Mittwoch, 24. Juli 2024

Vulkane, Wolken und Pferde (Quito, Ecuador)

 Nach zwei Tagen Pause in Cuenca stellte ich mich wieder Ecuadors Höhenmetern. Meine Beine waren nach den zwei Tage Ruhe noch fast schwerer als vorher. So hatte ich die ersten Tage etwas zu kämpfen. Jeden Tag ging es wieder etwas besser und schon bald fuhr Phönix wie vor der Pause die Steigungen hoch.  

Kreative Übernachtungsplätze
Je weiter in den Norden ich kam, je dichter besiedelt wurde die Gegend. Vor allem unterhalb 3000 m gibt es immer wie mehr Landwirtschaft und auch viele Treibhäuser und Folientunnel. Oberhalb 3000 m ist noch viel Natur und es hat versteckte Plätze zum zelten. Trotz der Nähe zum Äquator ist es da oben jedoch ziemlich frisch und es weht ein kalter Wind. Also konnte ich wählen zwischen in der Höhe und Kälte wild zu zelten und meine Ruhe zu haben oder hinab in ein Tal zu fahren und da ein Platz in der Zivilisation zu suchen. Da unten ist es zwar angenehm warm, aber auch laut und es gibt keine versteckten Plätze mehr. Trotz Kälte blieb ich oft in der Höhe und genoss die Ruhe. Ein paar Mal war dies jedoch nicht möglich. So nahm ich die Gelegenheit verschiedene Übernachtungsmöglichleiten auszuprobieren, die andere Veloreisende mir empfohlen hatten. So schlief ich einmal neben einer Tankstelle und ein anderes Mal im Innenhof einer Feuerwehrstation. An beiden Orten waren sie es gewohnt, dass da ab und zu Reisende vorbei kommen und ich bekam ohne Diskussion einen Platz. Der Vorteil solcher Orte ist, dass sie sicher sind, es eine Toilette hat und oft sogar eine Dusche. Zudem sind sie meistens kostenlos, ich kann trotzdem in meinem Bett (Zelt) schlafen und etwas auf dem Kocher kochen, was in vielen Hotels nicht möglich ist.
Aber da sie eben mitten in der Zivilisation stehen sind sie auch ziemlich laut und ich war einmal mehr froh, dass ich auch bei Lärm relativ gut schlafen kann.

Chimborazo
Um dem Lärm und Trubel noch etwas mehr ausweichen zu können machte ich einen Abstecher zum Chimborazo Vulkan. Mit seinen 6‘268 m ist er der höchste Berg Ecuadors. Misst man nicht von der Meereshöhe aus, sondern von der Erdmitte, ist er sogar der höchste Berg der Erde.
Trotz vielen Wolken und starkem Wind war die Westseite des Vulkans wolkenfrei und ich konnte seine Grösse und die Gletscher auf dem Gipfel bewundern. Neben dem Gipfel war es auch sehr spannend wie sich die Wolken am Berg auftürmten und an der Grenze zum wolkenfreien Teil immer wieder auseinandergerissen wurden.
Wohl zum letzten Mal dieser Reise kletterte ich auf über 4‘000 m und überquerte die Passhöhe auf 4‘400 m. Die Nacht auf 4‘100 m war danach auch ziemlich kalt und ich war froh, die warmen Kleider noch bei mir zu haben.

Cotopaxi Nationalpark
Nur einen Tag später kam ich auch schon zu den nächsten Vulkanen und in den Cotopaxi Nationalpark. Leider waren die Gipfel am ersten Tag zum grössten Teil wolkenverhangenen und ich sah nicht so viel wie erhofft. So genoss ich die Ruhe und hoffte am zweiten Tag mehr zu sehen. Als ich am Morgen aber den Kopf aus dem Zelt streckte, war elles in dicken Nebel gehüllt und ich sah überhaupt nichts mehr. Zum Glück konnte ich schon bald aus der Wolke hinaus fahren und wie bereits beim Chimborazo war auch beim Cotopaxi eine Seite ohne Wolken und den Rumiñahui war sogar ganz Wolkenlos. Der Höhenpunkt dieses Nationalpark waren für mich jedoch die vielen Pferde. Eine riesige Herde in kleinere Gruppen unterteilt weidete zwischen den Vulkanen auf einer Hochebene auf 3‘800 m. Ich konnte fast nicht aufhören zu fotografieren und den Anblick der Pferde in der faszinierenden Landschaft zu geniessen. 🥰

Quito
Gleich nach dem Cotopaxi Nationalpark kam ich in die Vororte von Quito. Da haben viele Häuser eine hohe Mauer mit Stacheldraht, eingemauerten Scherben oder Elektrodrähten. Gleich nach der wunderbaren Natur neben den verbarrikadierten Häuser entlang zu fahren war sehr speziell. Zum Glück verschwanden die Mauern in der Stadtmitte zum grössten Teil wieder. Die Polizeipräsenz ist hier zwar recht hoch. Aber es herrscht trotzdem eine entspannte Atmosphäre auf den Strassen. Ich hab wieder ein sehr nettes Hostel gefunden und ruhe mich nun ein paar Tage hier in Quito aus, bevor ein neues, etwas anderes Abenteuer beginnt. Nein, es sind nicht die Galapagosinseln…


Tankstellenübernachtung

Feuerwehrübernachtung

Streetfood nicht so lecker…

Streetfood sehr lecker. 😋 

Chimborazo

Chimborazo


4‘400 m

Letzte Nacht auf über 4‘000 m (4‘100 m)


Ambato

Cotopaxi Nationalpark

Cotopaxi Nationalpark

Rumiñahui

Cotopaxi Nationalpark

Cotopaxi Nationalpark

Cotopaxi

Cotopaxi


😋

Quito

Quito

Quito

Quito



Montag, 15. Juli 2024

Gebirgiges Ecuador (Cuenca, Ecuador)

Tschüss Peru
Zum Abschluss von Peru, konnte ich nochmals durch die Wüste fahren. Dieses Mal war alles topfeben, die Strassen schnurgerade und der Wind kam von hinten. So konnte ich wieder einmal Kilometer abspulen und genoss es sehr durch die Landschaft zu sausen.
Nach meinem Geschmack viel zu schnell war die Ebene zu Ende. Die Strasse begann wieder zu steigen und die Landschaft wurde grüner. Je weiter ich mich von der Küste entfernte, je wärmer wurde es auch und ich kam zünftig ins schwitzen. So gelangte ich an die Grenze zu Ecuador. Die Einreise war anfangs Jahr sehr kompliziert und in Fahrradforen wurde viel darüber diskutiert wie und wo man überhaupt nach Ecuador einreisen kann. Nun ist es zum Glück wieder einfacher und ich kam ohne Probleme über die Grenze.

Neues Land
Zu meiner Überraschung unterscheidet sich Ecuador grösser zu Peru, als es Peru zu Bolivien tat. Die Städte sind aufgeräumter und zu Ende gebaut. In den Zentren gibt es sogar recht nette alte Bauten im Kolonialstil. Am Strassenrand liegt viel weniger Müll herum und auch die Strassen selber sind in einem eher besseren Zustand. Dafür fahren die Autos auch schneller, was vor allem in den Städten ungewohnt ist. In Peru schlich Innerorts der ganze Verkehr mehrheitlich nur so vor sich hin, was es einfach machte sich mit dem Velo dazwischen zu bewegen. Nun muss auch ich mich wieder an die Verkehrsregeln halten und an den Ampeln warten.
Die Menschen hier sind auf den ersten Blick eher zurückhaltend und schauen mal aus der Ferne. Wenn ich jedoch jemanden anspreche und etwas frage, so waren bis jetzt alle sehr freundlich und hilfsbereit. An einem Abend fand ich keinen Platz zum Übernachten. So fragte ich ein paar Leute in einem Garten, ob sie eine Stelle zum zelten kennen. Schliesslich erlaubten sie mir unter dem Vordach ihres Gartenhauses zu zelten. Als ich ihnen dafür was geben wollte, lehnte sie alles ab und sagten nur ich soll dafür zu Jesus beten oder so was ähnliches. 
Die Kommunikation hier ist eher schwieriger geworden. Die meisten Ecuadorianer haben einen fürchterlichen nuschelnden Akzent, den ich noch weniger verstehe als sonst schon. Auch heissen gewisse Sachen anders. Wie zum Beispiel hiess die Avocado bis jetzt immer Palta. Als ich in Ecuador das erste mal danach fragte sahen sie mich nur mit grossen Augen an, bis wir herausfanden, dass sie ihr hier Aguacate sagen. 

Auf und ab
Seit der Grenze geht es nur noch hinauf und hinab. Im Vergleich zu den peruanischen Strassen sind die ecuadorianischen steiler und haben weniger Kurven. Dadurch komme ich zwar schneller in die Höhe und bin auch schneller wieder unten, es ist jedoch auch viel anstrengender. So stellte ich einen neuen Rekord auf und machte an einem Tag 2‘461 Höhenmeter. In den ersten fünf Tage kletterte ich gesamt 9‘815 m hinauf obwohl ich nur 336 km voran kam. Dabei hatte ich grosse Freude, wie meine Beine trotz der grossen Anstrengung gut mitmachten. Am Abend waren sie zwar müde, aber am Morgen fühlte ich mich wieder frisch und Phönix fuhr von neuem problemlos die Steigungen hoch.

Neues Klima
Nach jedem Pass ging es etwas weniger weit hinab. Je weiter hinauf ich kam, je kühler wurde es wieder und schon bald waren die Temperaturen leider nicht mehr so heiss und am Abend sogar recht frisch. Langsam zogen immer wie mehr Wolken auf und seit langem erlebte ich wieder einmal wie Wasser vom Himmel fällt. Ich hatte schon fast vergessen wie das geht. Da ich nun die Wüstengebiete bis Mexiko definitiv hinter mir hab, muss ich nun wohl öfters mit dem Phänomen Regen rechnen.


















Cuenca

Cuenca


Montag, 1. Juli 2024

Berge, Gletscher und schmale Schluchten (Trujillo, Peru)

Ab in die Berge und nochmals zünftig Höhenmeter machen. Nach Huaraz fuhr ich durch ein weiteres Seitental und weiter hinauf in die Berge. Über eine schwach befahrene aber sehr gut ausgebaute Strasse gings langsam immer wie weiter hinauf. Auch hier wurde das Gelände je weiter ins Tal hinein ich kam je steiler. Die Strasse machte immer wie mehr Kurven um nicht steiler werden zu müssen. Die Dörfer wurden immer wie kleiner und die Motorräder verschwanden langsam. Wird weiter unten alles Mögliche und Unmögliche auf Motorräder transportiert, so werden da oben in den Bergen immer noch mehrheitlich Esel für den Transport von allen möglichen Gütern eingesetzt.

Punta Olimpica
Schliesslich landete ich auf 4736 m über Meer vor dem Tunnel Punta Olimpica. Ich dachte, dass dies der höchste Tunnel der Welt ist und war mächtig stolz durch diesen Rekordhalter fahren zu können. Als ich danach am Abend für das Tagebuch nochmals etwas genauer Recherchierte erfuhr ich, dass dies nur bis 2019 der höchste Tunnel war und in der Zwischenzeit im Tibet fünf noch höhere Tunnel gebaut wurden. Also fuhr ich nicht durch den höchsten Tunnel der Welt, sondern durch den höchsten des amerikanischen Kontinents. Zuerst war ich etwas endtäuscht, aber das legte sich schnell wieder, denn ich fahre ja durch den amerikanischen Kontinent und nicht durch Asien. Und sowieso war nicht nur der Tunnel sehr beeindruckend, sondern auch die Landschaft darum herum mit den hohen Bergen, zahlreichen Gletschern und steilen Felswänden.
 
Huascarán Nationalpark
Auf der anderen Seite des Punta Olimpica kam ich in ein weiteres, abgelegenes Tal. Doch ich wurde überrascht, wie viele Menschen da hinten noch leben und wie viele Dörfer inklusive Schulen etc. es gibt. Trotz sehr tiefen Tälern und sehr steilen Hängen wird viel Landwirtschaft betrieben und der karge Boden mit Ochsen oder von Hand bewirtschaftet. Dank den Gletschern auf den Berggipfeln trocknen die Bäche nicht aus und sie haben somit genügend Wasser. In langen Kanälen wird das Wasser von den Bächen auf die Felder geleitet. Oft folgen die Strassen den Kanälen (oder die Kanäle den Strassen) und so floss regelmässig ein kleines Rinnsal neben dem Weg. An manchen Stellen wird das Wasser direkt von diesen Kanälen auf die Felder geleitet. Oft jedoch auch aufgefangen und über einen Schlauch und anschliessenden Sprinkler auf den Felder verteilt.
Viele Frauen tragen in dieser Gegend noch die traditionellen Kleider. Mit den vielen Tieren, die überall angebunden sind, frei herumlaufen oder zum Arbeiten genutzt werden, fühlte ich mich in der Zeit zurückversetzt.
Die Strasse wurde wieder kleiner und war schon bald nicht mehr asphaltiert. So bog ich erneut ab und gelang in den Huascarán Nationalpark. Die Häuser, Äcker und Tiere verschwanden. Nur die eindrückliche Landschaft und frei herumlaufenden Kühe blieben zurück. Wieder ging es über viele Serpentinen immer wie höher hinauf. Dieses Mal hatte es zuoberst auf dem LLangacansa Pass, auf 4700 m keinen Tunnel, sondern die Strasse ist nur etwas in den Felsen hinein gegraben. Die Aussicht war auch hier sehenswert und ich sass eine ganze Weile am Strassenrand um die Landschaft anzuschauen und zu geniessen.
Auch hinab ging es über unzählige Haarnadelkurven und da der Untergrund ziemlich lose und holprig war, kam ich beim Hinabfahren nicht viel schneller voran als beim Hinauffahren. Und da ich auch hier immer wieder anhalten und Fotos machen musste, schaffte ich an diesem Tag nur 35 km. Aufgrund der vielen Kurven stand mein Zelt am Abend Luftlinie nur 11 km weiter, also quasi noch an derselben Stelle. Ich war jedoch um zahlreiche Eindrücke und schöne Bilder reicher.

Cañón del Pato
Kaum war ich aus den Bergen zurück in der Zivilisation und konnte meine Lebensmitteltasche auffüllen, kam auch schon das nächste Highlight. Die Strasse folgte alles dem Río Santa, hinein in den Cañón del Pato. Mit vielen Tunnel ging es weiter hinab. Ich war erneut tief beeindruckt von den steilen Felswänden und der Baukunst der Peruaner. An der engsten Stelle fühlte sich die einspurige Strasse breiter an als die Schlucht selber.
Je weiter hinab es ging, je höher wurden die Felsen und ich fühlte mich daneben ganz klein. Nun, nachdem die Gletscher auf den Gipfeln verschwunden waren, kam die Wüste zurück und ausser dem Wasser im Río Salta war wieder alles trocken. Die trockenen, hohen Hänge scheinen zudem sehr porös und instabil zu sein. Immer wieder lagen links und rechts der Strasse hohe Schuttberge. Nach Regen scheinen hier regelmässig Erdrutsche die Strasse zu verschütten und sie muss danach wie die Strassen in den Alpen im Frühling vom Schnee, frei geräumt werden. Ich war ganz froh, dass es im Moment trocken und somit alles stabil und die Strasse überall freigeräumt ist.
Hier in der Schlucht begegneten mir zum ersten Mal seit einer Ewigkeit an einem Tag mehrere andere Veloreisende. Darunter auch Timon aus Zürich, der vor einem Jahr in Alaska gestartet ist und drei Amerikaner, die anstelle mit dem Velo mit Skateboards und Rucksack unterwegs sind.
 
Trujillo
Je weiter hinab ich kam, desto wärmer wurde es. Bevor ich mich jedoch so richtig an die Hitze gewöhnt hatte und noch lange bevor ich mich beschweren könnte, kam ich in die Nähe der Pazifikküste und es wurde wieder kälter. Zudem kehrte der Küstennebel zurück und die Sonne und der blaue Himmel verstecken sich hinter einer Dunstschicht. Ich weiss, ich habe kein Grund mich zu beschweren, da ich die Regentage, die ich in dem halben Jahr hier in Südamerika hatte an einer Hand abzählen kann. Aber so eine längere Zeit mal wieder richtig heiss wäre schon auch wieder mal schön.


Punta Olimpica

Punta Olimpica

Punta Olimpica

Punta Olimpica

Punta Olimpica




LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

LLangacana Pass / Huascarán Nationalpark

Huascarán Nationalpark

Huascarán Nationalpark

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato

Cañón del Pato


 

Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...