Montag, 1. Juli 2024

Berge, Gletscher und schmale Schluchten (Trujillo, Peru)

Ab in die Berge und nochmals zünftig Höhenmeter machen. Nach Huaraz fuhr ich durch ein weiteres Seitental und weiter hinauf in die Berge. Über eine schwach befahrene aber sehr gut ausgebaute Strasse gings langsam immer wie weiter hinauf. Auch hier wurde das Gelände je weiter ins Tal hinein ich kam je steiler. Die Strasse machte immer wie mehr Kurven um nicht steiler werden zu müssen. Die Dörfer wurden immer wie kleiner und die Motorräder verschwanden langsam. Wird weiter unten alles Mögliche und Unmögliche auf Motorräder transportiert, so werden da oben in den Bergen immer noch mehrheitlich Esel für den Transport von allen möglichen Gütern eingesetzt.

Punta Olimpica
Schliesslich landete ich auf 4736 m über Meer vor dem Tunnel Punta Olimpica. Ich dachte, dass dies der höchste Tunnel der Welt ist und war mächtig stolz durch diesen Rekordhalter fahren zu können. Als ich danach am Abend für das Tagebuch nochmals etwas genauer Recherchierte erfuhr ich, dass dies nur bis 2019 der höchste Tunnel war und in der Zwischenzeit im Tibet fünf noch höhere Tunnel gebaut wurden. Also fuhr ich nicht durch den höchsten Tunnel der Welt, sondern durch den höchsten des amerikanischen Kontinents. Zuerst war ich etwas endtäuscht, aber das legte sich schnell wieder, denn ich fahre ja durch den amerikanischen Kontinent und nicht durch Asien. Und sowieso war nicht nur der Tunnel sehr beeindruckend, sondern auch die Landschaft darum herum mit den hohen Bergen, zahlreichen Gletschern und steilen Felswänden.
 
Huascarán Nationalpark
Auf der anderen Seite des Punta Olimpica kam ich in ein weiteres, abgelegenes Tal. Doch ich wurde überrascht, wie viele Menschen da hinten noch leben und wie viele Dörfer inklusive Schulen etc. es gibt. Trotz sehr tiefen Tälern und sehr steilen Hängen wird viel Landwirtschaft betrieben und der karge Boden mit Ochsen oder von Hand bewirtschaftet. Dank den Gletschern auf den Berggipfeln trocknen die Bäche nicht aus und sie haben somit genügend Wasser. In langen Kanälen wird das Wasser von den Bächen auf die Felder geleitet. Oft folgen die Strassen den Kanälen (oder die Kanäle den Strassen) und so floss regelmässig ein kleines Rinnsal neben dem Weg. An manchen Stellen wird das Wasser direkt von diesen Kanälen auf die Felder geleitet. Oft jedoch auch aufgefangen und über einen Schlauch und anschliessenden Sprinkler auf den Felder verteilt.
Viele Frauen tragen in dieser Gegend noch die traditionellen Kleider. Mit den vielen Tieren, die überall angebunden sind, frei herumlaufen oder zum Arbeiten genutzt werden, fühlte ich mich in der Zeit zurückversetzt.
Die Strasse wurde wieder kleiner und war schon bald nicht mehr asphaltiert. So bog ich erneut ab und gelang in den Huascarán Nationalpark. Die Häuser, Äcker und Tiere verschwanden. Nur die eindrückliche Landschaft und frei herumlaufenden Kühe blieben zurück. Wieder ging es über viele Serpentinen immer wie höher hinauf. Dieses Mal hatte es zuoberst auf dem LLangacansa Pass, auf 4700 m keinen Tunnel, sondern die Strasse ist nur etwas in den Felsen hinein gegraben. Die Aussicht war auch hier sehenswert und ich sass eine ganze Weile am Strassenrand um die Landschaft anzuschauen und zu geniessen.
Auch hinab ging es über unzählige Haarnadelkurven und da der Untergrund ziemlich lose und holprig war, kam ich beim Hinabfahren nicht viel schneller voran als beim Hinauffahren. Und da ich auch hier immer wieder anhalten und Fotos machen musste, schaffte ich an diesem Tag nur 35 km. Aufgrund der vielen Kurven stand mein Zelt am Abend Luftlinie nur 11 km weiter, also quasi noch an derselben Stelle. Ich war jedoch um zahlreiche Eindrücke und schöne Bilder reicher.

Cañón del Pato
Kaum war ich aus den Bergen zurück in der Zivilisation und konnte meine Lebensmitteltasche auffüllen, kam auch schon das nächste Highlight. Die Strasse folgte alles dem Río Santa, hinein in den Cañón del Pato. Mit vielen Tunnel ging es weiter hinab. Ich war erneut tief beeindruckt von den steilen Felswänden und der Baukunst der Peruaner. An der engsten Stelle fühlte sich die einspurige Strasse breiter an als die Schlucht selber.
Je weiter hinab es ging, je höher wurden die Felsen und ich fühlte mich daneben ganz klein. Nun, nachdem die Gletscher auf den Gipfeln verschwunden waren, kam die Wüste zurück und ausser dem Wasser im Río Salta war wieder alles trocken. Die trockenen, hohen Hänge scheinen zudem sehr porös und instabil zu sein. Immer wieder lagen links und rechts der Strasse hohe Schuttberge. Nach Regen scheinen hier regelmässig Erdrutsche die Strasse zu verschütten und sie muss danach wie die Strassen in den Alpen im Frühling vom Schnee, frei geräumt werden. Ich war ganz froh, dass es im Moment trocken und somit alles stabil und die Strasse überall freigeräumt ist.
Hier in der Schlucht begegneten mir zum ersten Mal seit einer Ewigkeit an einem Tag mehrere andere Veloreisende. Darunter auch Timon aus Zürich, der vor einem Jahr in Alaska gestartet ist und drei Amerikaner, die anstelle mit dem Velo mit Skateboards und Rucksack unterwegs sind.
 
Trujillo
Je weiter hinab ich kam, desto wärmer wurde es. Bevor ich mich jedoch so richtig an die Hitze gewöhnt hatte und noch lange bevor ich mich beschweren könnte, kam ich in die Nähe der Pazifikküste und es wurde wieder kälter. Zudem kehrte der Küstennebel zurück und die Sonne und der blaue Himmel verstecken sich hinter einer Dunstschicht. Ich weiss, ich habe kein Grund mich zu beschweren, da ich die Regentage, die ich in dem halben Jahr hier in Südamerika hatte an einer Hand abzählen kann. Aber so eine längere Zeit mal wieder richtig heiss wäre schon auch wieder mal schön.


Punta Olimpica

Punta Olimpica

Punta Olimpica

Punta Olimpica

Punta Olimpica




LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

Huascarán Nationalpark

Huascarán Nationalpark

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato


 

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