Montag, 30. Juni 2025

Dempster Hwy und das Ende der Strasse (Tuktoyaktuk, Kanada)

Waldbrände
Während ich in Dawson war, kamen die Waldbrände immer wie näher. Die Strasse Richtung Alaska war sogar zeitweise Gesperrt und ich froh in die andere Richtung zu fahren. Doch kaum war ich gestartet, um zum Dempster Hwy zu fahren, war der Klondike Hwy, welcher ich bis zur Abzweigung nehmen musste auch gesperrt. Zum Glück konnte ich trotzdem noch bis zur Abzweigung fahren und kam so knapp an den Bränden vorbei. Doch neben dem Dempster Hwy hatte es noch weitere Brände und ich musste teilweise durch ziemlich dichten Rauch fahren. Kaum war ich beim ersten Campingplatz angekommen, schlossen sie auch die ersten 60 km des Demster Hwy und ich war froh bereits auf der anderen Seite zu sein. Auf der ganzen Strecke in den Norden sah ich immer wieder Feuer und der Himmel war immer wieder voller Rauch. So nah an die Strasse kamen die Feuer jedoch nicht mehr. 

Demster Hwy 
Der Dempstser Hwy ist eine 887 km lange Schotterstrasse, die in den Norden von Kanada führt. Sie ist eine von zwei Strassen, die in Nordamerika über den Polarkreis hinaus geht. 2017 wurde sie von Inuvik nach Tuktoyaktuk verlängert und ist nun die einzige Strasse in Nordamerika, welche Privatprsonen bis zum Polarmeer befahren können. Daher fahren ziemlich viele Motorräder, Wohnmobile, Autos mit Wohnwagen und ab und zu sogar verrückte Velofahrer die knapp 900 km über Schotter. 
Ich war also in guter Begleitung, wenn ich mir auch vorstellen kann, dass ohne die Waldbrände noch mehr Betrieb gewesen wäre. 

Abgeschiedenheit 
Auf den ersten 600 km gibt es ausser einer Tankstelle mit Restaurant und Hotel keine Verpflegungsmöglichkeit. Da man bei der Tankstelle keine Lebensmittel einkaufen kann, konnte ich einem Schweizer Paar, welches mit einem Wohnmobil reist eine Tasche voller Lebensmittel mitgeben, welche sie für mich deponierten. So musste ich nicht zu viel mittragen und hatte trotzdem genügend zu Essen. 
Es war ein recht spezielles Gefühl so in der Wildnis zu sein mit dem Wissen, das es in einem Radius von 200 km kein Lebensmittelladen gibt. Die vielen Autos gaben mir jedoch Sicherheit und ich wusste, dass ich bei Problemen Hilfe bekommen würde. Regelmässig hielt auch ein Auto an und fragte ob ich etwas brauche. Vor allem wenn ich am Strassenrand Pause machte hielten viele an. 

Staub, Schweiss und Mückenspray 
Da die Strasse nicht asphaltiert ist und es schon länger nicht mehr geregnet hatte, staubte es ziemlich stark. Die Temperaturen stiegen zudem regelmässig auf 30 Grad und vor allem bei den Steigungen lief der Schweiss nur so herab. Zudem benutze ich eine erhebliche Menge an Mückenspray um die Mücken und Bremen in Schach zu halten. Dies alles ergab eine ziemlich dicke Schmutzschicht und ich war froh, wenn ich mich am Abend etwas waschen konnte.
Zu meiner Überraschung waren praktisch alle Auto-, Motorrad- und Lastwagenfahrer sehr Rücksichtsvoll und bremsten immer stark ab, damit ich nicht zu stark eingestaubt und paniert wurde. 

Faszinierende Landschaften
War die Landschaft mal nicht in Rauch gehüllt, so war sie extrem faszinierend und schön. Unendliche Weiten ohne irgend etwas von Menscherhand erschaffenes. Oft sumpfigen Wälder und in höheren Lagen oder ganz im Norden weite Grasflächen. Ich konnte mich daran fast nicht satt sehen und machte unzählige Fotos. 

Tiere des Nordens
Durch die warmen Temperaturen wurden die Mücken und Bremsen aktiviert. An Windgeschützten stellen kamen sie in grossen Schwärmen über mich und erinnerten mich stark an Schweden. Wie bereits da versuchte ich mich nicht über sie zu ärgern und es gelassen zu nehmen. Irgendwie gelang mir das jedoch weniger gut als vor drei Jahren und so brauchte ich eine grössere Menge an Mückenspray, damit sie mir nicht den letzten Nerv kosteten. 
Neben den Mücken und Bremen, sah ich immer wieder Schneehühner und Schneehasen, welche ins Gebüsch verschwanden. Mit dem Fotoapparat erwischte ich jedoch weder ein Huhn noch ein Hase, da ich sie oft erst sah, wenn sie bereits auf der Flucht waren. Ausser vier Elchen, ziemlich weit im Süden sah ich ansonsten keine grösseren Tiere mehr. Hier gibt es einfach viel zu viel Platz und die Karibus, Moschusochsen, Bergschafe, Bären, etc haben mehr als genügend Platz und halten sich nicht neben der Strasse auf - leider. 

Polarmeer und das Ende der Strasse
Ich rechnete damit, dass ich für sie 930 km von Dawson bis hinauf ans Polarmeer rund 12 Tage benötige. Die Strasse war jedoch in einem viel besseren Zustand als ich erwartet hatte und meine Beine hatten erstaunlich viel Energie. Zudem geht die Sonne hier oberhalb des Polarkreises im Sommer nicht unter und es ist immer hell. So konnte ich viel länger fahren und grössere Etappen machen und erreichte das Ziel bereits nach 8 Tagen. 
So erreichte ich am Sonntag 29. Juni 2025 um 23.00 Uhr das Ende der Strasse. Nach dem ich das Dörfchen Tuktoyaktuk durchquert hatte kam ich auf einen grossen Platz und im Norden war nur noch Wasser. 
Nach genau 18 Monaten, also 1,5 Jahren, nach dem ich in Ushuaia, im Süden von Südamerika losgefahren bin und den gesamte amerikanische Doppelkontinent vor mir hatte, so bin ich nach 32'921 km am anderen Ende angekommen. Der gesamte amerikanische Doppelkontinent liegt nun also südlich von mir. 
So emotional war ich noch nie an einem Ziel und meine Gefühle spielten Achterbahn. Riesen Freude und Stolz überflutete mich. Aber auch Trauer, dass diese Reise nun dem Ende entgegen geht. So viel durfte ich auf der Fahrt von Ushuaia nach Tuktoyaktuk erleben und sehen, dass ich nun ganz voll bin und etwas Zeit brauche dies alles richtig zu verarbeiten. 

Wie Weiter?
Hier in Tuktoyaktuk bin ich nicht nur am Ende der Strasse, sondern auch ziemlich weit weg von allem. Es gibt zwar ein Flughafen und ab Inuvik sogar regelmässig Flugverbindungen. Aber ich habe keine Lust nun sofort in die Zivilisation zurück zu kehren. So versuche ich nun per Autostop über den Dempster Hwy zurück nach Dawson zu fahren. Ab da will ich weiter nach Alaska und langsam nach Anchorage in die Zivilisation und ab da zurück nach Europa.
Denn Alaska will ich unbedingt auch noch sehen. Habe ich unterwegs doch oft erzählt, dass ich nach Alaska fahre und alle Velofahrer, die ich getroffen habe, haben von Alaska geschwärmt wie schön es da sei.
 





Elch

Höchster Punkt des Demster Hwy: North Fork Pass 1289 m






Polarkreis


Flugplatz auf dem Hwy











Inuvik




Tuktoyaktuk

Das Ende der Strasse


Mitternachtssonne (tiefster Punkt um 3 Uhr)


Mittwoch, 18. Juni 2025

Letzte einfache Etappe? (Dawson City, Kanada)

Während ich mich in Whitehorse ausruhte, wendete der Wind von Südwest auf Südost. Damit wurde er zwar wärmer, brachte aber auch allen Rauch von den Waldbränden weiter im Osten mit. So war die Landschaft für mehrere Tage in Dunst gehüllt und oft roch es sogar nach Rauch. Die Sonne schien dabei wie durch einen Vorhang hindurch und alles war grau in grau.
 
Endlich Sommer
Auch ohne Sonne wurde es täglich etwas wärmer und die Temperaturen näherten sich langsam der 30 Grad Grenze. Es ist schon spannend wie sich der Körper an verschiedene Klimas anpassen kann. Fuhr ich doch ohne Problem bei 40 Grad durch Wüsten und tropische Regionen. Da empfand ich jedoch bereits 20 Grad als sehr kalt. Nun bin ich an kälteres Klima gewöhnt und empfinde alles über 15 Grad als warm. So war ich bei knapp 30 Grad schon fast überhitzt und hatte nicht mehr so viel Energie. Zum Glück war diese Etappe, entlang des Klondike Hwy nicht ansträngend und hatte nur wenige Höhenmeter. So konnte ich es gemütlich nehmen und mich langsam wieder an die wärmeren Temperaturen gewöhnen.
 
Baustellen
Der grösste Teil der Strassen, die ich bis jetzt hier in Kanada gefahren bin, sind in einem sehr guten Zustand. Das raue Klima macht jedoch auch ihnen zu schaffen und an vielen Orten muss gebaut und repariert werden. Da hier jedoch keine Umfahrungen gemacht werden können, können sie die Strasse nicht einfach sperren um die Bauarbeiten durchzuführen. Also gibt es "Pilot Cars" welche durch die Baustellen hindurch fahren und denen die Autos und Motorräder folgen müssen. Mit dem Velo bin ich natürlich viel zu langsam um den Pilot Cars zu folgen. Bis jetzt durfte ich immer, nach dem sie mir eingeschärft hatten auf welcher Seite ich fahren soll und ja vorsichtig zu sein, alleine durch die Baustellen fahren. An einer grossen liessen sie jedoch plötzlich überhaupt nicht mit sich diskutieren und Phönix wurde kurzerhand hinten auf ein Pilot Car geladen. So wurde ich die Rund 10 km durch die Baustelle hindurch chauffiert und durfte erst auf der anderen Seite wieder selber fahren. Dies ärgerte mich kurz, da ich es mir zugetraut hätte den grossen Tracks und Bagger auszuweichen und es alleine auf die andere Seite zu schaffen. Aber da kann ich nichts machen und wenn sie ihre Aufgabe die Reisenden zu schützen so erst nehmen muss ich halt auf die 10 km verzichten. Hoffentlich kann ich die nächsten Baustellen wieder selber durchqueren.
 
Keine Dunkelheit mehr
Ich bin zwar immer noch Rund 250 km südlich des Polarkreises und die Sonne verschwindet noch jede Nacht kurz hinter dem Horizont. Doch richtig dunkel wird es schon länger nicht mehr. Nach dem Sonnenuntergang dämmert es nur kurz etwas und dann geht die Sonne auch schon wieder auf.
Dadurch bin ich nicht mehr gezwungen frühzeitig einen Lagerplatz für die Nacht zu finden und könnte theoretisch rund um die Uhr velofahren. Eine Pause und etwas Schlaf brauche ich jedoch trotzdem, wenn auch deutlich weniger Schlaf ausreicht als zum Beispiel in den Tropen, wo es das ganze Jahr über 11 Stunden pro Tag dunkel ist und ich mindestens 8 davon verschlafen hab. Da musste ich auch spätestens bei Sonnenaufgang aufstehen um die hellen Stunden ausnützen zu können.
Nun, bleibe ich am Morgen etwas länger im warmen Schlafsack liegen und warte bis die Temperaturen etwas angenehmer sind. In der Nacht wird es immer noch recht frisch. Dafür fahre ich am Abend etwas länger und kann trotzdem noch im hellen neben dem Zelt sitzen. Damit schiebt sich mein ganzer Zeitplan nach hinten, was wegen der langen Helligkeit eben überhaupt kein Problem ist. Vor drei Jahren, als ich durch Schweden in den Norden fuhr war das auch schon so. Am Ende startete ich jeweils erst kurz vor Mittag und suchte mir gegen Mitternacht einen Schlafplatz. Ich bin gespannt, ob es sich dieses Mal auch wieder so weit nach hinten schiebt.
 
Dawson City
So kam ich bereits nach fünf Tagen in der nächsten kleinen Stadt an. Dawson City ist ein kleines Goldgräberstädtchen und liegt am Zusammenfluss von Yukon und Klondike River. Während des Klondike-Goldrauschs 1898 lebten 16`000 bis 17`000 Einwohner hier. Bereits 1902 waren es nur noch 5`000 und Heute leben noch etwa 1`400 Einwohner hier. Auch heute wird noch Gold abgebaut aber hauptsächlich lebt Dawson vom Tourismus. Seine Häuser sind alle noch im ursprünglichen Baustil gebaut, was ihm ein sehr Ursprüngliches und Uriges aussehen gibt.
Irgendwie fühle ich mich hier wie in Ushuaia in Argentinien. Farbige Häuser und vor allem jede Menge an Wohnmobilen und Motorräder mit viel Gepäck in den Strassen. Vielleicht aber auch, weil ich in Ushuaia am Beginn meiner Reise durch Amerika war und etwas nervös. Nun stehe ich am Beginn des Dempster Hwy. Eine sehr herausfordernde Etappe und bin wieder etwas nervös.
Bis ich mich jedoch aufmache um weiter in den Norden zu fahren, ruhe ich mich hier nochmals etwas aus. Am Samstag, an Mittsommer ist zudem der National Indigenous Peoples Day und wenn ich schon mal da bin, fahre ich erst am Tag danach weiter und schaue mir die Feierlichkeiten an. 


Dawson City







Elche

Rotfuchs

Km 





Abzweigung zum Dempster Hwy


Dawson City


Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...