Freitag, 23. Februar 2024

Die Kunst der Routenplanung (Dichato, Chile)


Überfüllte Strände
Motiviert machte ich mich auf, das Seengebiet zu erkunden. Auf einer Länge von Rund 300 km hat es hier einen See neben dem andern und dazwischen Vulkane wie aus dem Bilderbuch, so wie viele fruchtbare Felder. Mit der Erwartung ein paar Tage durch schöne Landschaft fahren zu können und an Seeufern zu übernachten startete ich in diese Etappe. Der erste Tag wurde meinen Erwartungen noch gerecht, danach wurde ich jedoch eines besseren belehrt. Sobald die Gegend etwas flacher wurde, verschwanden die kleinen Bauernhöfen und die Felder wurden immer wie grösser und intensiver genutzt. Zwischen ihnen hat es zwar immer noch sehr viele Bäume und Hecken aber der Charme der kleinen Höfe war verschwunden.
Da hier in Chile immer noch Sommerferien sind und die Temperatur täglich um die 30 Grad, fahren viele zur Abkühlung an die Seen. Das führt dazu dass die Strände, welche nicht in Privatbesitz und abgesperrt sind, von badenden Familien überlaufen. Neben Badestränden und Privatgrundstücken hatte ich Mühe geeignete Übernachtungsplätze zu finden. Nach einer Nacht auf einem überteuerten Campingplatz, weit weg vom See und mit Strassenlärm hatte ich die Nase voll von dem Gebiet und entschied an die Küste zu fahren.
An der Küste sind sie Temperaturen deutlich kühler und das Klima angenehm. Wie ich bereits weiter im Süden feststellte, gibt es jedoch nur wenige Strassen, welche der Küste folgen und der Pazifik ist oft mehrere Kilometer entfernt. Kam ich aber an ihn, wurde ich mit sehr schönen Klippen und friedlichen Buchten belohnt. Zwei Mal gelang es mir nahe am Strand einen guten Platz für die Nacht zu finden und konnte schöne Sonnenuntergänge bewundern. Einer dieser Plätze teilte ich mit einem anderen Veloreisenden der von Norden in den Süden unterwegs ist. Als wir gemeinsam den Sonnenuntergang anschauten waren wir uns einig, dass dies einfach immer wieder von neuem ein sehr schönes Ereignis ist. Zudem stellten wir lachend fest, dass wie beide von jedem Sonnenuntergang unzählige Fotos machen obwohl wir bereits tausende von Sonnenuntergangsbilder besitzen. 

Autobahn
Durch die erneut hügelige Landschaft kamen auch die kleinen Bauernhöfe zurück. Auf kleinen Parzellen wurden von Hand Kartoffeln gegraben, mit altertümlichen Dreschmaschinen Getreide gedroschen oder sogar mit Ochsenkarren die Ernte zusammengeführt. Ich fühlte mich in eine vergangene Zeit zurück versetzt, schaffte es jedoch nicht davon gute Fotos zu machen.
Einmal mehr hatte ich die Wahl auf steilen Schotterpisten in schlechtem Zustand der Küste zu folgen oder auf grösseren Strassen weiter im Landesinnern schneller voran zu kommen. Da Wolken aufzogen und der Pazifik im Nebel verschwand, entschied ich mich etwas Strecke zu machen und fuhr auf grösseren Strassen weiter. Hier in Chile ist es sogar erlaubt mit dem Velo auf der Autobahn zu fahren. Dies nutzte ich aus und stellte fest, dass die Autobahn gegenüber anderen grossen Strassen mehrere Vorteile hat. Auf ihr hat es wegen der anfallenden Maut eher weniger Verkehr als auf Hauptstrassen und dadurch dass sie mehrspurig ist viel mehr Platz. Eine Maut musste ich mit dem Velo nicht bezahlen und konnte bei den Mautstellen neben den Barrieren durch fahren. Die Busshaltestellen stehen hier mit ihren Haltehäuschen direkt auf der Autobahn und so sind es die Auto- und Lastwagenfahrer gewohnt, das es auch Langsamverkehr auf der Autobahn hat. Ihr Tempo ist auf ihr auch nicht schneller als auf anderen Strassen. Oder besser gesagt fahren sie auf den anderen Strassen nicht langsamer als auf der Autobahn. Lustigerweise ist der Zaun neben der Strasse hier kleiner, je grösser die Strasse ist. Das führt nicht nur dazu dass sich ab und an Ziegen oder Kühe auf die Fahrbahn verirren, sondern ich auch viel leichter geeignete Schlafplätze fand. Zwar nicht die schönsten, aber da eh alles im Nebel lag und ich müde in den Schlafsack viel, machte mir dies nichts aus. Nur viel von der Umgebung bekam ich bei den Autobahnabschnitten nicht mit. Ausser unendlichen Eukalyptus-Plantagen in allen Wachstumsstadien, Dörfer, welche sich wie ein Ei dem anderen gleichen und Nebel bekam ich nichts zu sehen. 


Müde und Motivationsprobleme
Bereits seit dem letzten Ruhetag hatte ich nicht wirklich viel Energie, was durch die langen Etappen nicht besser wurde. Die langen Autobahnabschnitte zogen sich hin und ich musste mich mit Hörbüchern ablenken und nicht zu verzweifeln. Gerne hätte ich schon früher einen erneuten Ruhetag gemacht, aber ich fand keinen geeigneten Campingplatz. Also fuhr ich weiter bis schliesslich die Gegend wieder etwas touristischer wurde und ich einen schönen Campingplatz fand. Fast gleichzeitig mit meinem Eintreffen auf dem Campingplatz verzogen sich auch die Wolken und das schöne Wetter kam zurück. Nun geniesse ich es, die Beine hoch zu halten und mich zu erholen. Gleichzeitig versuche ich meine nächsten Etappen zu planen. Hier, in der Mitte von Chile gibt es unzählige von Möglichkeiten und Strassen. Ich wünschte, es gäbe wieder nur eine oder zwei wie in Patagonien, das würde mein Leben leichter machen.


Andenschakal

Volcán Osorno


Lago Rupanco

Lago Puyehue (Sonnenaufgang)

Lago Ranco

Lago Ranco







Scavenger Vogel Mönchsgeier




Lota



Mittwoch, 14. Februar 2024

Die Insel Chiloé (Ensenada, Chile)

Nach einer fünf stündigen Überfahrt mit einer Fähre landete ich in Quellón, im Süden der Insel Chiloé. Chiloé ist die zweit grösste Insel von Chile und mit ihren 9‘322km2 1.5 mal so gross wie der Kanton Bern.

Auf und ab
Von weitem sieht die Insel ziemlich flach aus, da sie keine Berge hat. Aber ich musste schnell feststellen, dass sie alles andere als das ist und die Strassen gingen stets nur rauf oder runter. Nie lange, dafür immer wieder und zum Teil extrem Steil. 
Von Quellón geht eine grosse Strasse quer über die Insel. Da ich aber etwas mehr sehen wollte verlies ich mehrere Male die Strasse und fuhr auf kleinen Strassen weiter. Die sind jedoch oft nicht geteert und bei dem losen Untergrund hatte ich keine Chance die Anstiege hinauf zu fahren. So schob ich regelmässig Phönix schon fast senkrecht den Hang hinauf. Nur um danach auf der anderen Seite in Schritttempo hinunter zu fahren um bei den vielen losen Steinen nicht auszurutschen. So hatte ich jede Menge Zeit sie Umgebung zu bewundern. 

Landwirtschaft
Im Süden der Insel hat es viel Wald, während es im Norden viele kleine Bauernhöfe gibt. Auf meist sehr steilem Land betreiben sie in kleinen Parzellen Selbstversorgung. So laufen da nicht nur viele Hunde auf der Strasse rum, sondern auch Hühner, Enten, Schweine, Schafe und Kühe. In den Gärten sah ich zum ersten Mal hier in Südamerika Kartoffelstauden und verschiedene Gemüsearten. 

Pazifik
Auch zum ersten mal kam ich an den offenen Pazifik. Da keine Strassen an den Strand führen und die Einheimischen lieber in einem der Seen baden und nicht im Meer, musste ich eine Weile suchen, bis ich einen Zugang fand. Als ich es geschafft hatte, konnte ich fast alleine auf einem grossen Strand einen schönen Sonnenuntergang geniessen. Dabei kam ich mir ganz klein vor. Vor mir mehr als 9‘000 km nichts als Meer und auf der anderen Seite liegt Neuseeland. Ziemlich genau  vor einem Jahr sass ich da am Strand und schaute in die entgegengesetzte Richtung. Dabei überlegte ich wie es wohl da ist und ob ich es einmal schaffen werde dieses Land zu bereisen. Nun, nur ein Jahr später habe ich es geschafft und erkunde diese Seite des Pazifiks. 

Wieder Festland
Nach 3 1/2 Tagen verlies ich die Insel wieder. Dieses Mal brauchte die Fähre nur eine halbe Stunde bis zum Festland. Da wurden die Strassen endlich langsam etwas flacher und ich kam wieder ein bisschen schneller voran. Auch die Landwirtschaft wurde schnell wieder grossräumiger. Hier wird neben etwas Getreide vor allem Milch produziert und an vielen Hofeinfahrten hängt ein Nestle Werbeplakat. 

Veloreisende
Nach dem ich auf der Carretera Austral vielen anderen Veloreisenden begegnet bin, war ich auf der Insel Chiloé alleine auf weiter Flur. Ich bin gespannt, ob ich nun hier auf dem Festland wieder vermehrt Verloreisenden begegnen werde. Den hier ist es äussert angenehm so zu Reisen. Regelmässig kommen Lebensmittelläden und ich könnte täglich auf einem Campingplatz übernachten. Das Klima ist sehr angenehm und manche Strassen haben sogar einen Fahrradstreifen. 
Bevor ich aber weiter bequem in den Norden fahre, habe ich mich am Lago Llanquihue mit Blick auf den Vulkan Osorno niedergelassen und mache einen Tag Pause.
 



Castro 

Castro

Castro


Rio Grande

Bronzekiebitz




Pinguine 🥰





Lago Llanquihue und Volcán Osorno


Dienstag, 6. Februar 2024

Carretera Austral (Chaitén, Chile)

Mit der Nase voll vom Wind, fuhr ich nach Chile. Einmal mehr staunte ich, wie schnell sich die Landschaft verändern kann. In Argentinien fuhr ich hunderte von Kilometer durch ähnliche Landschaft und weiter im Norden ginge es noch lange so weiter. Nun aber hier im Westen fand ich mich nach wenigen Kilometern in einer völlig anderen Umgebung. Die Steppe war mit samt der Trockenheit und den Guanacos verschwunden. Stattdessen war ich inmitten von steilen Bergen, die oben mit Schnee und unten mit grünen Wäldern bedeckt sind. Dazwischen neben vielen Flüssen und Seen, kleine Dörfer und viel Landwirtschaft. Da das Klima langsam wärmer wird gibt es auch immer wie mehr Pflanzen, die in der Schweiz nicht im Freien wachsen. Zum Beispiel gibt es überall Fuchsien die im Moment in voller Blüte sind. Aus dem Dickicht höre ich immer wieder fremde Vogelstimmen singen, die mich zum Teil an Neuseeland erinnern. 

Carretera Austral
Ich kam mir vor, als wäre ich in einem riesigen Labyrinth aus Bergen und Tälern und sehr froh, konnte ich alles der Carretera Austral folgen und musste mir den Weg nicht selber suchen. Die Carretera Austral ist eine rund 1350 km lange Strasse die durch das südliche Chile von Süd nach Nord führt. Ihr Zustand ist viel besser als ich erwartet hatte. Und nur wenige Abschnitte waren mit losem Kies bedeckt. Da es hier feuchter ist sind diese Abschnitte zudem viel weniger staubig und besser befahrbar als im Osten. Nur gibt es hier nun auch wieder mehr Verkehr und mehr Höhenmeter. Auf den 550 km, die ich auf der Carretera Austral fuhr, machte ich rund 7000 Höhenmeter. Trotz den Steigungen und dem Verkehr scheint die Strecke bei Veloreisenden sehr beliebt zu sein. Ich begegnete bis zu 20 anderen vollbepackten Velos am Tag. Die allermeisten von ihnen fuhren jedoch in den Süden und nicht wie ich Richtung Norden.

Abwechslung
Obwohl hier viel mehr los ist und die Gegend dichter besiedelt, erlebte ich unterwegs viel weniger als zuvor in der Steppe. Vielleicht ist diese Strecke auch deshalb so viel beliebter bei den anderen Veloreisenden, da es viel berechenbarer und bequemer ist als die Route durch Argentinien. Das bedeutet jedoch auch viel weniger Abenteuer und Herausforderung. Für den Moment geniesse ich es, es für einmal etwas einfacher zu haben und ohne Probleme Wasser und gute Schlafplätze zu finden. Aber ich freue mich dann auch wieder auf Etappen die etwas mehr Abenteuer bieten. Wie immer macht es die Abwechslung und ich bin zuversichtlich, dass das Abenteuer bald von alleine wieder zurück kommt und sonst muss ich nur die Route etwas anpassen und etwas abseits fahren…









Chucao














Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...