Mittwoch, 9. Juli 2025

Der lange Weg zurück oder Dempster Hwy zum 2. (Dawson City, Kanada)

Nun war ich also am Ende der Strasse, am Polarmeer angekommen. Kurz nach meiner Ankunft verschlechterte sich das Wetter und es begann zu regnen. Geichzeitig war Kanadas Nationalfeiertag und es hatte viel weniger Touristen da hoch im Norden als ich erwartet hab. So fand ich auf die Schnelle niemanden, der mich zurück nach Dawson mitnehmen konnte. Also blieb ich nochmals einen Tag länger und besuchte die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag. Die Bewohner von Tuktoyaktuk versammelten sich auf dem Dorfplatz und sahen Kraft- und Geschicklichkeitsspielen zu und assen Burger. Eine sehr entspannte Stimmung ganz ohne Nationalhymne und Feuerwerk.
 
Mitfahrgelegenheiten
Die Strecke, welche ich per Anhalter zurückfahren wollte, entspricht ca der Strecke von Hamburg nach Bern. (Nur hat der Dempster Hwy etwa doppelt so viele Höhenmeter.) Da mich niemand die gesamte Strecke mitnehmen konnte, stellte ich mich ausserhalb von Tuktoyaktuk an den Strassenrand. Nach knapp einer Stunde kam das zweite Auto und nahm mich mit. So kam ich wenigstens in den 150 km entfernten nächst Ort Inuvik. Da konnte ich wieder einmal duschen und meine Kleider waschen. Sauber stellte ich mich erneut an den Strassenrand und hoffte auf eine neue Mitfahrgelegenheit. Nach längerem Warten verlor ich die Geduld und entschloss einfach mal ein Stück zu fahren. Mein Karton, dass ich eine Mitfahrgelegenheit suche, hängte ich hinten dran und wenn ein Auto kam hielt ich an und hielt den Daumen raus. So hielt Phillip neben mir. Er arbeitet bei den Nordwest Territorien und dürfte eigentlich keine Anhalter mitnehmen. Er nahm mich trotzdem bis nach Fort McPherson mit. Das ist der letzten Ortschaft vor Dawson. Auf der Strecke Hamburg – Bern wäre dies ca. Dortmund, also ca. ein Drittel. Zwischen Fort McPherson und Dawson gibt es keine weitere Ortschaft mehr und ich fand keine Mitfahrtgelegenheit.
 
Geniessen anstelle ärgern
Um weiter in den Süden zu kommen hatte ich nun drei Möglichkeiten: 
1. Weiter am Strassenrand stehen und hoffen, dass irgendeinmal jemand kommt, der mich mitnehmen will und auch Platz hat. Bis jetzt hatten alle, die mich mitnehmen wollten keinen Platz im Auto und die den Platz gehabt hätten, fuhren an mir vorbei.
2. Nach Inuvik zurück gehen und ab da mit dem Flugzeug nach Dawson zurückfliegen. Der nächste Flug ginge jedoch erst in fünf Tagen. Zum fliegen müsste ich alles sicher in Kartonkisten verpacken und dazu hatte ich keine Lust.
Also bleib noch die 3. Möglichkeit: selber zu fahren. Das Wetter war wieder schön, ich hatte Zeit und die Landschaft hier ist einfach spektakulär. Wann habe ich schon das nächste Mal die Gelegenheit durch solch eindrückliche Landschaft fahren zu können?
Zudem waren meine Sozialen Batterien durch die vielen Kontakte und Gespräche in den letzten Tagen leer und ich sehnte mich nach der Ruhe und Einsamkeit der Natur.
So entschloss ich mich nicht zu ärgern, sondern es einfach zu geniessen und machte das was ich die letzten 1,5 Jahre gemacht habe: Velofahren und Landschaft betrachten.
Zu meinem Glück waren die Abschnitte, welche bei der Hinreise in dichten Rauch von den Waldbränden gehüllt waren, nun Wolken und Rauch frei. So sah ich sogar noch mehr und alles war noch eindrücklicher und schöner.
 
Alles hat ein Ende
Nach 5 Tagen, nach dem ich in Fort McPherson entschieden hatte selber zurück zu fahren, kam ich wieder am Ende des Demster Hwy an. Da ich doch noch ein bisschen gehofft hatte, nicht ganz alles alleine fahren zu müssen, hatte ich nicht so viel Lebensmittel eingekauft. So hatte ich am Ende nur noch Haferflocken und mein Speiseplan wurde dementsprechend eintönig. Auch das Wetter schlug um und es begann zu regnen. So war ich doch froh erneut in Dawson anzukommen. Zur Feier des Tages leistete ich mir ein Hotelzimmer und ging Pizza essen. Aber am Besten war die Dusche. Nach 5 Tagen auf der staubigen Strasse hatte ich eine ziemlich dicke Schicht aus Staub, Schweiss, Sonnencreme und Mückenspray auf mir. Das Wasser in der Dusche war jedenfalls lange fast schwarz.
 
Erneut Waldbrände
Kurz nach meiner Ankunft in Dawson erfuhr ich, dass Abschnitte des Dempster Hwy erneut wegen Waldbränden gesperrt sind. Ich hatte also ein riesen Glück den Demster Hwy zweimal fahren zu können ohne durch Strassensperren aufgehalten zu werden. Hoffentlich habe ich auch durch Alaska so viel Glück. 






Erste Mitfahrgelegenheit







Polarkreis













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