Mittwoch, 28. August 2024

Start in Kolumbien (Popayan, Kolumbien)

Ausgeruht und gestärkt fuhr ich weiter Richtung Norden. Zu meiner Überraschung machten mir die hohen Temperaturen, kombiniert mit der hohen Luftfeuchtigkeit auch auf dem Velo nichts aus. Ausserhalb der Städte ist das tropische Klima bei weitem nicht so schlimm wie ich es mir vorgestellt hatte. Durch die vielen Bäume gibt es immer wieder etwas Schatten und der Fahrtwind kühlt angenehm. So kam ich auch bei Temperaturen von knapp 40 Grad noch gut voran.

Neue Tierwelt
Da ich nun wusste worauf ich achten muss, entdeckte ich auch selber immer wieder exotische Tiere am Strassenrand. So konnte ich bei einer Mittagspause einer Gruppe Affen in den Bäumen zuschauen und immer wieder verschwinden kleine Tiere im Gebüsch die ich nicht kenne. Auch die Warnschilder neben der Strasse warnen vor allem Möglichen, das ich gerne einmal sehen würde. Doch leider bleiben die meisten Tieren in ihren Verstecken und zeigen sich nicht.
Da die Kuhrassen die wir bei uns in Europa kennen, Hitze nicht gut vertragen, werden hier meistens Zebus gehalten. Mir gefallen diese exotischen Kühe sehr und ich muss sie immer wieder fotografieren.

Kolumbien
Wie meistens vor Grenzübergängen fuhr ich auch dieses Mal etwas nervös zur Grenze nach Kolumbien. Im Internet habe ich überall gelesen, dass man nur einreisen darf, wenn man einen ausführlichen Fragenbogen online ausgefüllt hat. Auch nach langem Suchen fand ich jedoch nirgends einen solchen Fragebogen für die Einreise über den Landweg. So hoffte ich, dass ich ihn direkt an der Grenze ausfüllen kann. Doch zu meinem Erstaunen durfte ich ohne Probleme und ohne Fragen zu beantworten einreisen und kann nun 90 Tage im Land bleiben. Es scheint ganz so, als ob der Fragebogen nur für Reisende über den Luftweg ist oder ich hatte einfach Glück und die Behörden an der Grenze hatten keine Lust sich lange mit mir abzugeben.

Obwohl die Landschaft und das Klima auf der anderen Seite der Grenze noch dasselbe ist, veränderte sich doch einiges. Die Kolumbianer*innen scheinen mindestens einen Gang mehr zu haben als die anderen Südamerikaner*innen und sind schneller unterwegs und scheinen beschäftigter zu sein. Trotzdem grüssen sie stehts freundlich und viele interessieren sich für mich und meine Reise. Ich werde sogar regelmässig von Kindern und Jugendlichen angesprochen. In den anderen Ländern versteckten sie sich eher von mir als dass sie mit mir geredet hätten.

Das bevorzugte Fortbewegungsmittel hier ist definitiv das Motorrad. Überall fahren sie mit ihnen hin und nicht selten sitzen sie zu dritt oder noch zu mehrt darauf. Alles Mögliche wird damit transportiert, wobei Helme oft überflüssig sind. Auch kleine Kinder sitzen zwischen ihren Eltern oder sind in einem Tragetuch festgeschnallt. Sobald sie dann genügend gross sind selber zu fahren, lenken sie auch selber. Nicht etwa kleine Mofas wie sie Kinder in der Schweiz fahren, nein auch die Kleinen sitzen gleich auf den grossen Maschinen. Einzig bei den fast täglichen Regengüssen verschwinden die meisten Motorräder von der Strasse und die Fahrer*innen stellen sich irgendwo unter. Dauern die Regengüsse mal doch länger werfen sie sich Ponchos über, bei denen nur der Fahrer hinausschauen kann. Das sieht dann oft sehr witzig aus, Wenn die Motorräder wie Kamele mehrere Höcker haben.

Bereits in Ecuador hatte es viel weniger Müll am Strassenrand als in Peru. Hier in Kolumbien hat es nochmals einiges weniger und die Strassen sind meistens sauber und in einem guten Zustand.

Nur leider haben sie hier die doofe Angewohnheit Flüssigkeiten anstelle in Flaschen, in Plastiksäcken zu verkaufen. Wasser kann ich noch relativ einfach vom Plastiksack in meine Flaschen umfüllen. Doch Joghurt lässt sich so fast nicht mehr transportieren, will ich nicht jedes Mal eine Wasserflasche opfern…  
 
Erneut Höhenmeter
Um das Amazonasbecken verlassen zu können, musste ich wieder in die Berge hinauffahren. So sammelte ich wieder einmal Höhenmeter. Je höher hinauf ich kam, je kühler wurde es. Waren die täglichen Regengüsse am Nachmittag in den tiefen Lagen eine willkommene Abkühlung, so wurde es oberhalb 2'000 m schnell kalt. So packte ich doch meine Regenkleider aus. Nass wurde ich zwar trotzdem, da ich in den Regenkleidern schnell nassgeschwitzt war, dafür hatte ich nicht kalt. Auf 3'200 m hatte ich dann die Passhöhe erreicht. Über eine neue Strasse mit einem angenehmen Gefälle ging es auf der anderen Seite hinab. Für einmal konnte ich die Abfahrt so richtig geniessen.
 
Popayan
So kam ich nach Popayan, der ersten grösseren Stadt in Kolumbien. Da sie auf 1'738 m Höhe liegt ist das Klima hier nicht zu heiss und mit 15 – 25 Grad sehr angenehm. So liess ich mich in einem kleinen Hostel in einem der typisch weissen Häuser nieder. Die Hotels hier in Kolumbien sind alle sehr günstig und ein Zimmer kostet meistens zwischen 5 und 7 Franken pro Nacht. Auch sonst kostet alles hier sehr wenig. Auf den ersten Blick sieht es zwar nicht so aus und das meiste kostet mehrere tausend Pesos. 5'000 Kolumbianische Pesos sind jedoch nur gut einen Franken und somit sieht es nur nach viel aus.
 
Obwohl ich ursprünglich nicht geplant hatte, lange durch Gebiet mit tropischem Klima zu fahren, so freue ich mich nun doch, noch einige Zeit unter Palmen in der Wärme verbringen zu können.


Zebus














Bananen

Kakaobaum


Popayan





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