Auch nach der Salzwüste ging es grösstenteils flach weiter und ich fuhr
über das Altiplano Richtung Norden. Dabei hatte ich während mehreren Tagen
praktisch keine Höhenmeter zu überwinden und die Strassen erstreckten sich
meist schnurgerade bis zum Horizont. Es ist faszinierend was für eine Riesen
Ebene es hier auf Rund 3700 m über Meer gibt.
Bolivianische Landwirtschaft
Während ich auf den meist sehr guten Teerstrassen ohne viel Verkehr durch
die Ebene fuhr, konnte ich die bolivianischen Bauern beobachten. Während im
Süden die meisten Lamas alleine unterwegs waren und ich selten bis nie einen
Hirten sah, sind hier nun fast alle Herden bewacht. Weit weg von jedem Dorf gehen
meist ältere Frauen und Männer hinter den Lamas und ab und zu auch Schafen her.
In manchen Regionen hatte es auch vereinzelt Kühe und Esel. Diese waren jedoch
mit Seilen an den Hörnern oder einem Bein angebunden und standen so verstreut in
den Feldern rum. An einem Ort konnte ich auch Alpakas beobachten aber zu meiner
Überraschung scheinen die kleinen Verwandten der Lamas hier selten zu sein.
Neben den unendlich grossen Weiden gab es auch immer wie häufiger
Ackerflächen. Oft sah ich auch Flächen, die einmal mit einem Pflug bearbeitet
worden sein müssen, nach dem Bewuchs zu schliessen nun jedoch bereits seit
mehreren Jahren brach liegen. Leider konnte ich niemanden direkt fragen. Berichte
im Internet sagen jedoch, das es aufgrund des Klimawandels hier oben immer wie
wärmer und trockener wird. Deshalb wird es immer wie schwieriger Ackerbau zu
betreiben. Auf den Flächen, die noch bewirtschaftet werden, sah ich meistens
Quinoa. Je weiter in den Norden ich kam immer wie mehr auch Kartoffeln, Gerste
und vereinzelt sogar Hafer. Jetzt im Herbst sind die Bauern überall am Ernten. Dabei
sah ich höchst selten Maschinen im Einsatz. Die Getreide werden von Hand oder
höchstens mit einer Motorsense abgeschnitten und zum Trocknen aufgeschichtet.
Chullpas
Eine weitere Sonderheit dieser Gegend sind die Chullpas. In der Landschaft verstreut stehen die 500 - 800 Jahre alten Turmgräber. In den aus Lehm gebauten Türmen wurden Häuptlinge und Adlige bestattet. Die Gräber haben fast alle gegen Osten, zur aufgehenden Sonne eine Öffnung. Leider sind viele der Gräber halb verfallen und geplündert. In anderen liegt neben den Knochen auch eine Menge Müll. Es war trotzdem ein sehr spezielles Gefühl in die Gräber schauen zu können und die Überreste der alten Häuptlinge zu sehen.
Etwas bessere Versorgung
Je weiter in den Norden ich kam, je mehr Dörfer hatte es am Wegesrand. Somit
musste ich mir keine Sorgen mehr um genügend Trinkwasser und Lebensmittel
machen. Auch wenn manche Dörfer so klein sind, dass der Dorfplatz mehr Fläche
einnimmt als der Rest des Dorfes, so hat jeder noch so kleiner Ort mindestens
einen Laden. Auch wenn die Auswahl der Produkte noch so klein ist, hatte auch
hier jeder Wasser, Süssgetränke und Kekse im Angebot. Die meisten sogar Teigwahren,
Reis, Ketchup und Mayonnaise. Leider war weiterhin frisches Gemüse und Obst
eine Seltenheit.
Ich weiss nicht, ob ich mir bei einer der seltenen Gelegenheit von frischen
Tomaten oder bei Leitungswasser etwas zu wenig aufgepasst und mir etwas
eingefangen hab. Jedenfalls hatten es die Lebensmittel plötzlich etwas eilig meine
Verdauung zu durchlaufen. Nun war ich sehr froh, überall Coca-Cola kaufen zu
können. So konnte ich trotz angeschlagener Verdauung noch Energie in mich hineinbringen.
Einfahrt in La Paz
Obwohl ich kein Liebhaber von grossen Städten bin, wollte ich schon immer
mal La Paz besuchen. Die höchstgelegene Metropole und der höchstgelegene
Regierungssitz tönten spannend. (Hauptstadt von Bolivien ist Sucre und in La Paz
ist nur der Regierungssitz). So landete ich wieder einmal auf einer Autobahn und
fuhr der Grossstadt entgegen. Wie bereits in Chile, ist auch hier das Fahren
mit dem Velo auf der Autobahn kein Problem. Je näher ich der Stadt kam, desto mehr
Verkehr hatte es, aber auch die Geschwindigkeit der Fahrzeuge nahm ab. Zudem sind
hier alle Verkehrsteilnehmer sehr Rücksichtsvoll und mithilfe der Hupen wird
laufend kommuniziert. Oft hört sich das Hupkonzert wie ganze Dialoge an: „Achtung,
ich komme.“ – „warte, da ist noch jemand im Weg“ – „geh etwas mehr an den Rand“
– „Danke! Noch ein schöner Tag!“ So ist es möglich, dass Problemlos auf einer
dreispurigen Strasse auch mal fünf Autos nebeneinander fahren oder auf der
Autobahn auf dem Seitenstreifen Autos und Lastwagen in die Gegenrichtung
unterwegs sind.
Bevor ich nach La Paz kam, musste ich noch El Alto durchqueren. El Alto ist
die zweit grösste und eine der jüngsten Stadt Boliviens. Sie liegt in unmittelbar
neben La Paz auf der Hochebene. Als ich dies geschafft hatte, an der Kante stand
und auf La Paz hinunter schauen konnte war ich erst mal sprachlos. Die Hochebene,
auf der ich nun so lange ohne grosses Gefälle gefahren bin, ist hier plötzlich fertig
und das Gelände fällt rund 500m in die Tiefe. In der Schlucht fliesst kein
Fluss und hat es keine Felsen, sondern eine Stadt. Ganz unten stehen grosse
Hochhäuser, während die Häuser je höher hinauf immer wie kleiner werden. Ich
habe das schon mehrmals auf Bilder gesehen. Nun aber Live da hinab, auf die
Stadt zu schauen war schon sehr eindrücklich.
Damit ich genügend Zeit habe diese spezielle Stadt zu erkunden und mich
etwas zu erholen, habe ich mich gleich für eine Woche in einem Hostel
eingemietet. Meine Verdauung hat sich schon wieder fast ganz erholt, ich habe
jedoch trotz den Literweise Coca-Cola Gewicht verloren und versuche nun mir wieder
etwas Reserve an zu essen.























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