Samstag, 20. April 2024

Salar de Uyuni (Bolivien)

 Bereits als ich begann diese Reise zu planen, war mir klar, dass ich unbedingt die grösste Salzwüste der Erde besuchen und mit dem Velo durchqueren will. Viele Bilder und Berichte von anderen Veloreisenden haben mich fasziniert und inspiriert.

Drohende Enttäuschung
Als ich danach in die Nähe des Salzsees kam, wurde mir bewusst das nun die Regenzeit zwar vorbei ist, der See jedoch seine Zeit braucht um wieder auszutrocknen und befahrbar zu werden.
Die Salzwüste befindet sich nämlich in einer riesigen Hochtal, das keinen Ausfluss hat. Über Jahrtausende hat sich Regenwasser, Quellwasser und alles was sonst noch so anfällt, in dem grosse Becken gesammelt und ist anschliessend verdunstet. Das zurückgebliebene Salz hat so über die Zeit die Salzwüste gebildet. Mit einer Grösse von 10‘582 km2 ist das nun die grösste Salzwüste der Welt. Das entspricht einem viertel der Schweiz oder der Fläche der Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg, Jura und Solothurn zusammen. Da in der Regenzeit mehr Wasser in das Becken fliesst als verdunsten kann, bildet sich auf dem Salz eine Wasserschicht. Bis dieses Wasser wieder verschwunden ist dauert es seine Zeit.
Dies wurde mir erst bewusst, als ich bereits in Uyuni war. (Ja, ich bin immer noch kein Held im planen und vorausschauen!)
Wo genau im Moment wie viel Wasser ist, konnte mir jedoch niemand sagen. Halb rechnete ich schon damit, dass mein Traum von der Durchquerung mit dem Velo und der Übernachtung auf dem Salz platzen wird.

Nasser Start
So nervös wie schon lange nicht mehr, fuhr ich zum Eingang, um mir die Sache selber anzuschauen. Natürlich stand genau da das Wasser bis 50cm hoch. Etwas weiter hinten sah es jedoch bereits viel weniges tief aus und noch etwas weiter sogar trocken. „Umkehren kann ich ja immer noch“, dachte ich und schob Phönix durch das Wasser. Tatsächlich wurde es immer wie trockener und bereits nach etwas mehr als 100m konnte ich schon fahren. Auch wenn es noch sehr nass und klebrig war.
Nach dem ersten Höhepunkt dem Dekar-Denkmal und dem Plaza de las Banderas, ging es nun definitiv in die Wüste hinein.

Nichts als Salz, soweit das Auge reicht. 
Der Boden wurde immer wie fester und es lies sich immer wie besser darauf fahren. 
Einzelne Spuren von Geländewagen zeigten an, wo bereits Autos durchgefahren sind. Je weiter ich in die Wüste hinein kam, je seltener wurden die Spuren und ich war wirklich alleine. Ab und zu tauchte am Horizont noch ein Geländefahrzeug auf, aber in meine Nähe kam keins. 
Nur der Wind wehte kalt und stürmisch genau aus der Richtung in die ich fahren wollte. So ging es halt doch nur wenig schneller als Schritttempo voran. 

Nicht erwartete Herausforderungen
Gegen Abend musste ich eingestehen, dass weder die Zeit bis zum Sonnenuntergang noch meine Energie ausreichte, um eine Insel mit Windschutz zu erreichen. Also stellte ich das Zelt einfach irgendwo auf. So einfach war es noch nie, eine Stelle für die Nacht zu finden. Ausser das der Boden nicht überall gleich glatt ist, spielt es da überhaupt keine Rolle, wo man sich für die Nacht niederlässt. 
Inmitten des Windes das Zelt aufzubauen war aber gar nicht so leicht. Zum Glück konnte ich in Patagonien bereits etwas üben und wusste, das mein Zelt mehr aushält als ich am Anfang dachte. Aber bis alles stand und gut verankert war, ohne dass etwas davon flog oder zerfetzt wurde, war es doch ziemlich knifflig. 
Die nächste Herausforderung war, bei dem Wind den Kocher in Betrieb zu nehmen. Ständig blies der Wind das Feuerzeug aus und das Benzin wollte einfach nicht zu brennen beginnen.
Als alles geschafft war und ich im warmen Schlafsack lag, konnte ich es gar nicht richtig glauben, dass ich nun wirklich hier inmitten der Salzwüste liege. Gegen Mitternacht lies sogar der Wind nach und ich hatte eine ruhige und erholsame Nacht. Sogar die Temperaturen waren weniger tief als ich erwartet hatte. 

Isla Incahuasi
Am nächsten Morgen konnte ich dann mit neuer Energie und bei Windstille weiter dem Horizont entgegen fahren. Schon bald tauchte die Insel Incahuasi auf. Das ist die bekannteste Insel, die sich aus dem weissen Meer erhebt. Es war ganz komisch, für einmal nicht mit einem Boot sich einer Insel zu nähern und daran anzulegen, sondern mit dem Velo. Ungefähr so muss es auch sein auf einem gefrorenen See zu fahren und auf einer Insel anzulegen. 
Die Insel ist bekannt, da auf ihr hunderte von Riesenkakteen stehen. Die Riesen werden bis 15m hoch und 200 Jahre alt. Zu meinem Glück waren gerade keine anderen Touristen auf der Insel und ich konnte sie in aller Ruhe alleine besichtigen. Irgendwie ganz surreal steht da inmitten der weisen Salzwüste diese Insel mit dunklem Vulkangestein und den riesigen Kakteen. Ich kam mir ganz klein vor und als wäre ich irgendwie auf einem anderen Planeten gelandet. 

Nasses Ende
Ab der Insel ging es nochmals 40 km quer durch die Wüste zurück aufs Festland. Je näher ich dem Vulkan Tunupa und dem Rand der Salzwüste kam, desto nasser wurde das Salz wieder. Zuerst nur einzelne Pfützen, danach überall eine feine Wasserschicht, bis ich durch ca 3 cm tiefes Wasser fuhr. 
Somit viel mein Plan, noch eine zweite Nacht auf dem Salz zu verbringen buchstäblich ins Wasser. Zum Glück war das Salz trotz dem Wasser schön fest und ich konnte wenigstens gut darauf fahren. Bis ich 20 m vor dem Ufer in einer 30 cm tiefen Pfütze stecken blieb und wie beim Eingang Phönix durch tiefes Wasser hinaus schieben musste. Erst als ich wieder am trockenen stand sah ich, dass ich diese Pfütze ganz einfach hätte umgehen können und etwas weiter drüben fast trocken an Land fahren können.

So ging das Abenteuer Salar de Uyuni nach zwei Tagen schon wieder zu Ende. Ich bin glücklich, dass ich mich vom vielen Wasser und Wind nicht hab abschrecken lassen und es durchgezogen hab. Auch wenn es sich ganz surreal, ja fast wie ein Traum anfühlt da durchgefahren zu sein, werde ich dieses Abenteuer wohl nie vergessen.  












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