Während ich in Dawson war, kamen die Waldbrände immer wie näher. Die Strasse Richtung Alaska war sogar zeitweise Gesperrt und ich froh in die andere Richtung zu fahren. Doch kaum war ich gestartet, um zum Dempster Hwy zu fahren, war der Klondike Hwy, welcher ich bis zur Abzweigung nehmen musste auch gesperrt. Zum Glück konnte ich trotzdem noch bis zur Abzweigung fahren und kam so knapp an den Bränden vorbei. Doch neben dem Dempster Hwy hatte es noch weitere Brände und ich musste teilweise durch ziemlich dichten Rauch fahren. Kaum war ich beim ersten Campingplatz angekommen, schlossen sie auch die ersten 60 km des Demster Hwy und ich war froh bereits auf der anderen Seite zu sein. Auf der ganzen Strecke in den Norden sah ich immer wieder Feuer und der Himmel war immer wieder voller Rauch. So nah an die Strasse kamen die Feuer jedoch nicht mehr.
Demster Hwy
Der Dempstser Hwy ist eine 887 km lange Schotterstrasse, die in den Norden von Kanada führt. Sie ist eine von zwei Strassen, die in Nordamerika über den Polarkreis hinaus geht. 2017 wurde sie von Inuvik nach Tuktoyaktuk verlängert und ist nun die einzige Strasse in Nordamerika, welche Privatprsonen bis zum Polarmeer befahren können. Daher fahren ziemlich viele Motorräder, Wohnmobile, Autos mit Wohnwagen und ab und zu sogar verrückte Velofahrer die knapp 900 km über Schotter.
Ich war also in guter Begleitung, wenn ich mir auch vorstellen kann, dass ohne die Waldbrände noch mehr Betrieb gewesen wäre.
Abgeschiedenheit
Auf den ersten 600 km gibt es ausser einer Tankstelle mit Restaurant und Hotel keine Verpflegungsmöglichkeit. Da man bei der Tankstelle keine Lebensmittel einkaufen kann, konnte ich einem Schweizer Paar, welches mit einem Wohnmobil reist eine Tasche voller Lebensmittel mitgeben, welche sie für mich deponierten. So musste ich nicht zu viel mittragen und hatte trotzdem genügend zu Essen.
Es war ein recht spezielles Gefühl so in der Wildnis zu sein mit dem Wissen, das es in einem Radius von 200 km kein Lebensmittelladen gibt. Die vielen Autos gaben mir jedoch Sicherheit und ich wusste, dass ich bei Problemen Hilfe bekommen würde. Regelmässig hielt auch ein Auto an und fragte ob ich etwas brauche. Vor allem wenn ich am Strassenrand Pause machte hielten viele an.
Staub, Schweiss und Mückenspray
Da die Strasse nicht asphaltiert ist und es schon länger nicht mehr geregnet hatte, staubte es ziemlich stark. Die Temperaturen stiegen zudem regelmässig auf 30 Grad und vor allem bei den Steigungen lief der Schweiss nur so herab. Zudem benutze ich eine erhebliche Menge an Mückenspray um die Mücken und Bremen in Schach zu halten. Dies alles ergab eine ziemlich dicke Schmutzschicht und ich war froh, wenn ich mich am Abend etwas waschen konnte.
Zu meiner Überraschung waren praktisch alle Auto-, Motorrad- und Lastwagenfahrer sehr Rücksichtsvoll und bremsten immer stark ab, damit ich nicht zu stark eingestaubt und paniert wurde.
Faszinierende Landschaften
War die Landschaft mal nicht in Rauch gehüllt, so war sie extrem faszinierend und schön. Unendliche Weiten ohne irgend etwas von Menscherhand erschaffenes. Oft sumpfigen Wälder und in höheren Lagen oder ganz im Norden weite Grasflächen. Ich konnte mich daran fast nicht satt sehen und machte unzählige Fotos.
Tiere des Nordens
Durch die warmen Temperaturen wurden die Mücken und Bremsen aktiviert. An Windgeschützten stellen kamen sie in grossen Schwärmen über mich und erinnerten mich stark an Schweden. Wie bereits da versuchte ich mich nicht über sie zu ärgern und es gelassen zu nehmen. Irgendwie gelang mir das jedoch weniger gut als vor drei Jahren und so brauchte ich eine grössere Menge an Mückenspray, damit sie mir nicht den letzten Nerv kosteten.
Neben den Mücken und Bremen, sah ich immer wieder Schneehühner und Schneehasen, welche ins Gebüsch verschwanden. Mit dem Fotoapparat erwischte ich jedoch weder ein Huhn noch ein Hase, da ich sie oft erst sah, wenn sie bereits auf der Flucht waren. Ausser vier Elchen, ziemlich weit im Süden sah ich ansonsten keine grösseren Tiere mehr. Hier gibt es einfach viel zu viel Platz und die Karibus, Moschusochsen, Bergschafe, Bären, etc haben mehr als genügend Platz und halten sich nicht neben der Strasse auf - leider.
Polarmeer und das Ende der Strasse
Ich rechnete damit, dass ich für sie 930 km von Dawson bis hinauf ans Polarmeer rund 12 Tage benötige. Die Strasse war jedoch in einem viel besseren Zustand als ich erwartet hatte und meine Beine hatten erstaunlich viel Energie. Zudem geht die Sonne hier oberhalb des Polarkreises im Sommer nicht unter und es ist immer hell. So konnte ich viel länger fahren und grössere Etappen machen und erreichte das Ziel bereits nach 8 Tagen.
So erreichte ich am Sonntag 29. Juni 2025 um 23.00 Uhr das Ende der Strasse. Nach dem ich das Dörfchen Tuktoyaktuk durchquert hatte kam ich auf einen grossen Platz und im Norden war nur noch Wasser.
Nach genau 18 Monaten, also 1,5 Jahren, nach dem ich in Ushuaia, im Süden von Südamerika losgefahren bin und den gesamte amerikanische Doppelkontinent vor mir hatte, so bin ich nach 32'921 km am anderen Ende angekommen. Der gesamte amerikanische Doppelkontinent liegt nun also südlich von mir.
So emotional war ich noch nie an einem Ziel und meine Gefühle spielten Achterbahn. Riesen Freude und Stolz überflutete mich. Aber auch Trauer, dass diese Reise nun dem Ende entgegen geht. So viel durfte ich auf der Fahrt von Ushuaia nach Tuktoyaktuk erleben und sehen, dass ich nun ganz voll bin und etwas Zeit brauche dies alles richtig zu verarbeiten.
Wie Weiter?
Hier in Tuktoyaktuk bin ich nicht nur am Ende der Strasse, sondern auch ziemlich weit weg von allem. Es gibt zwar ein Flughafen und ab Inuvik sogar regelmässig Flugverbindungen. Aber ich habe keine Lust nun sofort in die Zivilisation zurück zu kehren. So versuche ich nun per Autostop über den Dempster Hwy zurück nach Dawson zu fahren. Ab da will ich weiter nach Alaska und langsam nach Anchorage in die Zivilisation und ab da zurück nach Europa.
Denn Alaska will ich unbedingt auch noch sehen. Habe ich unterwegs doch oft erzählt, dass ich nach Alaska fahre und alle Velofahrer, die ich getroffen habe, haben von Alaska geschwärmt wie schön es da sei.
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| Elch |
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| Höchster Punkt des Demster Hwy: North Fork Pass 1289 m |
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| Polarkreis |
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| Flugplatz auf dem Hwy |
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| Inuvik |
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| Tuktoyaktuk |
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| Das Ende der Strasse |
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| Mitternachtssonne (tiefster Punkt um 3 Uhr) |

















































