Montag, 20. Januar 2025

Extreme (Mexiko-Stadt, Mexiko)

Innerhalb zwei Tagen machte ich 3‘200 Höhenmeter und stieg ab Meereshöhe auf knapp 2‘500 m hinauf. Da ging es jedoch nicht auf der anderen Seite wieder hinunter wie bei den meisten Pässen, sondern es tat sich eine riesige Hochebene auf. Ausser, dass es wieder Topfeben ist und die Strassen oft bis zum Horizont gerade aus gehen, ist nicht mehr so, wie es unten auf Meereshöhe war. Die Wälder und das saftige grün ist verschwunden. Dafür hat es Kakteen und jede Menge trockenes Gras. Jetzt in der Trockenzeit ist alles was nicht bewässert wird ausgetrocknet und viele Felder liegen brach. Auf den Strassen und Feldern sah ich viele Pferde- und Eselfuhrwerke und die meisten Arbeiten werden wie in Bolivien und Peru von Hand gemacht. Zu meiner Freude hat es auch wie in Bolivien und Peru fast keine Zäune mehr. Die Kühe, Schafe und Ziegen werden wieder von Hirten gehütet und so war es viel einfacher für mich Plätze zum Zelten zu finden. Auch die Polizei- und Militärpräsenz ist etwas weniger stark und die Grenzen zwischen den Bundesstaaten sind weder durch Schilder noch durch Kontrollposten markiert.

Temperaturen
Am Tag steigen die Temperaturen auf angenehme 25 Grad oder sogar noch etwas höher. In der Nacht wird es jedoch empfindlich kalt und am Morgen sind sie noch einstellig. So kramte ich die warmen Kleider wieder aus den Tiefen der Taschen hervor. Ich hatte ganz vergessen, wie gemütlich es ist, mit einer kalten Nase eingemummelt im warmen Schlafsack zu liegen. Am Morgen jedoch aus dem Schlafsack heraus und in die kalten Kleider hinein zu steigen braucht schon etwas Überwindung. Da schätzte ich doch die warmen Temperaturen, bei denen ich mich am Morgen nicht sofort anziehen musste.

Pyramiden von Teotihuacán
Nach dem ich gut zwei Tage mal auf grossen, mal auf kleinen Strassen über die Hochebene gefahren bin, kam ich zur nächsten Touristenattraktion. Die Stadt Teotihuacan wurde zwischen 200 und 1 v. Chr. gegründet und hatte seinen Höhepunkt, etwa 350 bis 650 n. Chr. Damals war sie die grösste Stadt Amerikas und beherbergte zwischen 25.000 bis 125.000 Einwohner. Somit war sie damals mindestens die sechst grösste Stadt der Welt.
Genaueres über die Teotihuacaner weiss man bis heute jedoch nicht und die Fachleute sind sich nicht einig, zu welchem Volksgruppe sie gezählt werden können. In der Gegend lebten verschiedene Volksgruppen, die auch wanderten, sich bekriegten und vermischten. So kann es sein, dass die Stadt sogar multiethnisch war. Auch warum die Stadt seinen Einfluss verlor und zwischen 650 und 750 zum grössten Teil verlassen wurde ist nicht klar. Vermutet wird ähnlich wie bei den Mayas ein Zusammenspiel von Klimawandel, Kriegen und Hungersnot.
Die Ruinen haben zum Teil Ähnlichkeiten mit den Bauten der Mayas, sind jedoch ganz anders gebaut und bestehen aus Lavagestein. Jedenfalls wieder eine sehr spannende und eindrückliche Stätte aus einer vergangenen Zeit, die mich beim Besichtigen ins Staunen und Grübeln brachte.

Ballone
Eine weiteres Spektakel von Teotihuacán sind die Heissluftballone. Jeden Morgen zum Sonnenaufgang schweben um die 100 Stück davon über die Pyramiden von Teotihuacán. Es war sehr eindrücklich sie dabei zu beobachten. Am zweiten Morgen trug sie der Wind genau in meine Richtung und ich konnte beobachten wie die Ballone auf der anderen Seite der Pyramide landeten, die Passagiere in Busse verfrachtet und die Ballone zusammengepackt wurden. Ein Teil der Ballone fuhr zurück und startete wenig später noch zu einer zweiten Fahrt.

Mexiko-Stadt
Lange überlegte ich, ob und wie ich die Hauptstadt von Mexiko besuchen soll. Schlussendlich entschied ich mich doch wie bei den anderen Grossstädten die ich besuchte, einfach mit dem Velo hinein zu fahren. (Bis jetzt ist es schliesslich immer gut gegangen.) Und tatsächlich konnte ich den grösste Teil auf Nebenstrassen oder sogar auf einem Fahrradstreifen fahren und kam so Problemlos ins Zentrum. Erst am Abend, als ich für den Tagebucheintrag recherchierte erfuhr ich, dass sie die grössten Stadt von Nordamerika und die 6. grössten Stadt der Erde ist. (Genau so, wie es einst Teotihuacán zu seiner Zeit war). Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es mir wahrscheinlich nochmals überlegt. Nun bin ich jedoch froh es hierhin geschafft zu haben. Denn es gibt viel zu sehen und zu entdecken. Mitten im Zentrum habe ich ein schönes Hostel gefunden, von dem aus ich die Stadt nun auskundschaften und entdecken kann.

50‘000 Kilometer
Während ich mich hinauf in die Höhe kämpfte, fuhr ich den 20‘000 Kilometer in Amerika. Sind es Luftlinie nach Ushuaia lediglich knapp 9‘000 km sind es mit all meinen Umwegen und Abstechern nun doch bereits 20‘000km. Zählt man die etwas mehr als 30‘000 Kilometer dazu, die ich 2022 und 2023 mit Phönix in Europa gefahren bin, sind es nun etwas über 50‘000 Kilometer. Plus noch die Rund 9‘000 Kilometer, die ich früher auf kleineren Touren (mit anderen Fahrrädern) mit Gepäck gefahren bin, so habe ich in meinem Leben nun bereits Rund 60‘000 Kilometer mit Sack und Pack zurückgelegt. Das ist der 1,5 fache Umfang des Äquators. Oder nimmt man die Länge des 47. Breitengrades der durch die Schweiz geht (23‘000 km), bin ich nun bereits 2,6x um die Erde rum. Hätte ich also alle meine Tourenkilometer von der Schweiz aus in einer geraden Linie nach Westen (oder Osten) gemacht, so wäre ich bereits 2x zuhause vorbeigekommen und bereits wieder auf dem Rückweg. Aber das ist nun doch sehr theoretisch…
Jedenfalls bin ich sehr Stolz auf meine Kilometer! Seien es nun die 20‘000 in Amerika, die 50‘000 mit Phönix oder die 60‘000 in meinem ganzen Leben. Diese Kilometer und all die Erfahrungen, Erlebnisse und Auf und Abs kann mir niemand und nichts mehr wegnehmen. Dies gibt mir eine gewisse Ruhe und lässt mich entspannt in die Zukunft blicken. Egal was kommt, ich habe gelebt. 











Teotihuacán 

Teotihuacán 

Teotihuacán 

Teotihuacán 

Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt


Montag, 13. Januar 2025

Abschied von den Tropen (Veracruz, Mexiko)

Mexiko besteht aus 31 Bundesstaaten. An den Grenzen wurde ich bis jetzt war nicht kontrolliert und musste meinen Pass nicht zeigen. Die Polizei- und Militärpräsenz war jedoch immer sehr hoch und auch die Schilder und Markierungen der Grenzen ist aufwändiger und auffälliger als an den meisten Ländergrenzen in Europa. Während die Nationalstrassen bis jetzt überall in einem guten Zustand waren, so sind die Strassen, welche von den Bundesstaaten unterhalten werden sehr unterschiedlich. Von sehr gut unterhalten bis zu schlammigen Löcherpisten bin ich alles gefahren. Auch der Wohlstand der Einwohner ist sehr unterschiedlich. Während in den touristischen Bundestaaten Quintana Roo, Yucatan und Campeche die Häuser oft sehr einfach waren, war doch alles ziemlich aufgeräumt und hatte einen gewissen Standard.
In Tabasco war dann nicht nur viel mehr Abfall am Strassenrand, sondern immer wieder sah ich Menschen, welche am Strassenrand in Hütten aus Plastik, Brettern und Wellblech wohnen.
(Der Bundesstaat, gab der bekannten, scharfen Tabascosause seinen Namen, die Sauce wird jedoch nicht hier angebaut und hergestellt, sondern in Louisiana in den USA. So sah ich keine grossen Chilifelder wie erwartet, sondern neben ein paar Zuckerrohrfeldern vor allem Kühe und Pferde.) 
Einst war dies einer der ärmsten Bundesstaaten in Mexiko. Die Erdölförderung hat nun etwas Geld in den Bundesstaat gebracht. So sind da die Strassen so gut wie selten. Dies führt stellenweise zu komischen Bildern, da die neue Teerstrasse neben Abfallbergen und improvisierten Hütten vorbeiführt.
Fliesst in Tabasco offensichtlich Geld von der Erdölförderung in den unterhalt der Strassen, so bemerkte ich davon in Veracruz nichts. Veracruz soll durch die Erdölförderung einer der reichsten Bundesstaaten in Mexiko sein. Doch die Strassen waren da so schlecht wie sonst nirgends. Dafür waren die Hütten am Strassenrand verschwunden und auch die Abfallberge wurden wieder kleiner.
So bin ich auf die Kommenden Bundesstaaten gespant durch die ich hier in Mexiko noch kommen werde. Denn bis zur US-Grenze werden es noch einige sein.
 
Nicht nur die Bundesstaaten änderten sich fleissig, sondern auch das Wetter. Ich kam zwar nie in den Regen und blieb trocken. Doch öfters war es bewölkt und die Temperaturen wurden im Schnitt etwas kühler. Nachdem ich nun mit ein paar Ausnahmen knapp fünf Monate lang durchgehend über 30 Grad hatte, so fühlen sich nun 20 Grad bereits empfindlich kalt an. Und anscheinend geht es nicht nur mir so, denn auf den Strassen haben unter 20 Grad alle eine warme Jacke an und ich werde immer wieder gefragt, ob es nun den nicht zu kalt sei um im Zelt zu schlafen.
 
Mittlerweile habe ich die Yucatan-Halbinsel verlassen und kann wieder Richtung Norden fahren. Somit bin ich nun auch nicht mehr in Zentralamerika, welches am Isthmus von Tehuantepec, der schmalsten Stelle zwischen dem Golf von Mexiko und dem Pazifik endet.
Bis jetzt war immer noch alles sehr flach und ausser ein paar kleinen Hügel gab es keine Erhebungen. Kurz vor Veracruz tauchten am Horizont im Nordwesten das erste Mal seit Guatemala wieder Berge auf. Diese heisst es nun nächste Woche zu erklimmen. Somit werde ich dann auch die Tropen definitiv verlassen. Einerseits freue ich mich sehr auf ein anderes Klima und wieder einmal eine andere Landschaft zu sehen. Anderseits habe ich mich nun auch an die Wärme gewöhnt und vermisse sie jetzt schon…
















Montag, 6. Januar 2025

Yucatan (Champoton, Mexiko)

Die zwei Wochen zusammen mit meiner Mutter vergingen wie im Fluge. Wir besuchten wie richtige Touristen mit einem Mietauto verschiedene Sehenswürdigkeiten wie Maya-Stätten, Naturparks, etc. Wir sassen am Strand, schauten dem Sonnenuntergang zu und asen Tacos. 
Also richtig Urlaub. Ich genoss es sehr wieder einmal Zeit mit jemandem den ich gut kenne zu verbringen und Gespräche führen zu können die über das woher und wohin hinaus gehen. 

Vor- und Nachteile vom Autofahren
Es war auch ganz spannend für einmal nicht mit dem Velo unterwegs zu sein, sondern mit einem Auto längere Distanzen in kurzer Zeit zurücklegen zu können. Mit dem mexikanischen Verkehr kam ich erstaundlich gut zurecht. Auch wenn ich das letzte Jahr ausschliesslich dem Velo unterwegs war, so hab ich mich doch ganz gut an die Fahrweise hier gewöhnt. So brachte es mich nicht aus der Ruhe auch mal rechts überholt zu werden oder wenn eine zweipurige Strasse mal eben kurz zu einer vierspurigen umfunktioniert wird. Warum nicht, wenn es doch genügend Platz hat? 
Doch das Autofahren ermüdete mich viel mehr als ich erwartet hätte. Musste ich dabei doch auf Sachen schauen, die beim Velofahren keine Rolle spielen. Wie zum Beispiel Höchstgeschwindigkeit, Tankfüllung, usw. Auch mein Hintern begann mir jeweils schon bald zu schmerzen und der Körper verspannte sich. Da wusste ich wieder, wesshalb ich diese Reise nicht mit einem Auto sondern mit dem Velo mache. Da kann ich mehrere Stunden fahren ohne das mir etwas weh tut und laufe nie Gefahr, dass mir der Treibstoff ausgeht...

Zurück auf Phönix
So verabschiedete ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge meine Mutter. Sie flog zurück in den Winter und in den Schnee. Ich war zwar traurig sie erneut eine längere Zeit nicht zu sehen und niemanden mehr für spannende Gespräche zu haben. War aber auch sehr froh nicht in den Winter fliegen zu müssen. 
So sass ich einen Tag später wieder auf Phönix und fuhr Richtung Südwesten weiter. Da Yucatan eine Halbinsel ist, muss ich nun zuerst ein Stück in den Süden zurück, bevor ich erneut in den Norden durchstarten kann. Der Wind kam von hinten und die Kilometer flogen nur so dahin. 
Obwohl ich mehrere Dörfer durchquerte, durch die wir zuvor mit dem Auto durchgefahren sind, war es ganz anders nun mit dem Velo dasselbe nochmals zu sehen. Mit dem Auto ist man irgendwie viel distanzierter und schaut alles aus der Ferne "durch ein Fenster" an. Mit dem Velo bin ich viel mehr mitten drinnen. Die Einheimischen reagieren auf mich und grüssen oft freundlich, während das Auto ignoriert wird. 
So freue ich mich sehr, kann ich diese Reise mit dem Velo machen und so alles viel intensiver erleben. 

Das Klima wandelt sich
Ich weiss nicht, ob es mehr an der Jahresheit liegt oder damit, dass ich langsam in eine andere Klimazone komme. Die Luft wird immer wie trockener und die Temperaturen, welche nach wie vor regelmässig weit über 30 Grad sind, immer wie angenehmer. In der Nacht kühlt es zudem deutlich ab und am Morgen war es schon mehrere Male unter 15 Grad. So brauche ich zum Schlafen definitiv wieder den Schlafsack und den Pullover ist nicht mehr nur Ballast. 
Auch die Landschaft wandelt sich langsam und hier auf der Westseite der Yucatan-Halbinsel ist der Dschungel weniger dicht und wird langsam wieder zu einem Wald, den ähnlichkeiten mit europäischen Wäldern hat. Auch gibt es wieder viel mehr Landwirtschaft und neben der Strasse hat es zum Teil riesige Zuckerrohr-, Mais-, Hirse-, oder andere Felder. Nur Vieh hab ich noch praktisch keines gesehen. Dadurch hat es nicht viele Zäune und ich konnte an Feldrändern problemlos mein Zelt aufstellen und so bequem etwas versteckt übernachten. 

So gewöhnte ich mich wieder schnell an mein Leben auf der Strasse und geniesse meine Feiheit. Am Golf von Mexiko angekommen fand ich einen schönen, kleinen, einfachen Campingplatz direkt am Strand. Da mache ich nun den ersten Ruhetag von diesem Jahr. 


Chichén Itzá

Chichén Itzá

Xcambó

Xcambó

Celestún

Celestún

Flamingos

Flamingos

Uxmal

Uxmal


Sian Ka'an




Kabah

Kabah

Kabah


Edzná


Golf von Mexiko





Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...