Donnerstag, 20. März 2025

Schnee und Kälte (Moab, Utha, USA)

Die Nächte wurden immer wie kälter und schliesslich begann es sogar zu schneien. Die nächste Unterkunft wäre noch 50 km weiter gewesen und ein sehr teures Hotel. Also suchte ich mir trotz Schneesturm einen Platz zum Zelten. Noch nie habe ich im Zelt übernachtet während es schneite. Zum Glück fand ich eine geschützte Stelle in einem Wäldchen und so war wenigstens der Wind kein Problem. Aufgebaut war das Zelt schnell, nun waren jedoch alle Taschen voller Schnee und ich musste sie ziemlich lange mit kalten Fingern abwischen, bis ich sie endlich ins Zelt nehmen konnte ohne darin eine Überschwemmung zu veranstalten. Dabei froren mir nicht nur die Finger ein, sondern auch der Lappen wurde immer wie steifer.
Während die Nacht im warmen Schlafsack warm und angenehm war, so wurde das Aufstehen wieder recht unangenehm. Über Nacht hat der Himmel aufgeklart, die Temperaturen sind dadurch noch weiter gesunken und alles war steif gefroren.
Zu meiner Überraschung funktionierte trotz Schnee, Eis und Kälte sowohl der Kocher wie auch alle Teile an Phönix reibungslos. Auch die Strasse war nicht vereist und ich konnte auch mit den abgenutzten Reifen problemlos darauf fahren.
Die Nacht im Schnee war im Grossen und Ganzen einfacher und angenehmer als erwartet. Trotzdem brauche ich es nicht gleich wieder und bevorzuge auch weiterhin das Wüstenklima.
Schon bald kam ich in etwas tiefere Lagen und der Schnee verschwand wieder. Die Temperaturen stiegen jedoch trotzdem nicht über 10 Grad und mit einem sehr kalten Wind fühlte es sich viel kälter an.
 
Navajo Nation Reservation
So kam ich ziemlich verfroren im Navajo Nation Reseration an. Das ist mit einer Fläche von 71'000 km2 (1,6x die Schweiz) das grösste Indianerreservat der USA. In diesem Gebiet gelten andere Gesetzte als im Rest der USA. Es fühlte sich auch so an als fuhre ich durch ein anderes Land. Die Strassenschilder, Geschäfte und Sprache waren zwar immer noch dieselben, aber der Wohlstand ist deutlich tiefer. Überall stehen ärmliche Hütten mit viel Gerümpel und Müll darum herum. Und die Bewohner sind fast alle Indigene, dass ich als Weisser wieder deutlich auffiel.
 
Monument Valley
Neben Wüste und Steppe gibt es im Navajo Nation Reservation auch mehrere Sehenswürdigkeiten und Naturparks. Auch diese werden nicht durch die USA verwaltet, sondern durch die Navajo Nation. Ich besuchte das Navajo National Monument: alte Ruinen, welche im Schutz von Felsvorsprüngen gebaut wurden und die Zeit überstanden haben. Sehr eindrücklich!
Auch das viel berühmtere Monument Valley, in dem zahlreiche Western und andere Filme wie «Zurück in die Zukunft» oder «Forrest Gump» gedreht wurden befindet sich im Navajo Nation Reservation und wird von der Navajo Nation verwaltet.
Schon seit ich begonnen hab meine Route durch die USA zu planen freute ich mich darauf, durch das Monument Valley fahren zu können. Und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Wie die Felsen da verstreut in der Gegend herumstehen und aus der roten Wüste herausschauen ist sehr beeindruckend.
Wie im ganzen Navajo Nation Reservation ist es auch im Monument Valley nicht möglich wild zu zelten. Es gibt jedoch verschiedene Zeltplätze. Schliesslich sprang ich über meinen Schatten und leistete mir den teuersten Zeltplatz meines Lebens. Nicht wirklich eben und bis auf ein WC und heisse Dusche keinen Luxus. Dafür eine fantastische Aussicht auf die berühmten Felsen.
Am nächsten Tag fuhr ich dann über den Forrest Gump Hill und stellte mich wie alle anderen Touristen mitten auf die Strasse um Fotos zu machen…
 
Goosenecks State Park
Nicht weit ausserhalb des Monument Valley ist ein weiteres Naturwunder. Der San Juan River hat sich da in mehreren engen Schlaufen in den Boden gegraben. Von einem Aussichtspunkt aus kann man nun die engen Schlaufen bewundern und sich fragen, weshalb der Fluss diese komplizierte Route gewählt hat.
 
Weite Strecken
So kam ich ein Naturwunder ums andere immer wie weiter in den Osten. Es ist faszinierend, wie viel weiter und grösser hier die Distanzen sind. So bin ich in den drei Wochen die ich nun in der USA bin bereits 1'500 km gefahren. Das entspricht der Stecke von der Schweiz aus nach Spanien, Kroatien oder Schweden. Während man mit so vielen Kilometer also fast durch halb Europa fahren kann, so ist man hier immer noch in derselben Ecke des Landes.
Nach drei Wochen fahren oder/und Sehenswürdigkeiten bewundern brauchte ich wieder einmal einen richtigen Ruhetag. In Moab fand ich dann ein richtiges Hostel mit Gemeinschaftszimmer, Aufenthaltsraum und Küche. Hier ruhe ich mich nun einen Tag aus, halte die Beine hoch und koche wieder einmal etwas anderes als Eintopf. Auch ist es schön wieder einmal einen ganzen Tag an der Wärme zu sein und nicht frieren zu müssen. Die Wetterprognosen sehen jedoch gut aus und es soll bald etwas wärmer werden. So kann ich hoffentlich die nächsten Nationalparks ohne kalt zu haben besichtigen, bevor es dann langsam wieder Richtung Westen geht. 





Schneesturm


Dinosaurierspuren

Navajo National Monument

Navajo National Monument


Monument Valley

Monument Valley

Monument Valley

Monument Valley

Monument Valley

Monument Valley

Monument Valley

Monument Valley

Goosenecks State Park

Goosenecks State Park

Goosenecks State Park







Mittwoch, 12. März 2025

Der Beginn in den USA (Grand Canyen Village, Arizona, USA)

Die ersten Tage fühlte ich mich in den USA fehl am Platz. Alles ist viel grösser und anders. Viele Drive-ins (oder Drive-through wie sie hier heissen), fast alle Strassen sind asphaltiert, fast keinen Müll am Strassenrand und keine Strassenhunde. Zudem kostet nun alles viel, viel mehr und die Menschen sind nicht mehr so herzlich. 
Nach 14 Monaten in Lateinamerika muss ich mich nun erst an das alles gewöhnen. 

Sandsturm
Die ersten Kilometer waren Landschaftlich nichts besonderes. Alles topfeben und wenn keine Landwirtschaft, dann sandige Wüste. Leider kam genau in dieser sandigen Wüste auch wieder der Wind auf. Stellenweise blies er so stark von der Seite, dass ich wie in Patagonien Mühe hatte auf der Strasse zu bleiben. Sand flog umher, dass man das Gefühl hatte im Nebel zu fahren und die Beine wurden gesandstrahlt. 

Joshua Tree Nationalpark 
Zum Glück wurde es schon bald wieder besser und am dritten Tag erreichte ich meinen ersten Nationalpark in den USA. Der Joshua Tree Nationalpark ist vorallem für seine Jushua Bäume und grossen Steinhaufen bekannt. Ich freute mich, dass ich nach den ersten Tagen mit Kulturschock wieder in die Natur zurückgehen konnte und genoss die Ruhe des Parks. 

Route 66
Schon bald nach dem Park kam ich auf die berühmte Route 66. Da ich schon mal hier bin und zufällig ein Stück in diese Richtung wollte, fuhr ich viereinhalb Tage und 450 km auf ihr. Endlose Strasse durch Wüste wechselte sich mit Pässen ab. Am Strassenrand hatte es jede Menge Souvenierläden mit diversen alten Sachen aus der Blütezeit dieser Strasse. Die gesammte Zeit hatte es jedoch erstaundlich wenig Verkehr und fast keine anderen Touristen. 
Der Fieber dieser Strasse konnte mich jedoch nicht packen. Schön bin ich ein Stück darauf gefahren, auf die restlichen 3220 km kann ich jedoch verzichten.

Frost und Schnee
Langsam ging die Strasse immer wie weiter in die Höhe. Die Temperaturen sanken immer wie mehr und schliesslich lag das erste mal seit Peru am Morgen eine Eisschicht auf dem Zelt. Auch dem Schnee kam ich immer wie näher. Zuerst sah ich ihn auf fernen Berggipfeln, dann lag er im Schatten grosser Steine und Sträuchern und schliesslich fast überall. Nach so langer Zeit mit mehrheitlich warmen bis heissen Temperaturen, musste ich mich erst wieder an die Kälte gewöhnen. Zum Glück hab ich warme Kleider dabei. 

Grand Canyen
Schliesslich kam ich auf über 2000 m Höhe an. Auch da Oben dehnte sich das Colorado Plateau scheinbar flach in alle Richtungen aus. Und bis auf die kühleren Temperaturen bemerkt man gar nicht dass man so weit oben ist. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, das da in der Nähe so eine grosse Schlucht sein soll. 
Als ich dann schliesslich an der Kante ankam, tat sich vor mir wie aus dem Nichts dieser gewaltige Canyon auf. Mit rund 450 km Länge, 6 bis 30 km Breite und bis zu 1800 m Tiefe ist er so gigantisch gross, dass man ihn gar nicht ganz erfassen kann. 
Am Tag meiner Ankunft war keine Wolke am Himmel und so weit das Auge reichte erstreckte sich die Schlucht vor mir. Am Grund fliesst der Colorado River, der sich in das Gestein hineingefressen hat. Dadurch legte er rund 1,5 Milliarden Jahre der geologischen Entwicklung dieses Teils Nordamerikas offen und es ist sehr eindrücklich die verschiedenen Gesteinsschichten zu sehen. 
Am zweiten Tag zogen Wolken und Regenschauer über und durch die Schlucht. Ich hatte Angst, bei dem Wetter nichts sehen zu können, doch dieses Wetter gab allem eine ganz besondere Stimmung. Sogar ein Regenbogen war kurz zu sehen. 
Irgendeimal will ich hier hin zurückkommen und danach mit guten Schuhen und Rucksack in den Canyon hinab steigen. Jetzt ist dedoch die falsche Jahreszeit und ich hab die falsche Ausrüstung dabei. So sah ich halt nur wehmütig auf die steilen Pfade unten in der Schlucht hinab. 

Planen im Zelt
Ich nutzte das schlechtere Wetter auch um meine nächsten Etappen zu planen. Hier gibt es so viel zu sehen und doch sind die Distanzen zwischen den Parks und Sehenswürdigkeiten ziemlich gross. Auch ist es in manchen Gebieten nicht einfach zu übernachten, da wildes Campen nicht überall möglich ist und die Hotels und Campingplätze, wenn überhaupt vorhanden meistens sehr teuer. 
Mit schwerem Herzen musste ich also einsehen, dass ich nicht alles besuchen kann, ohne gestresst zu werden und danach überhaupt nichts gesehen zu haben. Also suchte ich mir eine Route und Sehenswürdigkeiten heraus, die ich gut mit dem Velo besuchen kann und nehme mir dafür für diese genügend Zeit. Und die USA ist ja nicht so weit weg und relativ einfach zu erreichen. So kann ich den Rest auch ein anderes Mal besuchen. 


Joshua Tree Nationalpark 

Joshua Tree Nationalpark 

Joshua Tree Nationalpark 

Joshua Tree Nationalpark 

Joshua Tree Nationalpark 

Route 66

Route 66

Route 66

Oatman 

Route 66

Route 66

Route 66

Route 66

Route 66



Grand Canyon 

Grand Canyon 

Grand Canyon

Grand Canyon

Grand Canyon



Grand Canyon

Grand Canyon

Grand Canyon

Grand Canyon

Samstag, 1. März 2025

Adiós Mexico, (El Centro, Kalifornien, USA)

Abwechslungsreiche Wüste
Wie Baja California Sur, war auch mein letzter Bundesstaat in Mexiko, Baja California vorallem Wüste. Jedoch überhaupt nicht langweilig. Mal hatte es viele Kakteen, mal nur Steine, mal Kakteen und Steine, dann wieder nur Sand. Auch der Wind brachte viel Abwechslung hinein, an manchen Tagen stürmte es so stark, dass ich fast nicht voran kam. Oft nur einen Tag später hatte es dann überhaupt keinen Wind mehr und wieder einen Tag später war der Wind zurück. So fuhr ich mal schneller, mal langsamer von einem schönen Übernachtungsplatz in der Wüste zum nächsten. Immer wieder hatte es am Strassenrand kleine Lebensmittelläden, die zwar nicht ganz billig, aber doch meistens alles was man braucht verkauften.
So hatte ich immer genügend zu Essen und Trinken dabei und genoss die letzte Zeit in Mexiko in vollen Zügen. 

Panne
Nachdem ich in San Felipe, der letzten Stadt vor der Grenze nochmals einen Ruhetag gemacht hatte, fuhr ich ein letztes Mal in die mexikanische Wüste hinaus. Bereits seit ein paar Tagen knarzte etwas im Antrieb von Phönix. Da er trotzdem weiterfuhr, ignorierte ich es. Doch 40 km nach San Felipe knarzte es plötzlich ganz laut und das Tretlager wackelte ganz schön stark. Obwohl ich es noch versuchte, hatte ich keine Changse so noch weiter zu fahren. Also stellte ich mich an den Strassenrand und machte Autostop zurück nach San Felipe. Bereits nach 10 Minuten hielt ein Pick-up an und nahm mich mit. Nach weiteren 30 Minuten war ich wieder in San Felipe, wo der Velomechanicker gerade sein Geschäft öffnete. Er nahm sich sofort meinem Problem an und zauberte schliesslich auch ein neues Tretlager aus den Tiefen seiner etwas chaotischen Werkstatt hervor. Es ist zwar ein paar Milimeter kürzer als das alte, passt aber  trotzdem erstaundlich gut. Nach einer Stunde war Phönix wieder heile und rund 100 Minuten nach dem er schlap gemacht hatte, war er wieder fahrtüchtig. So fuhr ich fünf Stunden nachdem ich das erste Mal aus San Felipe hinaus fuhr ein zweites Mal die 40 km in die Wüste hinaus. Ich hoffe nun, dass nicht noch mehr solche Pannen kommen und wenn doch, auch diese so schnell repariert sind. 

Grenze
Fast ganze drei Monate war ich nun in Mexiko. Ausser in Neuseeland war ich noch in keinem anderen Land so lange am Stück unterwegs. Ich hab viel gesehen, bin durch verschiedene Klimazonen gefahren und hab meinen 50'000ster Kilometer mit Phönix zurückgelegt. Nun nach 5'000 km stand ich vor der nächsten Grenze. Dieses mal eine mit einem riesigen Grenzzaun und es fühlte sich fast so an wie eine Grenze zu einer anderen Welt. 
Der Übertritt ging dann erstaundlich problemlos und die meiste Zeit, die ich am Schalter stand, verbrachte die Grenzbeamtin damit in ihrem Computer die Schweiz zu suchen. Es musste sogar ein Kollege zu Hilfe kommen und als sie dann gemeinsam die Schweiz gefunden hatten und ich gescannt und registriert war, konnte ich auch schon auf die andere Seite des Zauns wechseln. 
Nun habe ich neue 3 Monate Zeit um dieses Land zu erfahren. Die ersten Kilometer fühlten sich sehr ungewohnt an. Scheint doch alles hier etwas grösser, es liegt kein Müll mehr herum und die Hunde sind alle hinter Zäunen.

















US-Grenzzaun


Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...