Montag, 21. Oktober 2024

Costa Rica (La Fortuna, Costa Rica)

Mit der Erwartung, dass die Grenzübergänge hier in Zentralamerika nun komplizierter sind, fuhr ich zur Grenze nach Costa Rica. Bei der Ausreise aus Panama wurden alle meine Fingerabdrücke und mein Gesicht registriert, bevor ich den Ausreisestempel bekam. In Costa Rica wollten sie danach nur wissen wohin ich gehe und schon hatte ich den Stempel im Pass. So stand ich ziemlich überrascht nach wenigen Minuten im 40. Land das ich mit Phönix bereise und im 44. Land in meinem Leben. Ich war so überrascht so schnell ins Land hinein gekommen zu sein, dass ich ganz vergas an der Grenze eine neue Sim-Karte zu kaufen und Geld zu wechseln. Zum Glück konnte ich das später noch nachholen.
 
Nationalpark Cahuita
Auf den ersten Blick war in Costa Rica alles gleich wie in Panama. Immer noch viele Bananenplantagen und dazwischen immer wieder Dschungel. Da der Grenzübertritt so reibungslos und schnell vonstattenging, trat ich in die Pedalen und erreiche noch am selben Tag den ersten Nationalpark. Da mietete ich mich erneut für zwei Nächte in ein Hostel ein und besuchte am Morgenfrüh den Park. Bei bestem Wetter durchstreifte ich den Park und suchte wilde Tiere. Zu meiner Überraschung sah ich am Morgenfrüh noch nicht viele. Mit der Zeit kamen jedoch immer wie mehr aus ihren Verstecken und ich konnte ganz schön viele Fotos machen.
Als ich am nächsten Tag wieder auf dem Velo sass, spürte ich verschiedene Muskeln, welche ich normalerweise nicht bemerke. Meine Muskulatur ist inzwischen vom vielen Velofahren so einseitig geworden, dass ich bereits nach 15 km durch einen flachen Wald spazieren bereits Muskelkater bekomme.
 
Costa Rica
Ausserhalb des Parks fuhr ich wieder durch viele Plantagen, in denen Bananen, Ananas, Kokosnüsse, Zuckerrohr und vieles mehr angebaut wird. Auch Kühe hat es immer wieder, wenn auch bei weitem nicht mehr so viele wie in Kolumbien. Die Strasse war mal grösser, mal kleiner. Leider fuhren auch auf den kleinen Strassen die ganz grossen Lastwagen. So wurde es zum Teil etwas eng und ich musste ein paar Mal zur Seite springen, da der Chauffeur keine Geduld hatte. Aber grösstenteils sind auch hier die Menschen sehr freundlich und nehmen viel Rücksicht auf mich. Nur die Preise sind nochmals deutlich höher und manche Produkte sind fast so teuer wie in der Schweiz.
 
Bogarin Trail
Nach drei Tagen quer durch Costa Rica fahren, kam ich zu meinem nächsten Ziel, dem Vulkan Arsenal. Ein weiterer Berg wie aus dem Bilderbuch. Bis 2010 brach er regelmässig aus und beförderte ziemlich viel Lava etc. an die Oberfläche. Nun ruht es friedlich inmitten von viel Grün. Der grösste Teil des Parks ist jedoch immer noch gesperrt und man kann nur auf wenigen Wegen durch den Dschungel gehen. Dafür hat es direkt neben dem Ort La Fortuna einen privaten Wald. Vor 25 Jahren hat die Familie Bogarin auf Ackerland begonnen wieder Bäume zu pflanzen und einen Wald aufzuforsten. Da es hier in den Tropen keinen Winter gibt und alle Pflanzen sehr schnell wachsen, sieht man heute bereits fast keinen Unterschied mehr zum natürlichen Dschungel. Durch den Park führen schöne Wege und man kann viele verschiedene Tiere darin beobachten.
Den ganzen Vormittag streifte ich alleine durch den Park und entdeckte unter anderem Frösche, Eidechsen und viele verschiedene Vögel. Doch auch wenn ich noch so oft in die Bäume hinaufschaute, konnte ich kein Faultier entdecken. Am Abend kehrte ich dann nochmals zum Park zurück und nahm an einem Nachtrundgang teil. In der Nacht kommt man nur mit einem Führer hinein. Da dann die giftigen Schlangen aus ihren Verstecken kommen, wäre es ohne kundigen Führer zu gefährlich. Nach einem Biss der giftigsten Schlange hat man nur eine Stunde Zeit um das Gegengift zu bekommen. (Also ist es besser, sich nicht beissen zu lassen.) Eine solche Schlange konnten wir dann auch in einem Gebüsch beobachten, wie sie gerade auf der Jagt nach Fröschen war.
William, der Guide erzählte viel über den Park und ich erfuhr, dass es Frösche gibt, die auf Bäumen leben, der Bau von Blattscheideameisen bis zu 12 m in den Boden geht und dass man einen Kautschukbaum anzünden kann. Letzteres demonstrierte William gleich, indem er mit einem Stein an einen Kautschukbaum schlug und anschliessend den austretenden Saft anzündete. Wie eine Kerze brannte es dann in der Dunkelheit bis ich es wieder ausblies.
Nach dem ich den ganzen Morgen in die Bäume starrte und kein Faultier entdeckte, zeigte William nun immer wieder nach oben und zeigte mir sogar im Dunkeln mehrere Tiere. Die meiste hielt ich auf den ersten Blick für Blätter und wunderte mich, wie er sie so schnell entdecken konnte. Faultiere sind schon sehr spezielle Tiere, wie sie da in den Bäumen hängen und bis zu 20 Stunde am Tag schlafen. Interessant ist auch die Geburt eines Faultieres. Die Weibchen gebären hoch oben in den Bäumen. Die Jungen hängen dabei kurz nach der Geburt an der Nabelschnur wie an einem Bungeejumpingseil bis sie von der Mutter gegriffen und in den Schoss gezogen werden. Da kümmern sie sich dann um das kleine, bis es genügend gross ist um alleine zurecht zu kommen. Dann wird es einfach ausgesetzt und muss alleine klarkommen. Das Kleine rufe jeweils noch mehrere Tage nach der Mutter bis es sein Schicksal akzeptiert und von da an wie alle Faultiere alleine lebt.
 
Unfall
Am nächsten Tag war ich ziemlich müde und entschloss einen ruhigen Tag zu machen. Am Nachmittag besuchte ich nach langem wieder einmal eine Pizzeria und ass eine Pizza und ein Tiramisu. Auf das Tiramisu hätte ich jedoch besser verzichtet. Es war nicht nur sehr teuer und schmeckte nicht (sogar da haben sie Caramel hinzugefügt), sondern irgendetwas musste auch sonst nicht ok damit gewesen sein. Denn am Abend begann mein Bauch zu schmerzen und in der Nacht kam die ganze Sache im Eiltempo oben und unten wieder rauss. Nach einem dieser WC besuche erwachte ich nicht in meinem Bett, sondern in einer Blutlache in der Dusche. Nach ein paar orientierungslosen Sekunden wurde mir klar, dass ich von der Toilette gefallen bin und meine Stirn aufgeschlagen hatte. Die Platzwunde blutete danach alles voll und vermischt mit dem Wasser in der Dusche. So sah alles viel schlimmer aus, als es schliesslich war. Also kämpfte ich mich zurück ins Bett und reinigte anschliessend Stück für Stück alles von meinem Blut. Der Magen und Darm hatte sich inzwischen beruhigt, dafür schmerzte mir nun der Schädel. Als ich am Morgen versuchte die Platzwunde selber zu versorgen, klappte ich erneut zusammen und jetzt habe ich auch noch ein schmerzendes Hintern. So wartete ich, bis der Hostelbesitzer aufstand und liess mich von ihm verarzten. So verschob ich die Wanderung zu einem Wasserfall erneut und bin froh, wenn ich es ohne umzufallen in die Küche und zurück schaffe.
Nach dem in Cartagena ein Bett über mir zusammengebrochen ist und mir ein paar Schrammen an den Beinen zugefügt hat, ist dies nun bereits der zweite Unfall in einem Hostel. Eventuell sollte ich doch einen Bogen um Betten und Badezimmer machen.
 
So bleibe ich noch etwas länger hier und lasse mich von den netten Hostelbesitzer umsorgen. Anschliessend hoffe ich die Wanderung zum Wasserfall doch noch machen und danach schwindelfrei weiterreisen zu können. Durch meinen tiefen Blutdruck bin ich es gewohnt, dass mir schnell schwindlig wird und ich bei Krankheiten aufpassen muss nicht hinzufallen. So schlimm wie letzte Nacht und heute Morgen war es jedoch schon lange nicht mehr. Jedenfalls werde ich nun wieder eine längere Zeit in keinem Restaurant essen und schon gar kein Tiramisu!

Rotaugenlaubfrosch

Bananenplantage

Bananen-Transport 

Cahuita Nationalpark

Cahuita Nationalpark

Aguti

Bunthörnchen

Einsiedlerkrebs


Kapuzineraffe

Waschbär

Goldbaumsteiger

Annanasplantage

Vulkan Arsenal

Erdbeerfröschchen

Cayenneralle

Türkisnaschvogel

Tukan

Türkisnaschvogel

Kolibri

Chlorophanes

Helmsbasilisk (Männchen)

Helmsbasilisk (Weibchen) 

Grünkehlorganist

Faultier

Faultier

Terciopelo-Lanzenotter



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