Donnerstag, 8. August 2024

Leben am Äquator (Tabacundo, Ecuador)

Ecuadors Busse
Während ich in Quito meinem Velo Phönix und meinen Beinen eine Pause gönnte, fuhr ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln rund 30 km in den Norden der Stadt, an den Äquator.
Wie so oft war die Reise dahin schon ein Abenteuer für sich. Google Maps zeigte mir zwar einen sehr schönen Fahrplan an, die Busse schienen jedoch nichts von diesem Plan zu wissen und fuhren völlig anders. So musste ich mich halt durchfragen, bis ich endlich in einem Bus in die richtige Richtung sass. Im Bus selber priesen nonstop Strassenverkäufer ihre Ware an. Dabei gab es alle Arten von Strassenverkäufer vom Bettler in zerrissenen Kleidern bis zum Geschäftsmann im Anzug, Krawatte und mit Mikrofon und Verstärker. Dabei baten alle etwa dasselbe an: Süssigkeiten, Handcreme und Sekundenkleber…
 
Äquator und Mitad del Mundo
Nach rund zwei Stunden, zwei Bussen und unzähligen Male nach dem Weg fragen war ich endlich am „Mitad del Mundo“. 1736 haben Europäer auf einer Mission den Äquator gesucht, berechnet und auf diese Stelle festgelegt. Hier wurde danach auch ein riesiger Monolithen aufgestellt und nach und nach kam ein Souvenirshop und Restaurant nach dem anderen dazu. Heute ist es ein grosser Touristenkomplex, für den man 5 Dollar Eintritt bezahlen muss. Dass sie sich bei den Berechnungen 1736 um 240 m vertan haben und der richtige Äquator 240 m weiter im Norden liegt wird dabei einfach ignoriert.
Auf dem „richtigen“ Äquator steht dafür ein kleines, feines Museum, das man etwas suchen muss. Für weitere 5 Dollar kriegt man hier eine sehr informative Führung zu Ecuador, seinen Ureinwohner und vielen interessanten Fakten. Wie zum Beispiel, dass es in Ecuador immer noch mehrere isolierte Völker gibt, die keinen Kontakt zur Zivilisation haben und wie Schrumpfköpfe hergestellt werden. Auf dem Äquator selber kann man dann verschiedene Experimente machen. Zum Beispiel sieht man, das Wasser direkt auf dem Äquator ohne Wirbel abläuft, nur wenige Meter im Norden mit einem Wirbel gegen den Uhrzeigersinn und im Süden mit dem Uhrzeigersinn. (Oder andersrum?) Da an dieser Linie so spezielle Kräfte wirken, ist es möglich ein Ei auf einen Nagel zu stellen, jedoch fast nicht möglich mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen direkt über dem Äquator zu balancieren. Beim Balancieren spürt man richtig, wie die Kräfte der beiden Erdhälften an einem ziehen. Sehr eindrücklich!
 
Bereits nach drei Tagen in Quito verlies ich die Stadt auch schon wieder. Das Hinausfahren war dabei um einiges leichter und ich konnte sogar grössere Strecken auf Velowegen fahren. Etwas Ausserhalb der Stadt ging es dann auch zum ersten Mal mit dem Velo über den Äquator. Nach etwas suchen fand ich eine kleine Markierung am Strassenrand, die den Äquator anzeigt. Dadurch wurde das Video, wie ich über den Äquator fahre sehr unspektakulär. Ich werde noch etwas in der Gegend bleiben und dies wird nicht die letzte Äquatorüberquerung gewesen sein. Ich hoffe, dass noch eine Spektakulärere folgen wird…
 
Farmleben
Andere Veloreisende haben erzählt, dass sie im Norden von Ecuador auf einer Kaffeefarm als Volunteer gearbeitet haben und ihnen die Abwechslung sehr gefallen und gutgetan hat. Ich fand dies eine sehr gute Idee und wollte das auch. Doch da ich jedoch keinen Kaffee mag, aber meinen Gemüsegarten sehr vermisse, suchte ich etwas, das besser zu mir passt. Mit der Finca organica Chamano (https://fincaorganicachamano.com) wurde ich auch fündig. Hier konnte ich zwei Wochen bleiben und für Kost und Logie arbeiten. Dabei half ich mit anderen Volunteer zusammen am Vormittag Qunioa, Mais und diverse Gemüse ernten, neues Gemüse pflanzen, Tiere füttern, Ziegen melken, usw. Am Nachmittag hatte ich dann Zeit meine Ausrüstung auf Vordermann zu bringen und meine weitere Reise zu planen.
 
Die Farm ist nur rund 2,5 km nördlich vom Äquator und es war sehr interessant zu erleben, wie in diesen Breitengraden Gemüse angebaut wird. Da die Farm auf knapp 2800 m Höhe liegt, ist es nicht sehr warm und in der Nacht kühlt es regelmässig unter 10 Grad ab. So ist das Klima nicht tropisch wie man es erwarten könnte, sondern eher wie in Mitteleuropa. Einfach ohne Jahreszeitenwechsel das ganze Jahr über angenehm zwischen 10 und 25 Grad. So haben wir an einem Tag Quinoa, Mais und Gemüse geerntet als wäre es Herbst und einen Tag später Kohl, Lauch und andere Gemüse gepflanzt als wäre es Frühling.
Spannend war es auch zu erleben wie es ist, wenn Arbeitsstunden von Arbeitern weniger kosten als von Maschinen. So wird vieles von Hand gemacht, was in Europa schon lange maschinell erledigt wird. Auch wird jedes im Garten ausgerupfte Unkraut nicht kompostiert, sondern an ein Tier verfüttert, an was ich mich zuerst gewöhnen musste.
 
Ich genoss es sehr wieder einmal in der Erde wühlen zu können und am Abend zu sehen was ich gemacht habe. Mein Körper war es jedoch nicht mehr gewohnt etwas anderes zu tun als auf dem Velo zu sitzen. So war ich auch nach dem halben Tag Arbeit jeweils ziemlich kaputt und froh, konnte ich es am Nachmittag ruhiger angehen. Toll war es auch wieder einmal richtig viel Gemüse Essen zu können. Der Reis, der hier immer dazu gemacht wird, verleidete mir jedoch bereits nach wenigen Tagen und ich begann meine Teigwahren zu vermissen.
 
Nach meinen Reisen, wenn ich wieder sesshaft bin, werde ich auf alle Fälle auch wieder einen grossen Gemüsegarten haben. Das in der Erde graben und Pflanzen beim Wachsen zusehen ist einfach immer noch sehr faszinierend. Jetzt lockt mich jedoch noch die weite Welt und die Strasse Richtung Norden ist noch lange nicht zu Ende…

Mitad del Mundo

Äquator

Experimente am Äquator 

Experimente am Äquator 

Schrumpfkopf

Äquator

Äquatorüberquerung

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Finca organica Chamano

Quinoa Ernte

Quinoa Ernte

Quinoa Ernte

Finca organica Chamano







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