Ab in die Berge und nochmals
zünftig Höhenmeter machen. Nach Huaraz fuhr ich durch ein weiteres Seitental
und weiter hinauf in die Berge. Über eine schwach befahrene aber sehr gut
ausgebaute Strasse gings langsam immer wie weiter hinauf. Auch hier wurde das
Gelände je weiter ins Tal hinein ich kam je steiler. Die Strasse machte immer
wie mehr Kurven um nicht steiler werden zu müssen. Die Dörfer wurden immer wie
kleiner und die Motorräder verschwanden langsam. Wird weiter unten alles
Mögliche und Unmögliche auf Motorräder transportiert, so werden da oben in den
Bergen immer noch mehrheitlich Esel für den Transport von allen möglichen
Gütern eingesetzt.
Punta Olimpica
Schliesslich landete ich auf 4736
m über Meer vor dem Tunnel Punta Olimpica. Ich dachte, dass dies der höchste
Tunnel der Welt ist und war mächtig stolz durch diesen Rekordhalter fahren zu
können. Als ich danach am Abend für das Tagebuch nochmals etwas genauer Recherchierte
erfuhr ich, dass dies nur bis 2019 der höchste Tunnel war und in der Zwischenzeit
im Tibet fünf noch höhere Tunnel gebaut wurden. Also fuhr ich nicht durch den
höchsten Tunnel der Welt, sondern durch den höchsten des amerikanischen
Kontinents. Zuerst war ich etwas endtäuscht, aber das legte sich schnell
wieder, denn ich fahre ja durch den amerikanischen Kontinent und nicht durch
Asien. Und sowieso war nicht nur der Tunnel sehr beeindruckend, sondern auch
die Landschaft darum herum mit den hohen Bergen, zahlreichen Gletschern und
steilen Felswänden.
Huascarán Nationalpark
Auf der anderen Seite des Punta
Olimpica kam ich in ein weiteres, abgelegenes Tal. Doch ich wurde überrascht,
wie viele Menschen da hinten noch leben und wie viele Dörfer inklusive Schulen
etc. es gibt. Trotz sehr tiefen Tälern und sehr steilen Hängen wird viel
Landwirtschaft betrieben und der karge Boden mit Ochsen oder von Hand
bewirtschaftet. Dank den Gletschern auf den Berggipfeln trocknen die Bäche nicht
aus und sie haben somit genügend Wasser. In langen Kanälen wird das Wasser von
den Bächen auf die Felder geleitet. Oft folgen die Strassen den Kanälen (oder
die Kanäle den Strassen) und so floss regelmässig ein kleines Rinnsal neben dem
Weg. An manchen Stellen wird das Wasser direkt von diesen Kanälen auf die
Felder geleitet. Oft jedoch auch aufgefangen und über einen Schlauch und
anschliessenden Sprinkler auf den Felder verteilt.
Viele Frauen tragen in dieser
Gegend noch die traditionellen Kleider. Mit den vielen Tieren, die überall
angebunden sind, frei herumlaufen oder zum Arbeiten genutzt werden, fühlte ich
mich in der Zeit zurückversetzt.
Die Strasse wurde wieder kleiner
und war schon bald nicht mehr asphaltiert. So bog ich erneut ab und gelang in
den Huascarán Nationalpark. Die Häuser, Äcker und Tiere verschwanden. Nur die
eindrückliche Landschaft und frei herumlaufenden Kühe blieben zurück. Wieder
ging es über viele Serpentinen immer wie höher hinauf. Dieses Mal hatte es
zuoberst auf dem LLangacansa Pass, auf 4700 m keinen Tunnel, sondern die
Strasse ist nur etwas in den Felsen hinein gegraben. Die Aussicht war auch hier
sehenswert und ich sass eine ganze Weile am Strassenrand um die Landschaft anzuschauen
und zu geniessen.
Auch hinab ging es über unzählige
Haarnadelkurven und da der Untergrund ziemlich lose und holprig war, kam ich
beim Hinabfahren nicht viel schneller voran als beim Hinauffahren. Und da ich
auch hier immer wieder anhalten und Fotos machen musste, schaffte ich an diesem
Tag nur 35 km. Aufgrund der vielen Kurven stand mein Zelt am Abend Luftlinie nur
11 km weiter, also quasi noch an derselben Stelle. Ich war jedoch um zahlreiche
Eindrücke und schöne Bilder reicher.
Kaum war ich aus den Bergen zurück
in der Zivilisation und konnte meine Lebensmitteltasche auffüllen, kam auch
schon das nächste Highlight. Die Strasse folgte alles dem Río Santa, hinein in
den Cañón del Pato. Mit vielen Tunnel ging es weiter hinab. Ich war erneut tief
beeindruckt von den steilen Felswänden und der Baukunst der Peruaner. An der
engsten Stelle fühlte sich die einspurige Strasse breiter an als die Schlucht
selber.
Je weiter hinab es ging, je höher
wurden die Felsen und ich fühlte mich daneben ganz klein. Nun, nachdem die
Gletscher auf den Gipfeln verschwunden waren, kam die Wüste zurück und ausser
dem Wasser im Río Salta war wieder alles trocken. Die trockenen, hohen Hänge
scheinen zudem sehr porös und instabil zu sein. Immer wieder lagen links und
rechts der Strasse hohe Schuttberge. Nach Regen scheinen hier regelmässig
Erdrutsche die Strasse zu verschütten und sie muss danach wie die Strassen in
den Alpen im Frühling vom Schnee, frei geräumt werden. Ich war ganz froh, dass
es im Moment trocken und somit alles stabil und die Strasse überall freigeräumt
ist.
Hier in der Schlucht begegneten
mir zum ersten Mal seit einer Ewigkeit an einem Tag mehrere andere
Veloreisende. Darunter auch Timon aus Zürich, der vor einem Jahr in Alaska
gestartet ist und drei Amerikaner, die anstelle mit dem Velo mit Skateboards
und Rucksack unterwegs sind.
Trujillo
Je weiter hinab ich kam, desto
wärmer wurde es. Bevor ich mich jedoch so richtig an die Hitze gewöhnt hatte
und noch lange bevor ich mich beschweren könnte, kam ich in die Nähe der
Pazifikküste und es wurde wieder kälter. Zudem kehrte der Küstennebel zurück
und die Sonne und der blaue Himmel verstecken sich hinter einer Dunstschicht.
Ich weiss, ich habe kein Grund mich zu beschweren, da ich die Regentage, die
ich in dem halben Jahr hier in Südamerika hatte an einer Hand abzählen kann.
Aber so eine längere Zeit mal wieder richtig heiss wäre schon auch wieder mal
schön.
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| Punta Olimpica |
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| Punta Olimpica |
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| LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark |
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| LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark |
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| LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark |
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| LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark |
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| Huascarán Nationalpark |
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