Nach dem Besuch des Machu Picchu musste ich mich entscheiden, welche Route ich nun nehme um wieder aus den abgelegenen Bergen hinaus zu kommen.
Drei Varianten
Dazu hatte ich grob drei Möglichkeiten:
1. Zurück Richtung Cusco und vor Cusco nach Westen Richtung Küste abbiegen. Dabei hätte ich 150 km die selbe Strasse, die ich bereits gefahren bin zurück fahren müssen. Alles ist jedoch gut ausgebaut und erschlossen.
2. Weiter Richtung Norden in die Berge hinein. Das würden jedoch mehrere hohe Pässe bedeuten in einer ziemlich abgelegenen Gegend in der ich nicht weiss, wie gut der Zustand der Strassen ist.
Oder 3. über den Abra Salkantay Pass. So wäre ich innert 90 km am selben Punkt, an dem ich bei der 1. Variante nach 220km wäre. Über den Abra Salkantay Pass führt jedoch nur ein Wanderweg…
Zufahrt zum Pass
Schliesslich entschied ich mich doch für sie 3. Variante und bog in das Seitental Richtung Pass ab. Bereits die Zufahrt war sehr Steil und mit vielen losen Steinen. Obwohl die Strasse noch von Autos befahrbar, musste ich kämpfen um hoch zu kommen und oft schieben. Zudem ist das Klima da tropisch und somit sehr schwül. Sowohl die Temperaturen wie auch die Pflanzen neben der Strasse sind noch sehr ungewohnt für mich. Ich genoss es trotzdem unter Bananen- und Avocadobäumen, neben Kaffeesträuchern und anderen tropischen Pflanzen zu fahren.
Hilfe
Am Morgen des zweiten Tages war es dann soweit und die Strasse wurde zu einem Wanderweg, der nur noch zu Fuss oder mit Pferden und Maultieren begehbar ist. Ich dachte mir, wenn da Pferde und Maultiere durchkomme, so schaffe ich das mit dem Velo auch!
Von beginn an war es jedoch nicht möglich zu fahren. Schnell wurde es steinig und steil. Also schob ich Phönix den Berg hoch. Als mir das zu anstrengend wurde, packte ich das Gepäck ab, trug es ein Stück hoch und holte Phönix nach. Das war zwar weniger anstrengend, dafür äusserst mühsam und extrem langsam.
Als mich dann die zweite Maultierkarawane ohne Last überholte, hielt ich sie an und bat sie, mein Gepäck mitzunehmen. So banden sie je zwei Taschen auf zwei Maultiere und es ging viel leichter weiter. Dafür verlangten sie zwar einen Wucherpreis, aber das war mir in dem Moment egal.
Auch mit dem leeren Velo hatte ich keine Chance mit der Karawane schritt zuhalten. Am Mittag holte ich sie jedoch auf und konnte sogar ein Stück voraus gehen und sie zeigten mir auf der Karte bis wohin sie an diesem Tag gehen.
Auch ohne Gepäck war es äusserst anstrengend und immer wie häufiger musste ich Phönix tragen und konnte nicht schieben, (von fahren sprechen wir schon gar nicht.)
Je weiter hinauf ich kam, desto grösser waren sie Augen der Wanderer, als ich ihnen mit dem Velo entgegen kam. Denn die Strecke ist eine beliebte Trecking-Route. Praktisch alle gehen jedoch in die entgegengesetzte Richtung und viele lassen ihr Gepäck von Maultieren transportieren. Deshalb waren die Karawanen in meine Richtung ohne Gepäck unterwegs und ich konnte meines mitgeben. Es ist sehr eindrücklich wie die Maultiere frei die Strecke gehen. Selbst wenn sich zwei Karawanen kreuzen gibt es kein durcheinander und keines wechselt die Richtung. Nur von mir, respektive von Phönix hatten sie Angst und brauchten jeweils viel Mut um zu kreuzen oder mich zu überholen.
Gepäcksuche
Als ich es geschafft hatte und die 4630 m hohe Passhöhe erreicht hatte ging ein kalter Wind. Alle Wanderer hatten Jacken, Mützen und Handschuhe an. Nur ich hatte natürlich alle Kleider auf den Maultieren und nichts zum Anziehen und von meiner Karawane war weit und breit nichts zu sehen. Also ging ich schnell auf der anderen Seite des Passes hinunter. Da kam ich nach ca einem Kilometer an den kleinen See, bis zu dem sie gehen wollten. Aber auch da war nichts von meiner Karawane und meinem Gepäck zu sehen. Eine andere Gruppe schlug zwar ein Lager auf, aber sie wollten sie nicht gesehen haben. Auf der Karte sah ich, dass oben auf der Passhöhe noch ein anderer See ist. So lief ich zurück und suchte da nach ihnen. Langsam ging die Sonne unter, es zog Nebel auf und es war ars… kalt. Ich fluchte vor mich hin und ging wieder zurück. Da lag alles Gepäck bei Phönix. Sie waren nur 100m weiter hinter einem Hügel und wunderten sich schon wo ich bleibe. 🫣
Kalte Nacht
Erschöpft, aber froh meine warmen Kleider wieder zu haben, stellte ich mein Zelt in die Nähe von dem Zelt der Maultiertreiber auf. Ich durfte mich an ihrem Lagerfeuer aufwärmen und darauf mein Abendessen kochen. Mit dem Übersetzer auf dem Natel versuchten wir noch miteinander zu sprechen. Eine Passquerung mit den Maultieren dauert 1.5 Tage. Sie gehen also immer 1.5 Tage hin, 1.5 Tage zurück und machen danach 3 Tage Pause. So hab ich es jedenfalls verstanden.
Aufgewärmt genoss ich die tolle Aussicht auf die umliegende Berge und zum Einschlafen konnte ich den Maultieren beim grasen zuhören. Die Nacht da oben auf 4500m war jedoch sehr kalt und am Morgen war alles mit einer dicken Eisschicht überzogen. Ich war jedenfalls extrem froh, nicht ohne meine Ausrüstung übernachten zu müssen! 😅
Abstieg
Da die Karawane bereits am Morgen um 2 weiter zogen und ich nicht so früh aufstehen wollte, musste ich mein Gepäck wieder selber transportieren. Ganz langsam und Vorsichtig gelang es mir ohne Sturz hinab zu kommen. Dabei musste ich immer wieder anhalten und auf Wanderer und Karawanen warten. Denn an vielen Stellen war es nicht möglich zu kreuzen und es kamen mir ganze Völkerwanderungen entgegen. Ich musste den anderen Touristen auch immer wieder die selben Fragen beantworten: „Ist das ein guter Weg um Fahrrad zu fahren“ - „Nein“, „ist es möglich mit dem Fahrrad über den Pass zu fahren?“ - „Nein“, „macht es Spass mit dem Fahrrad da durch zu gehen?“ - „Ja!“, …
Die Einheimischen hingegen fragten mich immer wieder, weshalb ich schiebe und nicht fahre…
Wieder fahrbare Strassen
Schliesslich hatte ich es geschafft, der Weg wurde breiter und ich kam an grossen Parkplätzen vorbei, an denen die Wanderer ausgeladen und das Gepäck auf die Maultiere gepackt werden. Ich wundere mich nur, dass ich auf der anderen Seite des Passes keine solchen Parkplätze gesehen hab. Keine Ahnung wo die Touristenmassen nach der Wanderung wieder in die Autos geladen werden…
Jedenfalls war ab da die Strasse wieder gut befahrbar und ich konnte alles fahren. Es ging hinab, hinab und nochmals hinab. 2800m tiefer kam ich schliesslich auf sie Strasse nach Cusco und war nun wieder auf der Route, die andere (normale) Veloreisende auch nehmen um von Cusco an die Küste zu kommen.
War es nun eine gute Idee diese Route zu nehmen? Definitiv nicht! Würde ich es wieder tun? Höchstwahrscheinlich schon!
Die vielen Maultierkarawanen zu beobachten war sehr spannend und die Passüberquerung ein Abenteuer, dass ich nicht vergessen werde.
An der Küste bin ich jedoch noch lange nicht und es gibt immer noch viele Höhenmeter und Serpentinen, bis ich wieder einmal das Meer sehe. Der Rest der Strecke ist nun jedoch alles Teerstrasse und sollte nicht mehr so herausfordernd sein.
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