Die nächste Etappe führte mich auf
der 30A in den Westen, aus den Anden hinaus. Ich wusste, dass noch einige
Höhenmeter kommen werden, dachte jedoch, dass dies auf dieser Strasse einen Klacks
ist. Tatsächlich war es bei weitem nicht mehr so ansträngend wie der Weg über
den Abra Salkantay Pass, aber ein Klacks war es auch nicht.
Platten
Bevor es jedoch das erste Mal
richtig hinauf ging, musste ich aus Abancay hinausfahren. Dabei lag viel Abfall
am Strassenrand und da viel Verkehr auf der Strasse war, konnte ich dem Müll
nicht immer ausweichen. Die Pneus von Phönix sind zudem langsam etwas
abgefahren und so funktioniert der Pannenschutz nicht mehr richtig. Also kam es
wie es kommen musste und ich hatte wieder einmal einen Platten. Bis jetzt
konnte ich jeweils neue Schläuche einsetzten und musste nicht mühsam die Löcher
reparieren. In Cusco habe ich jedoch vergessen neue Schläuche zu kaufen und in
Abancay hatte der einzige Velomechaniker geschlossen. Also musste ich nun das
Loch suchen und reparieren. Als das erste Loch repariert war ging es 100m bis
das nächste, am anderen Rad kam. Auch dieses reparierte ich und am nächsten
Morgen, als wieder ein Pneu ohne Luft war auch noch das Dritte. Nun blieb zwar
die Luft drinnen, aber mir gingen die Flicken aus. Zum Glück kam mir in den
Sinn, dass die Motorräder ja auch ab und zu einen Platten haben müssen. Sie benutzen
zwar nicht dieselben Grösse an Schläuchen, aber hier wird eh alles repariert
und nicht neu gekauft, also müssen die Motorradwerkstätten Flicken haben. Da
jedes Dorf mindestens eine Motorradwerkstatt fand ich tatsächlich schnell und
ohne Probleme neue Flicken, die ich nun hoffentlich nicht brache…
Hinauf und hinab
So konnte ich nun gut ausgerüstet den
ersten Pass in Angriff nehmen. Beim ersten blieb es jedoch nicht und die Strasse
führte mich mehrere Male auf über 4500m hinauf und auf der anderen Seite wieder
hinunter. Beim Hinauffahren schwitzte ich und hatte heiss. Dabei träumte ich
vom kühlen Wind in der Höhe und dem Hinabfahren. Oben angekommen musste ich
dann alle Kleider anziehen um nicht zu frieren und beim Hinabfahren schmerzten
mir die Hände vom Bremsen, hatte ich kalt und träumte von der Wärme, die ich
beim Hinauffahren hatte. Bis am Schluss konnte ich mich nicht entscheiden, ob
ich nun lieber hinauf oder hinab fahre.
Gute Strasse
Wenigstens war die Strasse in
einem sehr guten Zustand. Auch der Verkehr wurde schnell weniger und ich hatte
oft die Strasse für mich alleine. Autos sah ich lange so gut wie keine. Dafür
fahren Busse und Lastwagen in jeder Grösse auf der Strasse. Die grössten von
ihnen brauchen in den engen Kurven die gesamte Breite und es war gar nicht so
leicht ihnen dabei nicht in die Quere und nicht zerquetscht zu werden. Auch
wenn sich zwei überholten und dabei mich nicht sahen blieb für mich keinen
Platz mehr. Zum Glück war das jedoch selten und alles lief in einem langsamen
Tempo ab, so blieb mir immer genügend Zeit mich in Sicherheit zu bringen.
Kalte Nächte
Eine Nacht verbrachte ich erneut
auf über 4500m. Kaum war die Sonne verschwunden, wurde es auch schon bitter
kalt und ich floh in den warmen Schlafsack. Als ich in der Nacht schnell aus
dem Zelt musste, wurde ich von einem Himmel voller Sterne überrascht. Von
Horizont bis zum Horizont leuchteten sie um die Wette und keine
Lichtverschmutzung verblasste sie. Leider bin ich zu doof um meinen Fotoapparat
so einzustellen um Bilder davon zu machen. So gibt es keine Aufnahmen von diesem
Himmel. Neben dem grandiosen Himmel fuhren in der Nacht keine Lastwagen auf der
Strasse und da auch kein Wind wehte, war es zudem mucksmäuschenstill.
Wildnis
Nicht nur die Nächte waren eindrücklich,
sondern auch am Tag hatte ich eine Menge zum Schauen. Die Gegend wurde immer
wie abgelegener und die Dörfer immer wie kleiner. Schliesslich hatte ich fast
zwei Tage lang keinen Natelempfang und die Dörfer hatten nur die allernötigste Infrastruktur.
Ich war froh alles was ich brauchte bei mir zu haben und konnte so die schöne
Landschaft geniessen. Wieder grasten grosse Herden von Alpakas und Lamas neben
der Strasse und auch Kühe, Esel und Schafe sah ich immer wieder. Neben den Haustieren
begegnete ich auch sehr vielen wilden Tieren. Wie viele Vikunjas, Kondore und
einmal sogar Viscachas (Nagetierart aus der Familie der Chinchillidae).
Zurück in der Atacamawüste
Als ich den letzten Pass
überquerte, kam im Westen anstelle einer weiteren Bergkette erstmals nichts. Als
ich danach hinab fuhr, tauchte aus dem Dunst langsam eine eindrückliche
Wüstenlandschaft auf. Ich wusste, dass nach den Pässen wieder die Atacamawüste
kommt. Trotzdem war ich überrascht wie schnell sich die Landschaft veränderte
und wie eindrücklich und anders die Wüste hier ist.
Nun bin ich nach 10 Wochen in der
Höhe wieder unterhalb 1000m und zurück in der Atacamawüste. Somit bin ich auch wieder
auf der Hauptroute der Panamericana.



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| Vicunjas |
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| Lamas |
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| 4550m / -4 Grad |
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| Kondore |
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| Cerro Blanco, eine der grössten Dünen der Welt |
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| Cerro Blanco, eine der grössten Dünen der Welt |
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| Atacamawüste |
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| Atacamawüste |