Montag, 8. April 2024

Start in Bolivien (Villa Mar, Bolivien)

Motiviert machte ich mich von San Pendro aus auf, hinauf in die Höhen. Um mich zu akklimatisieren machte ich die ersten Tage nur kleine Etappen und versuchte nicht all zu weit oben mein Zelt aufzustellen. Leider war dies nicht ganz einfach, da die Strasse 12km ausserhalb von San Pedro zu steigen beginnt und innert 30km von 2500m hinauf auf 4640m geht. Anschliessend bleibt sie stetig über 4000m. Ausser einem ausserordendlich grossen Durst, einen nicht so tiefen Schlaf und das ich schneller aus der Puste kam, bemerkte ich nicht viel von der Höhe.

Land Nr. 35

So kam ich in das 35. Land, das ich mit dem Velo bereise und Phönix bekam seinen 35. Kleber aufgeklebt. Von beginn an war ich fast erschlagen von der Landschaft und der Aussicht auf die Berge, Lagunen und die Weiten der Steppenlandschaft. Genau auf der Grenze hörte die Teerstrasse auf und auf der bolivianischen Seite hat es nur noch Schotterpisten mit viel Sand und Wellblechbelag. So kam ich nicht nur wegen der Höhe nicht schnell voran, sondern auch die Strasse bremste mich aus. Diese Strasse und ihren Staub wurden leider auch meinem Fotoapparat zum Verhängnis. Als ich ihn am Strassenrand aufstellte um mich beim Vorbeifahren zu filmen, kippte er in den Staub. Seit da funktioniert das Zoom nicht mehr und es braucht oft ziemliche Überredungskünste bis er sich ein und ausschaltet. Am selben Abend wollten auch gleich beide Feuerzeuge die ich bei mir hatte nicht mehr und verweigerten ihren Dienst. Also musste ich kalt zu Abend- und Frühstück essen. Ich war jedoch so von der Tatsache, dass ich nun tatsächlich in Bolivien bin beschäftigt und mit Glückshormonen überschüttet, dass mich diese Defekte nicht beeindruckten oder aus der Ruhe brachten. Zum Glück kam ich am nächsten Tag an eine heisse Quelle mit vielen Touristen. Da quatschte ich so lange die Leute an, bis mir jemand ein neues Feuerzeug schenkte und den Fotoapparat geht auch langsam wieder etwas besser an und aus, wenn auch der Zoom noch nicht funktioniert.

Reserva National de Fauna Andina Eduardo Avaroa
Im Südwesten von Bolivien, also genau da wo ich das Land betrat, ist ein 7147km2 grosses Naturreservat. (Das ist etwas grösser als der Kanton Graubünden.) Ausser ein paar einzelner Häuser mit Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen gibt es da nur Natur. Neben der aussergewöhnlichen Landschaft, hat es erstaunlich viele Tiere, die sich an diesen extremen Lebensraum angepasst haben. So sah ich nicht nur viele Vicunjas und Flamingos, sondern auch eine Gruppe Vizcachas (ein mit den Chinchillas verwandter Nager, etwas grösser als ein Wildkaninchen.) Leider konnte ich sie wegen dem kaputten Zoom nicht fotografieren. Zudem kreuzte ein Andenfuchs meinen Weg und zahlreiche andere Tiere wie Vögel, Mäuse, Eidechsen usw. Nur der Puma wollte sich nicht zeigen.

Ausserhalb des Reservats
Im Grenzgebiet des Parkes wurden die Vicunjas langsam von Lamas abgelöst. Erstaunlich grosse Herden weiden da auf dem kargen Boden. Zu meinem erstaunen änderte sich ansonsten nicht viel. Die Strassen blieben schlecht und die einzelnen Dörfer sind extrem weit von einander entfernt. In den Dörfern gibt es zwar kleine Läden, ähnlich wie die in Chile, ihr Angebot ist jedoch deutlich kleiner. Oft kann man ausser Chips, Süssgetränken und Biskuits nicht viel anderes kaufen. So wurde ich auch enttäuscht, da ich im ersten Dorf eigentlich eine bolivianische SIM-Karte kaufen wollte. Wie ich dann im zweiten Dorf erfahren musste, gibt es die erst in der nächsten Stadt, also nochmals 200km weiter.

Im Grossen und Ganzen ist die Landschaft hier in Bolivien viel eindrücklicher als ich mir vorgestellt hatte. Die Strassen und die Versorgungslage jedoch herausfordernder und kräftezehrender als gedacht. Ich bewundere die Menschen, die hier in den Dörfern weit weg von allem leben. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieser Einsamkeit und Abgeschiedenheit machen sie auf mich einen sehr zufriedenen Eindruck.

Um mich etwas von den Strapazen zu erholen und die vielen Eindrücke zu verdauen, checkte ich mich für zwei Nächte in ein Hotel ein. Am zweiten Tag funktionierte sogar das Welan auf allen meinen Geräten und ich kann wieder einmal Kontakt zur Aussenwelt aufnehmen. 






Laguna Chalviri

Laguna Chalviri


5‘000 m 🥳


Laguna Colorada / Vicunjas

Laguna Colorada

Laguna Colorada

Laguna Colorada

Laguna Colorada

Andenfuchs

Laguna Colorada / Lamas

Lamas



Peña Barrosa


Lamas


Villa Mar






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