Freitag, 18. April 2025

Überquerung der Sierra Nevada (San Francisco, Kalifornien, USA)


Um an die Küste zu kommen, musste ich die Sierra Nevada überqueren. Eine Gebirgskette mit Gipfeln bis zu 4.421 m Höhe und zahlreichen Gletschern, Tälern und Schluchten. Also fuhr ich ein weiteres Mal langsam in die Höhe. Der Frühling verschwand ein weiteres Mal und ich kam wieder in den Winter.
Leider hat im Moment der direkteste und wahrscheinlich auch der schönste Weg über den Tiogapass und durch den Yosemite Nationalpark noch Wintersperre. Also musste ich auf der Ostseite der Sierra Nevada in den Norden fahren. Immer wieder ging es nach einem Pass kurz hinab in den Frühling um wenig später noch weiter hinauf in den Winter zu gehen. Der Schnee türmte sich auf jedem weiteren Pass noch etwas höher, bis ich schliesslich auf dem Carsonpass auf 2620 m Höhe stand. Da Oben hatte es gut einen Meter Schnee und alle Übernachtungsplätze waren noch tief darunter vergraben. Nach dem ich eine Zeit lang vergebens ein Plätzchen für mein Zelt gesucht hatte, gab ich schliesslich auf und lies mich einfach in einer Einfahrt zu einer Strasse nieder, die noch voll Schnee und gesperrt war. Obwohl es nicht der Yesomite Nationalpark war, war die Landschaft doch sehr schön und ich hatte immer wieder wunderschöne Panoramen. So auch an diesem Lagerplatz (was ich erst feststellte, nach dem ich mich entschieden hatte da zu schlafen), hatte ich eine schöne Sicht auf die schneebedeckten Berge und einen gefrorenen See.
 
Jahreszeitenwechsel extrem
So startete ich am nächsten Morgen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und mit einem Meter Schnee neben der Strasse. Die Strasse ging immer wie weiter hinab. Der Schnee verschwand und wie im Zeitraffer zog der Frühling an mir vorbei. Zuerst wurden die Wiesen langsam grün, bis das Gras schliesslich einen Meter hoch stand und an vielen Orten bereits gemäht oder abgeweidet wurde. Auch die Temperaturen stiegen immer wie weiter bis schliesslich die 30 Grad Marke überschritten wurde und Jugendliche im Fluss badeten und von einer Brücke sprangen. So fuhr ich an einem Tag vom tiefen Winter hinab in den Sommer. So einen schneller Jahreszeitenwechsel hatte ich zuvor noch nie erlebt. Leider wurde es an den kommenden Tagen nicht mehr so warm und es fühlt sich nun auch auf dieser Seite der Sierra Nevada wie Frühling und nicht mehr wie Sommer an. Ich weiss nicht ob es an dem Tag, an dem ich hinab fuhr einfach ausserordentlich warm war oder es daran liegt, dass ich nun näher an der Küste bin und es deshalb hier wieder kälter ist.
 
Zivilisation
Mit der Fahrt aus den Bergen hinaus, fuhr ich auch aus der Wildnis und kam in die Zivilisation. Dies mochte ich noch nie, hier ist es jedoch noch viel schlimmer. So schön, weit und eindrücklich die Gegend östlich der Sierra Nevada war, so langweilig, eintönig und steril ist sie nun hier im Westen. Neben unendlichen Ackerfeldern und Mandelplantagen, hatte es immer wieder Dörfer und kleine Städtchen, die mit ihren breiten Strassen, Drive-Thrus und sterilen Wohngegenden für mich alle gleich aussehen. Überall hat es Privat- Schilder und nirgends kann man noch wildzelten. Also musste ich mit Motels vorliebnehmen und trotz schönstem Wetter drinnen schlafen.
 
San Francisco
Um nicht wie vor Las Vegas endlos durch langweilige Vororte fahren zu müssen, nahm ich vor San Francisco die Fähre und konnte so die letzten 50 km bequem in die Stadt hineinfahren. Wie überall in der USA ist auch hier wieder alles etwas übertrieben und extreme Gegensätze stehen nebeneinander. Moderne Hochhäuser neben antik aussehenden Häusern, alte Cable Cars, bei denen alles mechanisch funktioniert neben selbstfahrenden Taxis und nicht zuletzt reiche Anzugsträger neben armen Bettler in Lumpen.
Egal wohin ich in der Stadt ging, war jede Strasse voller Autos. Darunter auch immer wieder selbstfahrende Taxis, die ganz ohne Fahrer ihre Passagiere durch die Stadt chauffieren. So ganz geheuer sind mir diese Geisterautos nicht und ich hatte immer wieder ein komisches Gefühl, wenn ich einem begegnete oder sogar vor einem über die Strasse gehen musste. Da waren mir doch die Cable Cars sympathischer, die gleich zwei Chauffeure brauchen, dafür ganz ohne Elektronik und künstliche Intelligenz auskommen.
 
Nun bin ich auf den nächsten Abschnitt durch die USA gespannt. Nach Wüste und Bergen kommt nun die Küste und ich hoffe, da wieder mehr Natur als Zivilisation anzutreffen. 




Mammothpass 2550 m









Carsonpass 2620 m

Carsonpass 2620 m



Kanadagänse

San Francisco

San Francisco

San Francisco

San Francisco

Alcatraz

San Francisco

San Francisco

Cable Car

Cable Car

selbstfahrendes Taxi


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