Nach El Calafate und dem Glacier Perito Moreno, kam ich bereits zwei Tage später zum nächsten Touristen Hotspot. El Chantén ist voller Rucksacktouristen und Bergsteiger, die hier auf das richtige Wetter warten um die umliegenden Berge zu erkunden. Die Berge sind sehr schön, das Wetter jedoch sehr wechselhaft und die Berggipfel oft wolkenverhangenen. So stellte auch ich mein Zelt zwischen die anderen und wartete auf gutes Wetter. Bereits nach zwei Nächten hatte ich Glück und perfektes Wanderwetter. So stieg ich hoch zum Fusse des Fitz Roy und bewunderte die schroffen Felswände.
Steppe
Nach El Chaltén fuhr ich wieder in die unendliche Steppe von Ostpatagonien hinein. Schon bald waren die vielen Touristenbusse verschwunden und nur noch wenige Autos fuhren auf der Strasse. Stellenweise war die Strasse nicht einmal mehr asphaltiert. Diese Gegend zählt zu den am schwächsten besiedelten Regionen der Welt und hat im Schnitt weniger als einen Bewohner auf einen Quadratkilometer. Da der argentinische Teil von Patagonien im Regenschatten der Anden liegt ist es sehr trocken. Die meisten Flüsse sind jetzt im Sommer ausgetrocknet und die Landschaft geprägt von Steppengras, kleinen Büschen, Staub und Wind. Unendliche weite Ebene wechselt sich ab mit sanften Hügeln und schroffen Schluchten. Zwischendurch gibt es sogar Vulkangestein und selten mal ein grünes Tal mit einem Fluss, der das ganze Jahr Wasser hat. In diesen Tälern sind auch die wenigen kleinen Ortschaften, die wie Oasen in der weiten Landschaft stehen.
Ich musste also das erste mal nicht nur gut planen um genügend Lebensmittel bis zum nächsten Laden zu haben, sondern auch genügend Wasser bis zur nächsten sicheren Wasserquelle. Zum Glück fand ich immer wieder auch einen unvorhergesehenen Bach oder Fluss mit Wasser, so dass ich immer genügend zu trinken hatte. Den der stetige Wind trocknet alles aus und weht er doch ausnahmsweise mal kurz nicht, so wird es schnell richtig heiss.
Fasziniert bin ich neben der Landschaft auch von den vielen Tieren und Pflanzen, die hier in der Ödnis leben. Vor allem hat es überall Guanacos, die zum Teil in grossen Gruppen durch die Steppe ziehen. Von den Autos haben sie keine Angst und bleiben dicht an der Strasse stehen. Nur mich finden sie, wie die Rentiere in Skandinavien gefährlich und rennen immer weg. Neben den Guanacos gibt es auch immer wieder Herden von Kühen und Pferden. Dabei bin ich mir nie sicher, ob das nun verwilderte, frei lebende Tiere sind oder noch einen Besitzer haben.
Schaut man mal etwas genauer hin, hat es Stellenweise viele verschiedene, unscheinbar, kleine, feine Blumen und gut getarnte Insekten oder andere kleine Tiere wie zum Beispiel Gürteltiere.
Cueva de las Manos
Inmitten dieser einsamen Gegend kam ich zu den Cueva de las Manos. In der Schlucht des Flusses Pinturas konnte ich 8000 Jahre alte Höhlenmalerei bewundern. Die damaligen Bewohner lebten von der Guanacojagt und sammelte wildes Gemüse. Die Höhlen in der Schlucht galten als heilige Orte und wurden wie Kathedralen aufgesucht. In Ritualen bemalten sie die Wände je nach Epoche mit verschiedenen Farben und Symbolen. Vorherrschend dabei sind die Negativabdrücke von Händen, gemalte Guatacos und Jäger. Ich war tief beeindruckt von den meist gut erhaltenen Gemälden und das die Menschen damals bereits in der Lage waren solche Kunst zu erschaffen. Da dieser Ort sehr abgelegen ist und nur über schlechte Schotterpisten erreichbar, ist er auch nicht von Touristen überlaufen. Mit dem Velo den Ort zu erreichen war ein reiner Kraftakt und da ich die Schlucht nicht wie geplant bei den Höhlen queren konnte, brauchte ich einen zusätzlichen Tag für die an und Rückreise. Der Aufwand und Energie hat sich gelohnt und auch die Landschaft um die Höhlen herum war sehr sehenswert.
Der Wind, der Wind…
Die grösste Herausforderung hier ist jedoch nicht das fehlende Trinkwasser, die schlechte Versorgungslage oder die schlechten Strassen, sondern definitiv der Wind. Täglich weht er von den Bergen her über die Ebene Richtung Atlantik. War ich weiter im Süden noch froh, dass er weniger stark ist als befürchtet, so hat er hier alle Hemmungen verloren und bläst mit voller Macht. Nun steht er in nichts mehr hinter dem isländischen Wind zurück. Kleinere Strecken musste ich, wie auf Island schieben, (auf Teerstrasse bergab) da er so fest von der Seite kam und ich es nicht mehr schaffte auf der Strasse zu bleiben. Am mühsamsten am Wind finde ich jedoch nicht, dass er mich am schnellen vorankommen hindert, sondern wie er sonst vieles verkompliziert bis verunmöglicht. Auch nur für eine kurze Pause musste ich zum Teil lange einen Ort mit ein bisschen Windschutz suchen da sonst Phönix sofort umgeweht wurde. Ständig das Windgeräusch auf den Ohren trieb mich Zeitweise fast in den Wahnsinn. Musik oder Hörbuch hören praktisch unmöglich oder nur in voller Lautstärke was den Lärm nicht verbesserte. Und natürlich einen geeigneten Zeltplatz mit Windschutz in einer offenen, freien Steppenlandschaft ohne Bäume zu finden ist alles andere als leicht. Zwei mal musste ich nur hinter einem kleinen Hügel, also ohne wirklichen Schutz das Zelt aufstellen. Alle Heringe in den Boden zu bringen ohne dass das Zelt davon fliegt oder die Stangen zerbrechen brauchte all meine Campingerfahrung und viel Fingerspitzengefühl. Als das Zelt danach gut verankert da Stand war ich jeweils sehr froh und als es auch noch am Morgen ganz war sehr erleichtert. Nur in einer Nacht wehte es ständig feinen Staub ins Zelt hinein und am Morgen war alles mit einer Staubschicht bedeckt, als hätte ich 100 Jahre lang geschlafen.
Mit der Zeit bemerkte ich, dass er am Morgen etwas weniger deftig blies. So überwand ich mich und stand bereits am Morgen um 4 auf um kurz vor dem Sonnenaufgang losfahren zu können. So konnte ich ein paar Kilometer etwas leichter fahren und die Landschaft etwas mehr geniessen. Der Plan dafür früher Feierabend zu machen ging jedoch selten auf, da ich keinen Lagerplatz fand und doch weiter fuhr.
Wie weiter?
Hier in Perito Moreno muss ich mich nun entscheiden. Fahre ich weiter durch Ostpatagonien, also auf der argentinischen Seite in den Norden und kämpfe weiter gegen Wind und Trockenheit durch die offenen Steppenlandschaft oder wechsle ich nach Westpatagonien und gehe nach Chile. Da wäre ich weniger dem Wind ausgesetzt, dafür sollen die Strassen noch schlechter sein, es regnet mehr und gibt mehr Höhenmeter. Bis es so weit ist und ich mich definitiv Entscheiden muss, erhole ich mich hier erst mal ein bisschen. Da heute Sonntag ist und ich nirgends meine Kleider waschen kann, bleibe ich wohl sogar noch einen Tag länger. Auch wenn der Ort ausser Strassenhunden und schlechtem Internet nicht viel zu bieten hat.
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| Fitz Roy |
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| Fitz Roy |
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| Wilde Kühe, oder doch nicht? 🤔 |
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| Gürteltier |
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| Achtung Wind! 😅 |
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| Guanacos |
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| Guanacos |
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Warum Kurven, wenn es auch ohne geht?
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| Cañadón del río Pinturas |
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| Cañadón del río Pinturas |
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| Cueva de las Manos |
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| Cueva de las Manos |
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| Cueva de las Manos |
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| Cueva de las Manos |
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| Cañadón del río Pinturas |