Innerhalb zwei Tagen machte ich 3‘200 Höhenmeter und stieg ab Meereshöhe
auf knapp 2‘500 m hinauf. Da ging es jedoch nicht auf der anderen Seite wieder
hinunter wie bei den meisten Pässen, sondern es tat sich eine riesige Hochebene
auf. Ausser, dass es wieder Topfeben ist und die Strassen oft bis zum Horizont
gerade aus gehen, ist nicht mehr so, wie es unten auf Meereshöhe war. Die
Wälder und das saftige grün ist verschwunden. Dafür hat es Kakteen und jede
Menge trockenes Gras. Jetzt in der Trockenzeit ist alles was nicht bewässert
wird ausgetrocknet und viele Felder liegen brach. Auf den Strassen und Feldern
sah ich viele Pferde- und Eselfuhrwerke und die meisten Arbeiten werden wie in
Bolivien und Peru von Hand gemacht. Zu meiner Freude hat es auch wie in
Bolivien und Peru fast keine Zäune mehr. Die Kühe, Schafe und Ziegen werden wieder
von Hirten gehütet und so war es viel einfacher für mich Plätze zum Zelten zu
finden. Auch die Polizei- und Militärpräsenz ist etwas weniger stark und die Grenzen
zwischen den Bundesstaaten sind weder durch Schilder noch durch Kontrollposten
markiert.
Temperaturen
Am Tag steigen die Temperaturen auf angenehme 25 Grad oder sogar noch etwas höher. In
der Nacht wird es jedoch empfindlich kalt und am Morgen sind sie noch einstellig.
So kramte ich die warmen Kleider wieder aus den Tiefen der Taschen hervor. Ich
hatte ganz vergessen, wie gemütlich es ist, mit einer kalten Nase eingemummelt
im warmen Schlafsack zu liegen. Am Morgen jedoch aus dem Schlafsack heraus und
in die kalten Kleider hinein zu steigen braucht schon etwas Überwindung. Da schätzte
ich doch die warmen Temperaturen, bei denen ich mich am Morgen nicht sofort
anziehen musste.
Pyramiden von Teotihuacán
Nach dem ich gut zwei Tage mal auf grossen, mal auf kleinen Strassen über
die Hochebene gefahren bin, kam ich zur nächsten Touristenattraktion. Die Stadt
Teotihuacan wurde zwischen 200 und 1 v. Chr. gegründet und hatte seinen
Höhepunkt, etwa 350 bis 650 n. Chr. Damals war sie die grösste Stadt Amerikas
und beherbergte zwischen 25.000 bis 125.000 Einwohner. Somit war sie damals
mindestens die sechst grösste Stadt der Welt.
Genaueres über die Teotihuacaner weiss man bis heute jedoch nicht und die
Fachleute sind sich nicht einig, zu welchem Volksgruppe sie gezählt werden
können. In der Gegend lebten verschiedene Volksgruppen, die auch wanderten,
sich bekriegten und vermischten. So kann es sein, dass die Stadt sogar
multiethnisch war. Auch warum die Stadt seinen Einfluss verlor und zwischen 650
und 750 zum grössten Teil verlassen wurde ist nicht klar. Vermutet wird ähnlich
wie bei den Mayas ein Zusammenspiel von Klimawandel, Kriegen und Hungersnot.
Die Ruinen haben zum Teil Ähnlichkeiten mit den Bauten der Mayas, sind
jedoch ganz anders gebaut und bestehen aus Lavagestein. Jedenfalls wieder eine sehr spannende und eindrückliche Stätte aus einer
vergangenen Zeit, die mich beim Besichtigen ins Staunen und Grübeln brachte.
Ballone
Eine weiteres Spektakel von Teotihuacán sind die Heissluftballone. Jeden
Morgen zum Sonnenaufgang schweben um die 100 Stück davon über die Pyramiden von Teotihuacán.
Es war sehr eindrücklich sie dabei zu beobachten. Am zweiten Morgen trug sie
der Wind genau in meine Richtung und ich konnte beobachten wie die Ballone auf
der anderen Seite der Pyramide landeten, die Passagiere in Busse verfrachtet und
die Ballone zusammengepackt wurden. Ein Teil der Ballone fuhr zurück und
startete wenig später noch zu einer zweiten Fahrt.
Mexiko-Stadt
Lange überlegte ich, ob und wie ich die Hauptstadt von Mexiko besuchen
soll. Schlussendlich entschied ich mich doch wie bei den anderen Grossstädten
die ich besuchte, einfach mit dem Velo hinein zu fahren. (Bis jetzt ist es
schliesslich immer gut gegangen.) Und tatsächlich konnte ich den grösste Teil
auf Nebenstrassen oder sogar auf einem Fahrradstreifen fahren und kam so
Problemlos ins Zentrum. Erst am Abend, als ich für den Tagebucheintrag
recherchierte erfuhr ich, dass sie die grössten Stadt von Nordamerika und die
6. grössten Stadt der Erde ist. (Genau so, wie es einst Teotihuacán zu seiner Zeit war). Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es mir
wahrscheinlich nochmals überlegt. Nun bin ich jedoch froh es hierhin geschafft
zu haben. Denn es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Mitten im Zentrum habe
ich ein schönes Hostel gefunden, von dem aus ich die Stadt nun auskundschaften und
entdecken kann.
50‘000 Kilometer
Während ich mich hinauf in die Höhe kämpfte, fuhr ich den 20‘000 Kilometer
in Amerika. Sind es Luftlinie nach Ushuaia lediglich knapp 9‘000 km sind es mit
all meinen Umwegen und Abstechern nun doch bereits 20‘000km. Zählt man die
etwas mehr als 30‘000 Kilometer dazu, die ich 2022 und 2023 mit Phönix in Europa
gefahren bin, sind es nun etwas über 50‘000 Kilometer. Plus noch die Rund 9‘000
Kilometer, die ich früher auf kleineren Touren (mit anderen Fahrrädern) mit
Gepäck gefahren bin, so habe ich in meinem Leben nun bereits Rund 60‘000 Kilometer
mit Sack und Pack zurückgelegt. Das ist der 1,5 fache Umfang des Äquators. Oder
nimmt man die Länge des 47. Breitengrades der durch die Schweiz geht (23‘000
km), bin ich nun bereits 2,6x um die Erde rum. Hätte ich also alle meine
Tourenkilometer von der Schweiz aus in einer geraden Linie nach Westen (oder
Osten) gemacht, so wäre ich bereits 2x zuhause vorbeigekommen und bereits
wieder auf dem Rückweg. Aber das ist nun doch sehr theoretisch…
Jedenfalls bin ich sehr Stolz auf meine Kilometer! Seien es nun die 20‘000
in Amerika, die 50‘000 mit Phönix oder die 60‘000 in meinem ganzen Leben. Diese
Kilometer und all die Erfahrungen, Erlebnisse und Auf und Abs kann mir niemand
und nichts mehr wegnehmen. Dies gibt mir eine gewisse Ruhe und lässt mich entspannt
in die Zukunft blicken. Egal was kommt, ich habe gelebt.
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| Teotihuacán |
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| Teotihuacán |
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| Teotihuacán |
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| Teotihuacán |
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| Mexiko-Stadt |
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| Mexiko-Stadt |























































