Freitag, 26. April 2024

Altiplano (La Paz, Bolivien)

Auch nach der Salzwüste ging es grösstenteils flach weiter und ich fuhr über das Altiplano Richtung Norden. Dabei hatte ich während mehreren Tagen praktisch keine Höhenmeter zu überwinden und die Strassen erstreckten sich meist schnurgerade bis zum Horizont. Es ist faszinierend was für eine Riesen Ebene es hier auf Rund 3700 m über Meer gibt.

Bolivianische Landwirtschaft
Während ich auf den meist sehr guten Teerstrassen ohne viel Verkehr durch die Ebene fuhr, konnte ich die bolivianischen Bauern beobachten. Während im Süden die meisten Lamas alleine unterwegs waren und ich selten bis nie einen Hirten sah, sind hier nun fast alle Herden bewacht. Weit weg von jedem Dorf gehen meist ältere Frauen und Männer hinter den Lamas und ab und zu auch Schafen her. In manchen Regionen hatte es auch vereinzelt Kühe und Esel. Diese waren jedoch mit Seilen an den Hörnern oder einem Bein angebunden und standen so verstreut in den Feldern rum. An einem Ort konnte ich auch Alpakas beobachten aber zu meiner Überraschung scheinen die kleinen Verwandten der Lamas hier selten zu sein.
Neben den unendlich grossen Weiden gab es auch immer wie häufiger Ackerflächen. Oft sah ich auch Flächen, die einmal mit einem Pflug bearbeitet worden sein müssen, nach dem Bewuchs zu schliessen nun jedoch bereits seit mehreren Jahren brach liegen. Leider konnte ich niemanden direkt fragen. Berichte im Internet sagen jedoch, das es aufgrund des Klimawandels hier oben immer wie wärmer und trockener wird. Deshalb wird es immer wie schwieriger Ackerbau zu betreiben. Auf den Flächen, die noch bewirtschaftet werden, sah ich meistens Quinoa. Je weiter in den Norden ich kam immer wie mehr auch Kartoffeln, Gerste und vereinzelt sogar Hafer. Jetzt im Herbst sind die Bauern überall am Ernten. Dabei sah ich höchst selten Maschinen im Einsatz. Die Getreide werden von Hand oder höchstens mit einer Motorsense abgeschnitten und zum Trocknen aufgeschichtet.

Chullpas
Eine weitere Sonderheit dieser Gegend sind die Chullpas. In der Landschaft verstreut stehen die 500 - 800 Jahre alten Turmgräber. In den aus Lehm gebauten Türmen wurden Häuptlinge und Adlige bestattet. Die Gräber haben fast alle gegen Osten, zur aufgehenden Sonne eine Öffnung. Leider sind viele der Gräber halb verfallen und geplündert. In anderen liegt neben den Knochen auch eine Menge Müll. Es war trotzdem ein sehr spezielles Gefühl in die Gräber schauen zu können und die Überreste der alten Häuptlinge zu sehen.

Etwas bessere Versorgung
Je weiter in den Norden ich kam, je mehr Dörfer hatte es am Wegesrand. Somit musste ich mir keine Sorgen mehr um genügend Trinkwasser und Lebensmittel machen. Auch wenn manche Dörfer so klein sind, dass der Dorfplatz mehr Fläche einnimmt als der Rest des Dorfes, so hat jeder noch so kleiner Ort mindestens einen Laden. Auch wenn die Auswahl der Produkte noch so klein ist, hatte auch hier jeder Wasser, Süssgetränke und Kekse im Angebot. Die meisten sogar Teigwahren, Reis, Ketchup und Mayonnaise. Leider war weiterhin frisches Gemüse und Obst eine Seltenheit.
Ich weiss nicht, ob ich mir bei einer der seltenen Gelegenheit von frischen Tomaten oder bei Leitungswasser etwas zu wenig aufgepasst und mir etwas eingefangen hab. Jedenfalls hatten es die Lebensmittel plötzlich etwas eilig meine Verdauung zu durchlaufen. Nun war ich sehr froh, überall Coca-Cola kaufen zu können. So konnte ich trotz angeschlagener Verdauung noch Energie in mich hineinbringen.
 
Einfahrt in La Paz
Obwohl ich kein Liebhaber von grossen Städten bin, wollte ich schon immer mal La Paz besuchen. Die höchstgelegene Metropole und der höchstgelegene Regierungssitz tönten spannend. (Hauptstadt von Bolivien ist Sucre und in La Paz ist nur der Regierungssitz). So landete ich wieder einmal auf einer Autobahn und fuhr der Grossstadt entgegen. Wie bereits in Chile, ist auch hier das Fahren mit dem Velo auf der Autobahn kein Problem. Je näher ich der Stadt kam, desto mehr Verkehr hatte es, aber auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge nahm ab. Zudem sind hier alle Verkehrsteilnehmer sehr Rücksichtsvoll und mithilfe der Hupen wird laufend kommuniziert. Oft hört sich das Hupkonzert wie ganze Dialoge an: „Achtung, ich komme.“ – „warte, da ist noch jemand im Weg“ – „geh etwas mehr an den Rand“ – „Danke! Noch ein schöner Tag!“ So ist es möglich, dass Problemlos auf einer dreispurigen Strasse auch mal fünf Autos nebeneinander fahren oder auf der Autobahn auf dem Seitenstreifen Autos und Lastwagen in die Gegenrichtung unterwegs sind.
Bevor ich nach La Paz kam, musste ich noch El Alto durchqueren. El Alto ist die zweit grösste und eine der jüngsten Stadt Boliviens. Sie liegt in unmittelbar neben La Paz auf der Hochebene. Als ich dies geschafft hatte, an der Kante stand und auf La Paz hinunter schauen konnte war ich erst mal sprachlos. Die Hochebene, auf der ich nun so lange ohne grosses Gefälle gefahren bin, ist hier plötzlich fertig und das Gelände fällt rund 500m in die Tiefe. In der Schlucht fliesst kein Fluss und hat es keine Felsen, sondern eine Stadt. Ganz unten stehen grosse Hochhäuser, während die Häuser je höher hinauf immer wie kleiner werden. Ich habe das schon mehrmals auf Bilder gesehen. Nun aber Live da hinab, auf die Stadt zu schauen war schon sehr eindrücklich.
Damit ich genügend Zeit habe diese spezielle Stadt zu erkunden und mich etwas zu erholen, habe ich mich gleich für eine Woche in einem Hostel eingemietet. Meine Verdauung hat sich schon wieder fast ganz erholt, ich habe jedoch trotz den Literweise Coca-Cola Gewicht verloren und versuche nun mir wieder etwas Reserve an zu essen.  











Quinoa



Sajama 6542m, höchster Berg Boliviens

Chullpas

Chullpa




Bolivianische Autobahn
El Alto

La Paz

La Paz

Festessen 😊



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