Ja, ich reise gerne und mag es unterwegs zu sein und neue Länder, Landschaften und Kulturen zu entdecken. Aber bis mein Velo und die ganze Ausrüstung endlich auf der anderen Seite des Atlantiks, des Äquators und fast auf der anderen Seite der Welt waren, war es schon sehr stressig. Mit dem fliegen hab ich kein Problem (ausser die ökologischen Aspekte natürlich), da kann ich nichts anderes machen als sitzen und warten. Aber bis ich im Flieger sitze und vor allem danach bis alles wieder zusammengesetzt ist und ich eine funktionierende Sim-Karte und das richtige Geld hatte brauchte es sehr viele Nerven. Deshalb fahre ich so gerne von zuhause mit dem Velo los. So kann ich den ganzen Stress überspringen und gleich das machen was ich mag. Aber da hab ich nun jedoch schon alle Richtungen ausgekundschaftet und einmal mit dem Velo auf einen anderen Kontinent war schon sehr reizvoll. Also Augen zu und durch und vier Tage nach meinem Aufbruch, war es endlich überstanden und ich hatte alles zusammen und konnte in Ushuaia starten.
Obwohl der südliche Zipfel von Südamerika nicht südlicher ist als Dänemark nördlich, so ist das Klima ohne Golfstrom viel rauer und fühlt sich eher an wie in Island oder der Norden von Norwegen. Zudem ist Feuerland nur schwach besiedelt und die Ortschaften liegen weit auseinander. Als ich also in Ushuaia los fuhr hatte ich gleich 100km ohne Ortschaft und Verpflegungsmöglichkeit vor mir. Dies hatte ich jedoch schon öfters und machte mir keine Sorgen. Gleich am ersten Abend traf ich zudem auf Podtschis, die mit dem Velo von Mexiko hier hinab gefahren sind. Wir zelteten zusammen und ich bekam nochmals jede Menge guter Typs und Radschläge. Vielen Dank nochmals!
Am nächsten Tag verlies ich die Berge und kam ins offene Gelände. Da wurde der kalte Wind, der für die Gegend hier sehr typisch ist, immer wie stärker und kam meist direkt von vorne. So kämpfte ich mich mehr als ich fuhr in den Norden. Zu meiner Überraschung ärgerte ich mich jedoch überhaupt nicht über den Wind, sondern war nur froh, dass er nicht stärker ist und ich überhaupt fahren kann. (Auch wenn es nur 8 km/h waren.)
Schon bald kam ich an die chilenische Grenze. Den Argentinien wird hier an der Magellanstrasse von Chile unterbrochen. Also kam ich nach wenigen Tagen wieder in ein neues Land und musste schon wieder neues Bargeld und eine neue Sim-Karte besorgen. Da es an der Grenze keinen offenen Laden hatte, musste ich ohne Funktionierende Sim-Karte losziehen und konnte auch nicht wie geplant die Vorräte auffüllen. Also 180km gegen den Wind (inklusive einem 40km langen Abstecher zu einer Pinguinkollonie) ohne Internet und nur das Minimum an Essen, grösstenteils auf einer Schotterpiste.
Zum Glück war das Wetter wenigstens trocken und vor allem die Landschaft sehr schön. Unendliche Steppenlandschaft mit vielen Schafen, Pferden, etwas Kühen und überall Guanakos und exotische Vögel.
Die Atlantikküste und das Ufer der Magellanstrasse ist völlig unbebaut und frei von touristische Bauten was für mich sehr ungewohnt ist so lange nahe an einer Küste zu sein und doch so abgelegen und weit weg von der nächsten Ortschaft.
Die Menschen hier sind extrem hilfsbereit und freundlich. Mindestens jedes zweite Auto winkt mir zu, zeigt den Daumen nach oben und hupt motivierend. Halte ich an um eine Pause zu machen werde ich sofort gefragt ob alles ok ist und mehrere Male bekam ich Wasser oder was zu Essen geschenkt. So kam ich auch problemlos ohne zu verhungern nach Porvenir und konnte wieder einkaufen und eine Sim-Karte kaufen.
Obwohl ich letztes Jahr in Neuseeland mehr Kilometer von zuhause weg war, fühlt es sich hier viel weiter weg und fremder an. Bis jetzt konnte ich jedoch jedes Hindernis bewältigen und hab früher oder später alles bekommen was ich wollte.
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| Start in Brügg |
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| Das Ende der Strasse. Ab hier gehts nur noch in den Norden. |
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| Nationalpark Tierra del Fuego |
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| Magellangans |
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| Nationalpark Tierra del Fuego |
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| Ushuaia |
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| Guanakos |
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| Criollo |
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| Guanakos |
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| Königspinguine |
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| Gaucho |
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