Nach dem ich in La Paz angekommen war und im Hostelzimmer etwas Ruhe fand, bemerkte ich erst, wie kaputt und müde ich bin. Nun bin ich bereits seit vier Monaten hier in Südamerika. Habe etwas über 7‘800 km und ungezählte Höhenmeter mit dem Velo zurückgelegt. Viel gesehen, erlebt und neue Erfahrungen gemacht. Seit nun bereits einem Monat bin ich zudem auf plus/minus 4‘000m über Meer.
Anstrengende Höhe
Zum Glück vertrage ich die Höhe gut und seit ich Akklimatisiert bin, bemerke ich nicht mehr viel. Trotzdem habe ich das Gefühl etwas schneller ausser Atem zu kommen und schneller zu ermüden. Der Körper scheint in dieser Höhe etwas mehr arbeiten zu müssen und braucht mehr Atem um genügend Sauerstoff zu bekommen. Ich bewundere die Menschen, die immer auf dieser Höhe Leben und dauernd diese Zusatzbelastung haben. Ich freue mich jedenfalls bereits darauf wenn es wieder einmal in etwas tiefere Lagen geht und das Atmen wieder einfacher wird. Dies dauert jedoch noch etwas da auch Peru viele spannende Orte in hoher Lage hat.
Erlebtes verarbeiten
So entschied ich mich etwas länger in La Paz zu bleiben, mich hier etwas zu erholen und zu versuchen die bisherige Reise zu verarbeiten. Immer wieder höre ich von anderen Langzeitreisenden, dass es nach einer gewissen Zeit schwierig wird Eindrücke aufzunehmen und offen für Neues zu sein. In den letzten zwei Jahren in denen ich Europa und Neuseeland bereiste kam ich immer wieder in der Schweiz vorbei und konnte da eine Pause machen und meine Erlebnisse verarbeiten. Zudem war die Kultur meistens nicht so sehr anders und ich konnte viele Gewohnheiten beibehalten.
Nun hier in Südamerika wurde alles je weiter ich in den Norden kam je fremder und ungewohnter. Zudem bemerkte ich, dass ich nicht mehr die selbe Entdeckungsfreude hatte wie sonst. Also höchste Zeit für eine Pause.
La Paz
Ich geniesse es sehr eine Dusche und ein WC zu haben, keinen Schlafplatz zu suchen und das Zelt nicht auf und wieder abbauen zu müssen. Nur das Lebensmittel beschaffen blieb auch hier in der Grossstadt nicht ganz einfach. Einkaufszentren gibt es hier nicht. Stattdessen wird alles auf der Strasse an Marktständen oder in sehr kleinen Läden angeboten. Um die Zutaten für ein einfaches Menü zusammen zu bekommen muss ich also mehrere Stände besuchen und bin gezwungen zu kommunizieren. So lerne ich zwar langsam ein paar Brocken Spanisch und jeder Einkauf ist ein Abenteuer. Aber alles braucht auch viel Energie. So verlängerte ich meinen Aufenthalt hier von sieben auf neun Nächte und da es heute Morgen als ich abreisen wollte regnete, hängte ich nochmals eine Nacht an und ging wieder zurück ins Bett.
Auch sonst ist jeder Spaziergang in La Paz ein Abenteuer. Fussgängerstreifen und Trottoirs sind selten. Stattdessen überquert man einfach überall und immer die Strasse. Oft ist mir nicht ganz klar wer den nun Vortritt hat. Aber irgendwie nehmen alle aufeinander Rücksicht und es funktioniert einfach.
Attraktion Seilbahnen
Neben den vielen Bussen und Taxis die die Strassen verstopfen gibt es hier auch ein Netz aus Seilbahnen. 2014 wurde die erste Linie eröffnet. Inzwischen führen 10 Linien mit 36 Stationen auf mehr als 30km über die Dächer von La Paz und El Alto. Täglich werden mehr als 300‘000 Fahrgäste transportiert und somit ist es das grösste städtische Seilbahnnetz der Welt. Natürlich musste auch ich mit den Gondeln fahren. Bei der ersten Fahrt war ich so fasziniert, dass ich vor lauter schauen und staunen keine Fotos machen konnte. So ging ich zwei Tage später nochmals eine Runde fahren und schaffte es ein paar Schnappschüsse zu schiessen. Auch wenn ich nicht zu Stosszeiten unterwegs war, waren die Gondeln, in denen bis zu zehn Personen Platz haben mit mindestens sechs Fahrgästen gefüllt. Mit einer extremen Speditivität werden die Fahrgäste ohne Wartezeiten befördert. Ich bin immer noch tief beeindruckt.
Schnell vergangene Zeit
Mit den Spaziergängen über die Märkte, viel schlafen, essen, lesen und planen der weiteren Route, vergingen die zehn Tage hier in La Paz wie im Flug. Somit habe ich nicht nur so lange wie noch nie in einem Hostel gewohnt, sondern war zuvor auch noch nie so lange durchgehend in einer Stadt.
Die Pause tat mir sehr gut und ich konnte mich erholen. Nun ist nicht nur meine Energie zurück, sondern auch mein Entdeckungsgeist. Ich freue mich, mich wieder auf Phönix schwingen zu können, die Stadt zu verlassen und mit Peru ein weiteres spannendes Land zu bereisen.










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