Sonntag, 23. Juni 2024

Nebelfahrt (Huaraz, Peru)

Vier Tage lang erkundete ich Lima, ruhte mich aus und plante die nächsten Etappen. An einem Nachmittag bekam ich sogar eine private Stadtführung einer Freundin der Frau meines Cousins. So bekam ich noch einen Blick hinter die „Touristen-Kulisse“. Mein Eindruck von Lima?: Gross, neblig und für eine südamerikanische Grossstadt sehr ordentlich. In den meisten Bezirken fühlte es sich schon fast wie in einer europäischen Stadt an.

Nebel
Nach Lima ging es weiter auf der Autobahn durch den Nebel. Auch wenn das Meer oft nur wenige Meter von der Strasse entfernt war, so sah ich praktisch nichts davon. Oft war der Nebel sogar so dicht, dass alles eklig feucht war und ich die Regenjacke anzog. Auch die Temperaturen waren mit maximal 20 Grad kühl und ungemütlich. So bog ich nach zwei Tagen wieder nach Osten ab und kehrte in die Berge zurück. Leider war auch über dem Nebel eine weitere Wolkenschicht und ich konnte die Sonnencreme weiterhin in der Tasche lassen.
 
Chilis soweit das Auge reichte
Über 110 km ging es ab 200 m über Meer hinauf auf 4100 m. Zuerst führte die Strasse alles am Fluss entlang durch das Tal. Auf der einten Seite der Strasse war alles grün und es hatte zahlreiche Äcker mit den unterschiedlichsten Kulturen. (unter anderem Mais, Chili, Aprikosen, Mandeln, Bananen, Zuckerrohr, usw.) Auf der anderen Seite der Strasse wurde nicht bewässert und es war steinige, trockene Wüste. An manchen Stellen wurden in dieser Wüste Mais, Bohnen und vor allem Chilis ausgebreitet und getrocknet. Ich war sehr beeindruck ab der Menge von Chilis, die da liegen und von Hand gewendet und schliesslich wieder zusammengepackt werden.
 
Unerwarteter Übernachtungsplatz
Je weiter hinauf ich kam, je enger wurde das Tal und steiler das Gelände. Die Strasse machte nun zahlreiche Kehren, behielt ihre Steigung jedoch bei. Ich brauchte zwei Tage um die Höhenmeter zu bewältigen. Am Ende des ersten Tags deckte ich mich in einem Dorf nochmals mit Lebensmittel und Wasser ein und wollte noch rund eine Stunde weiterfahren. Am Dorfausgang verkaufte eine Frau vor ihrem Haus am Strassenrand frische Aprikosen. Ich kaufte ihr welche ab und sie gab mir noch von einer Cherimoya, einer exotischen Frucht zu kosten, die ich noch nicht kannte. Da die Kommunikation bis da sehr gut lief, versuchte ich pantomimisch zu fragen ob die Frucht am Boden oder an einem Baum wächst. Die Frau verstand jedoch ob ich hier übernachten könne und zeigte mir eine flache Stelle auf der anderen Seite der Strasse. Nachdem ich zur Sicherheit mit dem Übersetzungsapp nachgefragt hatte ob ich wirklich hier schlafen könne, änderte ich meinen Plan und stellte das Zelt auf. Wo die Frucht den nun wächst weiss ich immer noch nicht. Dafür kam ich so einfach wie noch nie zu einem Schlafplatz.
 
Huaraz
Nach der Passhöhe ging es wieder 1000 Höhenmeter hinab und ich landete in Huaraz. Einer Stadt mitten in den Bergen. Selber überhaupt nichts schönes, aber ein beliebter Ausgangspunkt für zahlreiche Bergtouren. Hier verbringe ich nochmals einen Ruhetag, bevor ich erneut richtig tief in die peruanischen Berge hinein gehe.
Mittlerweile kam sogar die Sonne zurück und es ist sehr eindrücklich, welche Kraft sie hat. Sogar hier auf 3000 m Höhe wird es an der Sonne schnell 30 Grad warm, während die Temperaturen in der Nacht nahe an die Frostgrenze sinken.



Lima

Lima

Lima

Lima, Regierungspalast

Lima

Lima

Autobahn 

Autobahn 

Huacho


Chili-Trocknung

Chili-Trocknung

Chili

Mais

Raquia




4‘000 m

Huaraz

Huaraz



Samstag, 15. Juni 2024

Zurück in der Wüste (Lima, Peru)

Ich rechnete damit, dass nun unterhalb 1000 m und in der Wüste es wieder heiss wird und so verstaute ich meine warmen Kleider unten in der Tasche.
 
Nasca-Kultur
In Nazca wurde es dann auch gut 30 Grad warm, die Luft war jedoch sehr trocken und die Hitze somit sehr gut auszuhalten. Ich verlängerte meinen Aufenthalt um einen Tag und besuchte verschiedene Relikte der Nazca-Kultur, die Rund 2000 Jahre alt sind. Wie von den Ruinen der Inkas, war ich auch von den Überbleibseln der Nazca-Kultur tief beeindruckt.
Als ich schliesslich weiter in den Norden fuhr, kam ich auch an den berühmten Nazca-Linien vorbei. Zu meiner Freude konnte ich auch ohne einen Rundflug zu machen zahlreiche Linien und Figuren vom Boden aus bewundern. Natürlich sah ich nur einen Bruchteil der insgesamt über 1500 Scharrbilder. Es reichte jedoch aus, einen Eindruck davon zu bekommen und ich bin erstaunt, dass sie nach Rund 2000 Jahren immer noch so gut sichtbar sind, obwohl sie nur wenige Zentimeter in den Boden gegraben wurden.
 
Paracas Naturreservat
Die Temperaturen waren nun jedoch bei weitem nicht so warm wie erwartet. Dafür kam ich in den Küstennebel und es wurde ziemlich feucht. Zudem fuhr ich die meiste Zeit auf der Autobahn. Da kam ich zwar gut voran, sah aber so gut wie nichts von der Umgebung. So entschied ich mich in Ica wieder abzubiegen und fuhr durch das Paracas Naturreservat.
Schnell war ich wieder alleine und hatte die Strasse für mich. Die wurde auch schnell kleiner und weniger gut ausgebaut. Da die Wüste an dieser Stelle mehrheitlich aus Lehm besteht und nicht aus Sand waren die Wege auch mit meinen schmalen Reifen gut befahrbar und ich blieb nur selten stecken.
Sofort fühlte ich mich wieder wohl und genoss die karge Landschaft. Bald kam ich auch an die Küste und konnte wieder einmal meine zwei Lieblinge Meer und Wüste gemeinsam geniessen.
 
Isla Ballestas
Viel zu schnell kam ich an das andere Ende des Naturreservats und in den Touristen-Hotspot Paracas. Als Kontrastprogramm zu der Einsamkeit in der Wüste buchte ich mich eine Bootsfahrt zu den Ballestas Inseln. Ich hatte gelesen, dass sie einen Besuch wert seien und auch als Galapagos für Arme bezeichnet werden. Kurz vor Abfahrt durfte ich mich als einziger Passagier zu vorerst in den Bug des Bootes setzten. Ich weiss nicht, wie ich zu dieser Ehre kam. War es, weil ich der einzige Alleinreisende war, ich den Preis nicht drückte und somit wahrscheinlich zu viel bezahlte oder war doch mein Geruch nach vier Tagen Wüste ohne Dusche eine zu grosse Zumutung? Egal weshalb, ich genoss die Bootsfahrt in der Poleposition, auch wenn die Inseln eher eine Enttäuschung waren und sich zurzeit nur wenige Tiere darauf aufhalten.
 
Lima
Weiter fuhr ich wieder auf der Autobahn durch den Nebel nordwärts. Anstelle der Sonnencreme brauchte ich tatsächlich die Regenjacke. Meine Laune und Motivation waren jedoch weiterhin gut, konnte ich doch kurz vor Lima meinen 10‘000 km in Südamerika feiern.
Angekommen in der Hauptstadt und grössten Stadt von Peru, war ich zuerst einmal überrascht. Es hat hier tatsächlich Velowege, die meisten Häusser sind zu Ende gebaut und auf den Strassen herrscht so was wie Ordnung. Ganz ungewohnt werden die Schilder und Ampeln befolgt. Die Kreuzungen sind nicht dauernd verstopft, sondern die Autos warten mit dem hineinfahren bis die Ausfahrt auch wirklich frei ist. Das Beste ist jedoch dass es keine Strassenhunde gibt und natürlich die Einkaufszentren. Das erste Mal seit Chile kann ich wieder alles kaufen. So kam ich in den Genuss von frischen Champignons, Vollkornbrot und fand sogar Gemüsebouillon. Nur guter Schokolade bin ich noch nicht begegnet...

Cahuachi Pyramide 

Cahuachi Pyramide 

400 Jahre alter Baum

Bewässerungssystem der Nazca-Kultur

Bewässerungssystem der Nazca-Kultur

Nazca-Linien

Nazca-Linien

Nazca-Linien

Paracas Naturreservat 

Paracas Naturreservat 

Paracas Naturreservat 

Paracas Naturreservat 

Paracas Naturreservat 


Islas Ballestas

Islas Ballestas

Islas Ballestas

Islas Ballestas

Islas Ballestas


Lima

Huaca Pucllana

Huaca Puccllana

Lima



Donnerstag, 6. Juni 2024

Pässefahrt (Nazca, Peru)

Die nächste Etappe führte mich auf der 30A in den Westen, aus den Anden hinaus. Ich wusste, dass noch einige Höhenmeter kommen werden, dachte jedoch, dass dies auf dieser Strasse einen Klacks ist. Tatsächlich war es bei weitem nicht mehr so ansträngend wie der Weg über den Abra Salkantay Pass, aber ein Klacks war es auch nicht.
 
Platten
Bevor es jedoch das erste Mal richtig hinauf ging, musste ich aus Abancay hinausfahren. Dabei lag viel Abfall am Strassenrand und da viel Verkehr auf der Strasse war, konnte ich dem Müll nicht immer ausweichen. Die Pneus von Phönix sind zudem langsam etwas abgefahren und so funktioniert der Pannenschutz nicht mehr richtig. Also kam es wie es kommen musste und ich hatte wieder einmal einen Platten. Bis jetzt konnte ich jeweils neue Schläuche einsetzten und musste nicht mühsam die Löcher reparieren. In Cusco habe ich jedoch vergessen neue Schläuche zu kaufen und in Abancay hatte der einzige Velomechaniker geschlossen. Also musste ich nun das Loch suchen und reparieren. Als das erste Loch repariert war ging es 100m bis das nächste, am anderen Rad kam. Auch dieses reparierte ich und am nächsten Morgen, als wieder ein Pneu ohne Luft war auch noch das Dritte. Nun blieb zwar die Luft drinnen, aber mir gingen die Flicken aus. Zum Glück kam mir in den Sinn, dass die Motorräder ja auch ab und zu einen Platten haben müssen. Sie benutzen zwar nicht dieselben Grösse an Schläuchen, aber hier wird eh alles repariert und nicht neu gekauft, also müssen die Motorradwerkstätten Flicken haben. Da jedes Dorf mindestens eine Motorradwerkstatt fand ich tatsächlich schnell und ohne Probleme neue Flicken, die ich nun hoffentlich nicht brache…
 
Hinauf und hinab
So konnte ich nun gut ausgerüstet den ersten Pass in Angriff nehmen. Beim ersten blieb es jedoch nicht und die Strasse führte mich mehrere Male auf über 4500m hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Beim Hinauffahren schwitzte ich und hatte heiss. Dabei träumte ich vom kühlen Wind in der Höhe und dem Hinabfahren. Oben angekommen musste ich dann alle Kleider anziehen um nicht zu frieren und beim Hinabfahren schmerzten mir die Hände vom Bremsen, hatte ich kalt und träumte von der Wärme, die ich beim Hinauffahren hatte. Bis am Schluss konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich nun lieber hinauf oder hinab fahre.
 
Gute Strasse
Wenigstens war die Strasse in einem sehr guten Zustand. Auch der Verkehr wurde schnell weniger und ich hatte oft die Strasse für mich alleine. Autos sah ich lange so gut wie keine. Dafür fahren Busse und Lastwagen in jeder Grösse auf der Strasse. Die grössten von ihnen brauchen in den engen Kurven die gesamte Breite und es war gar nicht so leicht ihnen dabei nicht in die Quere und nicht zerquetscht zu werden. Auch wenn sich zwei überholten und dabei mich nicht sahen blieb für mich keinen Platz mehr. Zum Glück war das jedoch selten und alles lief in einem langsamen Tempo ab, so blieb mir immer genügend Zeit mich in Sicherheit zu bringen.
 
Kalte Nächte
Eine Nacht verbrachte ich erneut auf über 4500m. Kaum war die Sonne verschwunden, wurde es auch schon bitter kalt und ich floh in den warmen Schlafsack. Als ich in der Nacht schnell aus dem Zelt musste, wurde ich von einem Himmel voller Sterne überrascht. Von Horizont bis zum Horizont leuchteten sie um die Wette und keine Lichtverschmutzung verblasste sie. Leider bin ich zu doof um meinen Fotoapparat so einzustellen um Bilder davon zu machen. So gibt es keine Aufnahmen von diesem Himmel. Neben dem grandiosen Himmel fuhren in der Nacht keine Lastwagen auf der Strasse und da auch kein Wind wehte, war es zudem mucksmäuschenstill.
 
Wildnis
Nicht nur die Nächte waren eindrücklich, sondern auch am Tag hatte ich eine Menge zum Schauen. Die Gegend wurde immer wie abgelegener und die Dörfer immer wie kleiner. Schliesslich hatte ich fast zwei Tage lang keinen Natelempfang und die Dörfer hatten nur die allernötigste Infrastruktur. Ich war froh alles was ich brauchte bei mir zu haben und konnte so die schöne Landschaft geniessen. Wieder grasten grosse Herden von Alpakas und Lamas neben der Strasse und auch Kühe, Esel und Schafe sah ich immer wieder. Neben den Haustieren begegnete ich auch sehr vielen wilden Tieren. Wie viele Vikunjas, Kondore und einmal sogar Viscachas (Nagetierart aus der Familie der Chinchillidae).
 
Zurück in der Atacamawüste
Als ich den letzten Pass überquerte, kam im Westen anstelle einer weiteren Bergkette erstmals nichts. Als ich danach hinab fuhr, tauchte aus dem Dunst langsam eine eindrückliche Wüstenlandschaft auf. Ich wusste, dass nach den Pässen wieder die Atacamawüste kommt. Trotzdem war ich überrascht wie schnell sich die Landschaft veränderte und wie eindrücklich und anders die Wüste hier ist.
Nun bin ich nach 10 Wochen in der Höhe wieder unterhalb 1000m und zurück in der Atacamawüste. Somit bin ich auch wieder auf der Hauptroute der Panamericana.




Vicunjas 

Lamas

4550m / -4 Grad

Kondore



Cerro Blanco, eine der grössten Dünen der Welt

Cerro Blanco, eine der grössten Dünen der Welt

Atacamawüste

Atacamawüste


Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...