Cayambe – Coca Nationalpark
Nach dem ich mich von der Farm und
dem sesshaften Leben verabschiedet hatte, fuhr ich Richtung Südosten und überquerte
erneut den Äquator Richtung Süden. Anschliessend kletterte ich nochmals hinauf
auf knapp 4‘000 m. Bevor es hinab ins Amazonasbecken ging besuchte ich den
Cayambe – Coca Nationalpark. Sowohl die Landschaft wie auch das Wetter da oben
erinnerten mich stark an Schottland. Mit maximal 10 Grad und vereinzeltem Nieselregen
fror ich ganz schön. Zum Glück hat es am Rande des Parks viele heisse Quellen
und ich konnte mich am Ende in einem Thermalbad aufwärmen.
Klimawechsel
In ständigem auf und ab kam ich
immer wie weiter hinab ins Amazonasbecken. Die Bäume wurden grösser, die
Pflanzen grüner und die Tiere exotischer. Die Luftfeuchtigkeit nahm zu und die
Temperaturen stiegen. Am Ende pendelten sich die Temperaturen zwischen 25 und
35 Grad ein. Die Luftfeuchtigkeit ist dabei so hoch, dass die Kleider praktisch
nicht mehr trocken werden und wenn man ein Getränk kauft und im Laden aus dem
Kühler nimmt, läuft das Kondenswasser sofort daran hinab und am Boden gibt es eine
Pfütze.
Einmal mehr war ich fasziniert,
wie man hier in Südamerika innert wenigen Kilometern von einer Klimazone in
eine andere wechseln kann und wie sich die Landschaft auf kurzer Distanz völlig
verändert.
Anreise in den Dschungel
Erneut folgte ich Empfehlungen
anderer Veloreisenden und buchte eine dreitägige Tour durch den Dschungel. Mein
Velo Phönix und das meiste Gepäck lies in El Coca im Hotel zurück. Pünktlich
wurde ich von meinem Guide Henry abgeholt (https://henryecotours.com). Da ich der einzige Gast war,
gingen wir wie abgemacht zum Busbahnhof und fuhren mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln in den Dschungel. Leider war jedoch der direkte Weg wegen
Demonstrationen gesperrt. Die lokale Bevölkerung demonstrierte gegen eine
Erdölgesellschaft, deren Pipeline kaputt gegangen ist und das Trinkwasser
verschmutzte. Jedenfalls mussten wir einen grösseren Umweg fahren und der Bus
war endlos überfüllt. Erst beim Austeigen bemerkte ich, dass ich mein Natel
nicht mehr hatte und als ich in den Bus zurück rannte war es nirgends mehr zu
finden. Keine Ahnung wann, wo und wie, jedenfalls hat es gegen meinen Willen
den Besitzer gewechselt.
So landete ich etwas verwirrt in
Limoncocha, dem Ausgangspunkt für die Touren in den Dschungel. Irgendwie ging
ich davon aus, dass dieser Ort nur schwer zu erreichen ist. Aber durch die
vielen Ölförderungen in der Gegend ist diese Region mit Top geteerten Strassen
erschlossen. Es wäre also kein Problem gewesen mit dem Velo dahin zu fahren.
Ja, sogar eine sehr schöne Strecke durch kleine Dörfer und verschiedene Plantagen
wie Kakao, Bananen und viel Wald. Also ärgerte ich mich am meisten darüber,
dass ich nicht selber dahin gefahren bin. Hätte ich mich mit Henry erst in
Limoncocha getroffen, hätte ich nicht nur alles dabeigehabt und nicht das
meiste in El Coca zurücklassen müssen, sondern auch mein Handy noch…
Blick nach vorne
Dies liess sich nun jedoch nicht mehr ändern und ich machte
das Beste daraus. Versuchte das Problem vom Natel, welches ist im Moment nicht
ändern konnte nach hinten zu schieben und versuchte den Dschungel trotzdem zu geniessen.
Wir wohnten in einem kleinen,
einfachen Hotel am Rande des Limoncocha und Yasuni
Nationalpark. In verschiedenen Ausflügen zu Fuss oder mit einem Boot
erkundeten wir ab da den Dschungel und suchten verschiedene Tiere. Kaum hatte
ich mich damit abgefunden, kein Natel zu haben bis ich zurück in der Stadt bin,
ging beim Fotoapparat das Zoom kaputt. Bereits seit Bolivien spuckte es immer
wieder. Nun konnte ich definitiv nicht mehr zoomen und nur noch in der
Grundposition fotografieren. (Ideal um Tiere in der Wildbahn abzulichten…)
Auch das liess sich nun nicht ändern und da ich ja kein Natel
hatte, welches mein Backup für den Fotoapparat wäre, genoss ich halt die Tiere
durch das Fernglas und machte in meinen Gedanken viele schöne
Erinnerungsbilder. Auf dem «Papier» habe ich nun halt nur ein paar schlechte
Bilder von weitem. Ich bin ja sowieso nicht auf Reisen um Fotos zu machen,
sondern um Erlebnisse zu sammeln. Und dies geht ja auch ohne elektronische
Hilfsmittel…
Der Dschungel und seine Tiere
Mein Guide Henry ist hier im
Dschungel aufgewachsen und kennt ihn und seine Tiere sehr gut. Meistens ging er
ohne Fernglas voraus oder sass vorne im Boot. Dabei zeigte er immer wieder auf Tiere,
die ich meistens erst entdecken konnte, wenn ich das Fernglas genau in die von
ihm gezeigte Richtung hielt. Dadurch das Henry den Dschungel hier so gut kennt,
konnte er mich an Orte führen, die nur selten von Touristen besucht werden und
an denen es sehr viele verschiedene Tiere gibt. Dabei erzählte er mir auch viel
über die Tiere und ich konnte eine Menge lernen. Immer wieder zeigte er mir
Vögel, die nur hier in dieser Region vorkommen. Oder der Hoatzin, ein Vogel, der wie
ein Phönix aussieht. Er ernährt sich ausschliesslich pflanzlich von grünen
Blättern, was für einen Vogel bereits schon speziell ist. Er kann zwar nicht
besonders gut fliegen und hat auch sonst keine speziellen Fähigkeiten ausser,
dass es ihn bereits seit der Zeit der Dinosaurier gibt und er sich in den tausenden
von Jahren kaum bis überhaupt nicht verändert hat. Er lebt einfach schon immer
hier im Amazonasgebiet und scheint kein Interesse oder Bedürfnis zu haben etwas
daran zu ändern.
Neben den vielen verschiedenen Vögeln
sahen wir auch verschiedene Affenarten. Meistens Totenkopfäffchen, aber auch
andere, grössere. Bei einem Ausflug in der Nacht konnten wir Glühwürmchen und Alligators
beobachten. Ein anderes besonderes Highlight war eine Riesenotterfamilie, die
uns mehrere Minuten anbrüllte und zu vertreiben versuchte, bis sie schliesslich
selber abtauchte. Die eindrücklichen, vom Aussterben bedrohten Tiere sind nicht
nur extrem Laut, sondern können bis zwei Meter lang und 45 kg schwer werden.
Rio Napo
Sowohl der Limoncocha wie auch
Yasuni Nationalpark liegen am Río Napo. Das ist einer der wichtigsten
Nebenflüsse des Amazonas und bereits hier in Ecuador erstaunlich gross. Wenn
ich denke, wie der Rhein innerhalb seinen gut 1000 km oder die Donau in ihren
2'500km wächst, so ist es kaum Vorstellbar, wie gross der Amazonas nach 6'400
km sein wird, wenn der Río Napo bereits so gross ist, obwohl er nur ein
Nebenfluss am Oberlauf ist.
Obwohl es mittlerweile in der
Region hier ziemlich viele Strassen gibt, so ist der Rio Napo immer noch eine
wichtige Verkehrsader. Vor allem die Einheimischen, die entlang des Flusses, am
Rande der Nationalparks leben, sind oft mit ihren Booten auf dem Fluss
unterwegs. So war es sehr eindrücklich ebenfalls mit einem Boot über diesen
breiten Fluss zu fahren und die anderen Boote und die Tiere zu beobachten.
Kontakt mit
Einheimischen
Da Henry hier aufgewachsen
ist, kennt er natürlich viele Bewohner der Gegend. Und da wir in den lokalen
Restaurants assen und viel im Dorf unterwegs waren, lernte auch ich viele neue Leute
kennen. An einem Nachmittag, an dem es zu heiss war, um Tiere zu beobachten, landeten
wir an einem kleinen Nebenfluss, an dem sich die Kinder und Jugendlichen vom
Dorf abkühlten. Nach dem mir alle versicherten, das sich Piranhas und
Alligators nur im stehenden Wasser aufhalten und hier sicher nichts solches herumschwimmt, sprang auch ich ins kühle Nass. Es war sehr witzig mit den
einheimischen Kindern im Fluss zu schwimmen. Voller Stolz kletterten sie hoch
in die Bäume und zeigten mir von wie weit oben sie hineinspringen können. Zudem
wollten sie alles von mir wissen: von wo ich komme, wie alt ich bin, was ich
gerne esse und trinke usw.
Schnell waren
die drei Tage auch schon wieder vorbei und wir fuhren mit dem Bus zurück in die
Stadt. Einmal mehr ärgerte ich mich darüber nicht selber mit dem Velo hinaus
gefahren zu sein. So hätte ich noch etwas länger in Limoncocha bleiben können
und da meine Vorbereitungen für die Weiterreise treffen. So nahm ich mir erneut
vor, mich in Zukunft besser Vorzubereiten und mehr zu Planen. Zähneknirschend
erledigte ich nun halt alles in der heissen und stickigen Stadt und verbrauchte
viele Nerven um ein neues Natel zu beschaffen und einzurichten…
| Hoatzin |
| Äquator |
| Vulkan Cayambe |
| Cayambe - Coca Nationalpark |
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| Cayambe - Coca Nationalpark |
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| Cayambe - Coca Nationalpark |
| Limoncocha Nationalpark |
| Limoncocha Nationalpark |
|
| Kakaobaum |
Henry beim Alligator anlocken (leider ohne Erfolg)
Limoncocha Nationalpark
Riesenotter
Papageien
Blattschneideameisen
| Limoncocha Nationalpark |
| Rio Napo |
Rio Napo
| Flusshotel |


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