Während ich mich in Whitehorse ausruhte, wendete der Wind von Südwest auf
Südost. Damit wurde er zwar wärmer, brachte aber auch allen Rauch von den
Waldbränden weiter im Osten mit. So war die Landschaft für mehrere Tage in
Dunst gehüllt und oft roch es sogar nach Rauch. Die Sonne schien dabei wie
durch einen Vorhang hindurch und alles war grau in grau.
Endlich Sommer
Auch ohne Sonne wurde es täglich etwas wärmer und die Temperaturen näherten
sich langsam der 30 Grad Grenze. Es ist schon spannend wie sich der Körper an
verschiedene Klimas anpassen kann. Fuhr ich doch ohne Problem bei 40 Grad durch
Wüsten und tropische Regionen. Da empfand ich jedoch bereits 20 Grad als sehr
kalt. Nun bin ich an kälteres Klima gewöhnt und empfinde alles über 15 Grad als
warm. So war ich bei knapp 30 Grad schon fast überhitzt und hatte nicht mehr so
viel Energie. Zum Glück war diese Etappe, entlang des Klondike Hwy nicht ansträngend
und hatte nur wenige Höhenmeter. So konnte ich es gemütlich nehmen und mich
langsam wieder an die wärmeren Temperaturen gewöhnen.
Baustellen
Der grösste Teil der Strassen, die ich bis jetzt hier in Kanada gefahren
bin, sind in einem sehr guten Zustand. Das raue Klima macht jedoch auch ihnen zu
schaffen und an vielen Orten muss gebaut und repariert werden. Da hier jedoch keine
Umfahrungen gemacht werden können, können sie die Strasse nicht einfach sperren
um die Bauarbeiten durchzuführen. Also gibt es "Pilot Cars" welche
durch die Baustellen hindurch fahren und denen die Autos und Motorräder folgen
müssen. Mit dem Velo bin ich natürlich viel zu langsam um den Pilot Cars zu
folgen. Bis jetzt durfte ich immer, nach dem sie mir eingeschärft hatten auf
welcher Seite ich fahren soll und ja vorsichtig zu sein, alleine durch die
Baustellen fahren. An einer grossen liessen sie jedoch plötzlich überhaupt
nicht mit sich diskutieren und Phönix wurde kurzerhand hinten auf ein Pilot Car
geladen. So wurde ich die Rund 10 km durch die Baustelle hindurch chauffiert
und durfte erst auf der anderen Seite wieder selber fahren. Dies ärgerte mich
kurz, da ich es mir zugetraut hätte den grossen Tracks und Bagger auszuweichen
und es alleine auf die andere Seite zu schaffen. Aber da kann ich nichts machen
und wenn sie ihre Aufgabe die Reisenden zu schützen so erst nehmen muss ich halt
auf die 10 km verzichten. Hoffentlich kann ich die nächsten Baustellen wieder
selber durchqueren.
Keine Dunkelheit mehr
Ich bin zwar immer noch Rund 250 km südlich des Polarkreises und die Sonne verschwindet noch jede Nacht kurz hinter dem Horizont. Doch richtig dunkel wird es schon länger nicht
mehr. Nach dem Sonnenuntergang dämmert es nur kurz etwas und dann geht die
Sonne auch schon wieder auf.
Dadurch bin ich nicht mehr gezwungen frühzeitig einen Lagerplatz für die
Nacht zu finden und könnte theoretisch rund um die Uhr velofahren. Eine Pause
und etwas Schlaf brauche ich jedoch trotzdem, wenn auch deutlich weniger Schlaf
ausreicht als zum Beispiel in den Tropen, wo es das ganze Jahr über 11 Stunden pro
Tag dunkel ist und ich mindestens 8 davon verschlafen hab. Da musste ich auch
spätestens bei Sonnenaufgang aufstehen um die hellen Stunden ausnützen zu
können.
Nun, bleibe ich am Morgen etwas länger im warmen Schlafsack liegen und
warte bis die Temperaturen etwas angenehmer sind. In der Nacht wird es immer
noch recht frisch. Dafür fahre ich am Abend etwas länger und kann trotzdem noch
im hellen neben dem Zelt sitzen. Damit schiebt sich mein ganzer Zeitplan nach
hinten, was wegen der langen Helligkeit eben überhaupt kein Problem ist. Vor
drei Jahren, als ich durch Schweden in den Norden fuhr war das auch schon so.
Am Ende startete ich jeweils erst kurz vor Mittag und suchte mir gegen
Mitternacht einen Schlafplatz. Ich bin gespannt, ob es sich dieses Mal auch
wieder so weit nach hinten schiebt.
Dawson City
So kam ich bereits nach fünf Tagen in der nächsten kleinen Stadt an. Dawson
City ist ein kleines Goldgräberstädtchen und liegt am Zusammenfluss von Yukon
und Klondike River. Während des Klondike-Goldrauschs 1898 lebten 16`000
bis 17`000 Einwohner hier. Bereits 1902 waren es nur noch 5`000 und Heute leben
noch etwa 1`400 Einwohner hier. Auch heute wird noch Gold abgebaut aber
hauptsächlich lebt Dawson vom Tourismus. Seine Häuser sind alle noch im
ursprünglichen Baustil gebaut, was ihm ein sehr Ursprüngliches und Uriges
aussehen gibt.
Irgendwie fühle ich mich hier wie in Ushuaia in Argentinien. Farbige Häuser
und vor allem jede Menge an Wohnmobilen und Motorräder mit viel Gepäck in den
Strassen. Vielleicht aber auch, weil ich in Ushuaia am Beginn meiner Reise
durch Amerika war und etwas nervös. Nun stehe ich am Beginn des Dempster Hwy. Eine
sehr herausfordernde Etappe und bin wieder etwas nervös.
Bis ich mich jedoch aufmache um weiter in den Norden zu fahren, ruhe ich
mich hier nochmals etwas aus. Am Samstag, an Mittsommer ist zudem der National
Indigenous Peoples Day und wenn ich schon mal da bin, fahre ich erst am Tag
danach weiter und schaue mir die Feierlichkeiten an.
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| Dawson City |
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| Elche |
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| Rotfuchs |
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| Abzweigung zum Dempster Hwy |
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| Dawson City |

















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