wildnis und kam
in die Zivilisation. Dies mochte ich noch nie, hier ist es jedoch noch viel
schlimmer. So schön, weit und eindrücklich die Gegend östlich der Sierra Nevada
war, so langweilig, eintönig und steril ist sie nun hier im Westen. Neben
unendlichen Ackerfeldern und Mandelplantagen, hatte es immer wieder Dörfer und
kleine Städtchen, die mit ihren breiten Strassen, Drive-Thrus und sterilen
Wohngegenden für mich alle gleich aussehen. Überall hat es Privat- Schilder und
nirgends kann man noch wildzelten. Also musste ich mit Motels vorliebnehmen und
trotz schönstem Wetter drinnen schlafen.
San Francisco
Um nicht wie vor Las Vegas endlos durch langweilige Vororte fahren zu
müssen, nahm ich vor San Francisco die Fähre und konnte so die letzten 50 km
bequem in die Stadt hineinfahren. Wie überall in der USA ist auch hier wieder
alles etwas übertrieben und extreme Gegensätze stehen nebeneinander. Moderne
Hochhäuser neben antik aussehenden Häusern, alte Cable Cars, bei denen alles
mechanisch funktioniert neben selbstfahrenden Taxis und nicht zuletzt reiche Anzugsträger
neben armen Bettler in Lumpen.
Egal wohin ich in der Stadt ging, war jede Strasse voller Autos. Darunter
auch immer wieder selbstfahrende Taxis, die ganz ohne Fahrer ihre Passagiere
durch die Stadt chauffieren. So ganz geheuer sind mir diese Geisterautos nicht
und ich hatte immer wieder ein komisches Gefühl, wenn ich einem begegnete oder
sogar vor einem über die Strasse gehen musste. Da waren mir doch die Cable Cars
sympathischer, die gleich zwei Chauffeure brauchen, dafür ganz ohne Elektronik
und künstliche Intelligenz auskommen.
Nun bin ich auf den nächsten Abschnitt durch die USA gespannt. Nach Wüste
und Bergen kommt nun die Küste und ich hoffe, da wieder mehr Natur als
Zivilisation anzutreffen.

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| Mammothpass 2550 m |
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| Carsonpass 2620 m |
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Carsonpass 2620 m
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| Kanadagänse |
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| San Francisco |
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| San Francisco |
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| San Francisco |
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| San Francisco |
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| Alcatraz |
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| San Francisco |
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| San Francisco |
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| Cable Car |
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| Cable Car |
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| selbstfahrendes Taxi |
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