Mit der Erwartung, dass die Grenzübergänge hier in Zentralamerika nun
komplizierter sind, fuhr ich zur Grenze nach Costa Rica. Bei der Ausreise aus
Panama wurden alle meine Fingerabdrücke und mein Gesicht registriert, bevor ich
den Ausreisestempel bekam. In Costa Rica wollten sie danach nur wissen wohin
ich gehe und schon hatte ich den Stempel im Pass. So stand ich ziemlich
überrascht nach wenigen Minuten im 40. Land das ich mit Phönix bereise und im
44. Land in meinem Leben. Ich war so überrascht so schnell ins Land hinein
gekommen zu sein, dass ich ganz vergas an der Grenze eine neue Sim-Karte zu
kaufen und Geld zu wechseln. Zum Glück konnte ich das später noch nachholen.
Nationalpark Cahuita
Auf den ersten Blick war in Costa Rica alles gleich wie in Panama. Immer
noch viele Bananenplantagen und dazwischen immer wieder Dschungel. Da der
Grenzübertritt so reibungslos und schnell vonstattenging, trat ich in die Pedalen
und erreiche noch am selben Tag den ersten Nationalpark. Da mietete ich mich
erneut für zwei Nächte in ein Hostel ein und besuchte am Morgenfrüh den Park.
Bei bestem Wetter durchstreifte ich den Park und suchte wilde Tiere. Zu meiner
Überraschung sah ich am Morgenfrüh noch nicht viele. Mit der Zeit kamen jedoch
immer wie mehr aus ihren Verstecken und ich konnte ganz schön viele Fotos
machen.
Als ich am nächsten Tag wieder auf dem Velo sass, spürte ich verschiedene
Muskeln, welche ich normalerweise nicht bemerke. Meine Muskulatur ist
inzwischen vom vielen Velofahren so einseitig geworden, dass ich bereits nach
15 km durch einen flachen Wald spazieren bereits Muskelkater bekomme.
Costa Rica
Ausserhalb des Parks fuhr ich wieder durch viele Plantagen, in denen
Bananen, Ananas, Kokosnüsse, Zuckerrohr und vieles mehr angebaut wird. Auch
Kühe hat es immer wieder, wenn auch bei weitem nicht mehr so viele wie in
Kolumbien. Die Strasse war mal grösser, mal kleiner. Leider fuhren auch auf den
kleinen Strassen die ganz grossen Lastwagen. So wurde es zum Teil etwas eng und
ich musste ein paar Mal zur Seite springen, da der Chauffeur keine Geduld
hatte. Aber grösstenteils sind auch hier die Menschen sehr freundlich und
nehmen viel Rücksicht auf mich. Nur die Preise sind nochmals deutlich höher und
manche Produkte sind fast so teuer wie in der Schweiz.
Bogarin Trail
Nach drei Tagen quer durch Costa Rica fahren, kam ich zu meinem nächsten
Ziel, dem Vulkan Arsenal. Ein weiterer Berg wie aus dem Bilderbuch. Bis 2010
brach er regelmässig aus und beförderte ziemlich viel Lava etc. an die
Oberfläche. Nun ruht es friedlich inmitten von viel Grün. Der grösste Teil des
Parks ist jedoch immer noch gesperrt und man kann nur auf wenigen Wegen durch
den Dschungel gehen. Dafür hat es direkt neben dem Ort La Fortuna einen
privaten Wald. Vor 25 Jahren hat die Familie Bogarin auf Ackerland begonnen
wieder Bäume zu pflanzen und einen Wald aufzuforsten. Da es hier in den Tropen
keinen Winter gibt und alle Pflanzen sehr schnell wachsen, sieht man heute
bereits fast keinen Unterschied mehr zum natürlichen Dschungel. Durch den Park
führen schöne Wege und man kann viele verschiedene Tiere darin beobachten.
Den ganzen Vormittag streifte ich alleine durch den Park und entdeckte
unter anderem Frösche, Eidechsen und viele verschiedene Vögel. Doch auch wenn
ich noch so oft in die Bäume hinaufschaute, konnte ich kein Faultier entdecken.
Am Abend kehrte ich dann nochmals zum Park zurück und nahm an einem
Nachtrundgang teil. In der Nacht kommt man nur mit einem Führer hinein. Da dann
die giftigen Schlangen aus ihren Verstecken kommen, wäre es ohne kundigen
Führer zu gefährlich. Nach einem Biss der giftigsten Schlange hat man nur eine
Stunde Zeit um das Gegengift zu bekommen. (Also ist es besser, sich nicht
beissen zu lassen.) Eine solche Schlange konnten wir dann auch in einem Gebüsch
beobachten, wie sie gerade auf der Jagt nach Fröschen war.
William, der Guide erzählte viel über den Park und ich erfuhr, dass es
Frösche gibt, die auf Bäumen leben, der Bau von Blattscheideameisen bis zu 12 m
in den Boden geht und dass man einen Kautschukbaum anzünden kann. Letzteres
demonstrierte William gleich, indem er mit einem Stein an einen Kautschukbaum
schlug und anschliessend den austretenden Saft anzündete. Wie eine Kerze
brannte es dann in der Dunkelheit bis ich es wieder ausblies.
Nach dem ich den ganzen Morgen in die Bäume starrte und kein Faultier
entdeckte, zeigte William nun immer wieder nach oben und zeigte mir sogar im Dunkeln
mehrere Tiere. Die meiste hielt ich auf den ersten Blick für Blätter und
wunderte mich, wie er sie so schnell entdecken konnte. Faultiere sind schon
sehr spezielle Tiere, wie sie da in den Bäumen hängen und bis zu 20 Stunde am
Tag schlafen. Interessant ist auch die Geburt eines Faultieres. Die Weibchen
gebären hoch oben in den Bäumen. Die Jungen hängen dabei kurz nach der Geburt
an der Nabelschnur wie an einem Bungeejumpingseil bis sie von der Mutter
gegriffen und in den Schoss gezogen werden. Da kümmern sie sich dann um das
kleine, bis es genügend gross ist um alleine zurecht zu kommen. Dann wird es
einfach ausgesetzt und muss alleine klarkommen. Das Kleine rufe jeweils noch
mehrere Tage nach der Mutter bis es sein Schicksal akzeptiert und von da an wie
alle Faultiere alleine lebt.
Unfall
Am nächsten Tag war ich ziemlich müde und entschloss einen ruhigen Tag zu
machen. Am Nachmittag besuchte ich nach langem wieder einmal eine Pizzeria und
ass eine Pizza und ein Tiramisu. Auf das Tiramisu hätte ich jedoch besser
verzichtet. Es war nicht nur sehr teuer und schmeckte nicht (sogar da haben sie
Caramel hinzugefügt), sondern irgendetwas musste auch sonst nicht ok damit
gewesen sein. Denn am Abend begann mein Bauch zu schmerzen und in der Nacht kam
die ganze Sache im Eiltempo oben und unten wieder rauss. Nach einem dieser WC
besuche erwachte ich nicht in meinem Bett, sondern in einer Blutlache in der Dusche.
Nach ein paar orientierungslosen Sekunden wurde mir klar, dass ich von der
Toilette gefallen bin und meine Stirn aufgeschlagen hatte. Die Platzwunde blutete
danach alles voll und vermischt mit dem Wasser in der Dusche. So sah alles viel
schlimmer aus, als es schliesslich war. Also kämpfte ich mich zurück ins Bett
und reinigte anschliessend Stück für Stück alles von meinem Blut. Der Magen und
Darm hatte sich inzwischen beruhigt, dafür schmerzte mir nun der Schädel. Als
ich am Morgen versuchte die Platzwunde selber zu versorgen, klappte ich erneut
zusammen und jetzt habe ich auch noch ein schmerzendes Hintern. So wartete ich,
bis der Hostelbesitzer aufstand und liess mich von ihm verarzten. So verschob
ich die Wanderung zu einem Wasserfall erneut und bin froh, wenn ich es ohne
umzufallen in die Küche und zurück schaffe.
Nach dem in Cartagena ein Bett über mir zusammengebrochen ist und mir ein
paar Schrammen an den Beinen zugefügt hat, ist dies nun bereits der zweite Unfall
in einem Hostel. Eventuell sollte ich doch einen Bogen um Betten und Badezimmer
machen.
So bleibe ich noch etwas länger hier und lasse mich von den netten Hostelbesitzer
umsorgen. Anschliessend hoffe ich die Wanderung zum Wasserfall doch noch machen
und danach schwindelfrei weiterreisen zu können. Durch meinen tiefen Blutdruck
bin ich es gewohnt, dass mir schnell schwindlig wird und ich bei Krankheiten
aufpassen muss nicht hinzufallen. So schlimm wie letzte Nacht und heute Morgen
war es jedoch schon lange nicht mehr. Jedenfalls werde ich nun wieder eine
längere Zeit in keinem Restaurant essen und schon gar kein Tiramisu!