Samstag, 13. April 2024

Bolivien kennenlernen (Uyuni, Bolivien)

Langsam wurde die Umgebung flacher, die Strassen grösser und die Dörfer kamen regelmässiger und wurden auch grösser. So landete ich ziemlich kaputt in Uyuni, meiner ersten Stadt in Bolivien.

Ein Hoch auf das Internet
Da ich in den kleinen Dörfern keine SIM-Karte kaufen konnte, war ich lange offline unterwegs. Mir wurde bewusst wie bequem es ist, fast überall schnell etwas nachschlagen zu können, Hotels zu buchen und die Route zu planen. In der ersten etwas grösseren Ortschaft, in San Cristópal konnte ich dann zwar eine SIM-Karte erstehen, richtig funktioniert hat sie jedoch erst hier in Uyuni nach dem ich bei einem Shop vom Anbieter vorbei ging und sie sie mir richtig installieren konnten. So ohne Internet kam ich mir ziemlich verloren vor und ich frage mich, wie Langzeitreisende es früher ganz ohne Internet gemacht haben. Nicht nur zum Planen und Nachschlagen benutze ich das Internet, sondern es ist auch mein Nabel zur Welt und ich kann damit meine Erlebnisse teilen und bekomme das Gefühl nicht ganz alleine zu sein. So war es nicht ganz einfach für mich durch die faszinierende Landschaft zu reisen ohne das Erlebte teilen zu können und nichts von der Aussenwelt mit zu bekommen. Zum Glück funktioniert es nun und ich hoffe auf den nächsten Etappen wieder Kontakt mit der Aussenwelt halten zu können.
 
Bolivianische Märkte
Sowohl in San Cristópal, wie auch als ich in Uyuni eintraf, war gerade Markt und an unzähligen Ständen wurden Kleider, Spielzeige, Haushaltsgeräte, diverse Lebensmittel, Berge von Eiern und natürlich auch viel frisches Obst und Gemüse angeboten. Nach den Tagen in der Einsamkeit mit trockenen Keksen und Teigwahren, konnte ich von den vielen Farben und Gerüchen fast nicht genug bekommen. Zu meiner Überraschung ist das Gemüse und Obst hier nicht nur sehr günstig und frisch, sondern auch noch unheimlich lecker. Man bemerkt, dass ich langsam in die Nähe des Äquators und somit den Tropen komme. Auch wenn die Früchte nicht hier oben auf 3700m wachsen, so ist der Weg hier hin nicht mehr so weit.
Als ich an meinem zweiten Tag hier in Uyuni wieder einkaufen wollte, war der Markt verschwunden und ich fand nirgends mehr frische Produkte. In den zahlreichen kleinen Läden fand ich wieder nur das übliche Angebot von Keksen, Chips und Süssgetränken. Gerade als ich schon fast aufgeben wollte und hoffte, dass am nächsten Tag wieder Markt ist, stolperte ich in eine Markthalle, die über und über voll mit kleinen Ständen war, an der man alles was das Herz begehrt erstehen kann. Ich fühlte mich, als hätte ich das Tor ins Paradies oder Schlaraffenland gefunden. Nun hatte ich nicht mehr das Problem wo ich Tomaten bekomme, sondern an welchem Stand ich den nun welche kaufen soll.
 
Andere Touristen
In den anderen Ländern kam ich immer wieder in Kontakt mit anderen Touristen und begegnete auch regelmässig anderen Veloreisenden. Seit Santiago, habe ich nur einen einzigen anderen Veloreisenden getroffen. Nun hier in Bolivien sind sogar die anderen Touristen seltener geworden. Die meisten Touristen mieten sich einen Geländewagen, (meist ein Toyota Land Cruiser) inklusive Fahrer und fahren damit zu den Sehenswürdigkeiten. So gibt es Orte, an denen es fast nur Touristen und Souvenirstände gibt. Hingegen zu anderen Orten, wie zum Beispiel zu den Märkten kommen die Geländewagen nicht und ich habe das Gefühl in einer anderen Welt zu sein. Alle Bolivianer sind sehr freundlich, auch wenn ich mich mit meinem sehr schlechten Spanisch nur schlecht verständigen kann und sie oft mehrere Male wiederholen müssen wie teuer etwas ist oder erraten müssen, was genau ich den nun will. Cocablätter kauend hören sie mir geduldig zu, nennen mich „Amigo“ und versorgen mich danach mit allem was ich brauche ohne aufdringlich zu sein.
 
Ein Land zum verlieben
Auch wenn hier vieles improvisiert und sehr einfach ist, so fühle ich mich sehr wohl. So gibt es zum Beispiel trotz Armut keine Bettler. Vielen Strassenhändler sieht man an, dass sie nicht viel besitzen und trotzdem betteln sie nicht, sondern versuchen etwas zu verkaufen. Auch wenn es nur ganz einfache Kleinigkeiten sind.
Wieder einmal durch eine Mischung aus Internetrecherche, Bauchgefühl und Glück, bin ich in einem kleinen Hostel gelandet, das in einer grosszügigen Wohnung Zimmer vermietet. Im Moment in ich sogar der einzige Gast und habe so die grosse Wohnung mit einer fantastischen Aussicht über Uyuni für mich alleine. Und dies für nur 75 Bolivianos (ca. 10.- Franken) pro Nacht.

 


Cañion de Alota


Alota







Eisenbahnfriedhof Uyuni

Eisenbahnfriedhof Uyuni




Uyuni

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