Mittwoch, 18. September 2024

Abschluss Südamerika (Cartagena, Kolumbien)

Mit neuer Motivation und Energie startete ich in Medellin zur letzten Etappe durch Südamerika. Da Medellin in einem Tal liegt, musste ich zuerst wieder über einen Pass fahren. Also nochmals Höhenmeter schrubben und auf knapp 3‘000 m hinauffahren. Das letzte Mal in Südamerika auf dieser Höhe. Da oben wird viel Milch produziert und die hügelige Landschaft mit den vielen Weiden und Bäumen erinnerte mich an die Schweiz. Auch das Klima war so wie im Sommer in der Schweiz und sehr angenehm.
 
Tropisches Klima
Schon bald ging es jedoch wieder hinab. Die Landschaft wurde wieder tropisch, die Temperaturen stiegen und die Luftfeuchtigkeit nahm zu. Nun erinnerte nichts mehr an die Schweiz und ich schwitzte erneut was das Zeug hält. Ich wusste gar nicht, dass mein Körper so viel Schweiss produzieren kann. Er fliesst aus allen Poren und vermischt sich mit der Sonnencreme zu einer klebrigen Masse, die sich auf dem gesamten Velo verteilt. So begann ich die tägliche Dusche und die Klimaanlage in den Hotels zu schätzen. Ich ertappte mich sogar dabei, dass ich auch ein Zimmer nahm, wenn es möglich gewesen wäre zu zelten. Nur um mich etwas abkühlen zu können. Ja selbst die kalten Duschen machen mir nichts mehr aus. Zugegeben, kalt sind sie nicht wirklich, da wie alles hier auch das Leitungswasser ziemlich warm ist. Sogar der Regen fällt warm vom Himmel und ist keine wirkliche Abkühlung mehr.
 
Wieder am Meer
So erreichte ich verschwitzt die Küste des karibischen Meers. Da fand ich einen kleinen Campingplatz direkt am Wasser mit einem Privatstrand. Da ich der einzige Gast war hatte ich die ganze Anlage für mich alleine. So Sprang ich erst mal in die Wellen. Doch zu meiner Enttäuschung war auch das keine Abkühlung da das Meer über 30 Grad warm ist und Wellen hat es auch nicht wirklich. Ich blieb trotzdem zwei Nächte auf dem Campingplatz und verbrachte einen Tag am Strand mit nichts machen und das Leben geniessen, bevor ich weiter nach Cartagena fuhr.
 
Die Südamerikadurchquerung
Der nördlichste Punkt von Südamerika liegt zwar noch knapp 500 km im Nordosten. Dieser Punkt ist jedoch nicht ganz einfach zu erreichen und liegt überhaut nicht auf meinem Weg nach Nordamerika. Also beschloss ich ihn nicht zu besuchen und wählte Cartagena als Zielort für meine Südamerikadurchquerung. Nach 264 Tagen, 14‘674 km und 178‘150 Höhenmeter nach meinem Aufbruch in Ushuaia bin ich nun in Cartagena angekommen. Ich habe somit nach Europa den zweiten Kontinent komplett mit dem Velo durchquert. Dabei habe ich über einen Drittel des Äquatorumfangs zurückgelegt und bin etwas mehr 20-mal die Höhe des Mont Everest hinaufgefahren.
 
Zieldepression
Während andere beim erreichen eines Ziels jubeln, feiern und sich freuen, so werde ich oft eher melancholisch und nachdenklich. So auch dieses Mal. Ich bin zwar stolz auf meine Leistung und glücklich hier zu sein, jedoch auch traurig Südamerika schon bald zu verlassen. Ich habe es genossen durch die spannenden und abwechslungsreichen Landschaften zu fahren und fühlte mich hier sehr wohl.
Das Erreichen eines Ziels zeigt mir zudem, dass auch dieses Leben unterwegs einmal ein Ende haben wird. Was mache ich danach? Wo und wie werde ich leben, was arbeiten?
Zum Glück gibt es oberhalb von Südamerika noch ein Nordamerika! Somit kann ich noch eine Weile weiter in den Norden fahren, weitere Länder und Landschaften erkunden und muss mein Reiseleben noch nicht aufgeben. 
Bei meinen ersten Radreisen war die Zieldepression noch viel stärker und ich wusste nicht was mit mir falsch läuft, dass ich mich nicht so sehr freuen kann. Nun kenne ich das von mir und es erstaunt mich nicht mehr so sehr. 
 
Weiterreise
Bis ich Südamerika definitiv verlasse, verbringe ich noch ein paar Tage hier in Cartagena. Da es ausser Schmugglerpfade keine Verbindung auf dem Landweg von Kolumbien nach Panama gibt, muss man entweder per Flieger oder mit einem Boot den Darien Gap umfahren. Ich entschied mich für die teuerste und langsamste Variante. Mit einem Segelboot werde ich ende September via San-Blas-Inseln nach Panama fahren. Auf dieses Abenteuer freue ich mich auch sehr und bin gespannt wie das Reisen mit einem Segelboot im Vergleich zu einer Fähre ist.


















Cartagena

Cartagena

gefahrene Route

Montag, 9. September 2024

Unsichere Gegend (Medellin, Kolumbien)

Als ich vor einem Jahr begann, diese Reise durch den amerikanischen Kontinent zu planen dachte ich, dass ich nur bis in den Norden von Peru fahre. Den Norden von Südamerika und Zentralamerika wollte ich danach per Flieger zu überspringen. Diese Gegend schien mir zu unsicher und das Klima zu unangenehm. Schon in Patagonien begegneten mir danach jedoch die ersten Veloreisenden die die gesamte Strecke gefahren sind. Niemand hat unterwegs etwas Negatives erlebt und das tropische Klima haben sie auch alle gut überstanden. So begann auch in mir der Wunsch zu wachsen ebenfalls die gesamte Strecke von Argentinien bis Alaska mit dem Velo zurück zu legen.

Routenplanung
In Ecuador konnte ich den Gegenden, von denen abgeraten wird, sie als Tourist zu bereisen noch gut ausweichen. In Kolumbien kam ich nun jedoch mitten durch eine solche Gegend hindurch. Ich tauschte mich mit anderen Reisenden aus und erkundete mich wo sie durchgefahren sind. Auch mit Einheimischen sprach ich und holte Empfehlungen ein. Die anderen Veloreisenden haben fast alle unterschiedliche Routen genommen. Dies bestärkte mich zwar darin, dass es möglich ist, half mir jedoch nicht bei der Entscheidung weiter, wo ich den nun durchfahren soll. Einheimische halfen mir da schon etwas besser weiter. So wie, einmal mehr das App iOverlander, welches eine wertvolle Sammlung von Erfahrungen verschiedener Reisenden ist.

Unsicherheit
Aus Angst keine Unterkunft zu finden und in die Nacht hinein fahren zu müssen, machte ich jeweils schon zeitig Feierabend und verkroch mich viel zu früh in einem Hotelzimmer. Ich ertappte mich auch öfters dabei, wie ich misstrauisch die Gegend und die Leute beobachtete. Danach ärgerte ich mich immer wieder darüber, was ich doch für ein Angsthase bin. Ausnahmslos alle Begegnungen waren auch in dieser als unsicher geltenden Gegend gut und freundlich. In manchen kleineren Orten stiess ich zudem auf grosses Interessen, da sie da nur sehr selten Touristen sehen und schon gar nicht solche auf einem Velo. Witzig ist immer wieder, dass wenn ich die Frage wohin ich gehe mit Alaska beantworte niemand beeindruckt ist. Sage ich jedoch, dass ich nach Panama fahre, alle grosse Augen machen und sie nachfragen, ob ich wirklich ganz Kolumbien nur mit dem Velo durchqueren werde.

Hitze und Müdigkeit
Ich weiss nicht, ob es an der Anspannung, die andauernd hohen Temperaturen oder die Kilometer und Höhenmeter die sich weiter summieren lag. Von einem Tag auf den anderen fühlte sich die Hitze plötzlich viel ansträngender an, obwohl es nicht wärmer oder feuchter wurde. So hatte ich weniger Energie und die Kilometer fühlten sich zäh an. Da ich mich hier nicht getraue wild zu zelten, muss ich mir jeden Tag eine Unterkunft suchen und kann meistens nicht in meinem geliebten Zelt schlafen. Zudem kann ich in den meisten Hotels nichts Richtiges zu Abendessen kochen. Reis und Ei oder Pommes und Ei, was man als Vegetarier hier in Restaurant essen kann begannen mir schon bald aus dem Hals zu hängen. So machte ich mir halt auch zum Abendessen ein Müesli aus Haferflocken, Jogurt und Bananen. Dies sättigt zwar und gibt Energie, Teigwahren wären mir aber doch immer noch lieber.
Dazu kam noch eine eher eintönige Landschaft mit viele Plantagen und der Frust vom kaputten Fotoapparat, der keine schönen Bilder mehr machte. Auch das neue Natel war da überhaupt keine Hilfe, da es noch schlechtere Bilder macht als das alte.
So wollte ich nur noch in Medellin ankommen und hoffte da mich etwas erholen zu können.

Medellin
Nach zwei weiteren Pässen, vielen kleineren Orten und unzähligen Plantagen auf denen Zuckerrohr, Bananen, Kaffee, Papaya, usw. angebaut wird, kam ich endlich in Medellin an. Hier fand ich ein Zimmer in einem netten Hostel, mit Küche. Endlich konnte ich wieder meine Teigwahren kochen und hatte keine Lust auf die Pizza, welche ich sonst oft an Ruhetagen essen ging.

Endlich fand ich ein Geschäft, welches Fotoapparate repariert und verkauft. Sie versuchten noch meine Kamera zu reparieren, es war jedoch hoffnungslos. Zum Glück hatten sie jedoch ein ähnliches Modell, zwei Jahre neuer, als Occasion zu verkaufen. So hab ich nun wieder einen funktionierenden Fotoapparat und muss mich nicht mit einem ganz neuen und ungewohnten Gerät herum plagen.

Comuna 13
Als ich vor ein paar Jahren die Serie Narcos über das Medellin-Kartell und Pablo Escobar sah, dachte ich nicht im Traum daran, einmal diese Stadt, in der die Serie spielt selber zu besuchen. Die Innenstadt erinnerte mich jedoch überhaupt nicht an die Serie. Wie viele andere Grossstädte auch, ist es da vor allem laut, voll und unübersichtlich. An einem Tag machte ich einen Ausflug in die Comuna 13. Das ist einer von den 16 Bezirke der Stadt Medellin und galt einst als eine der gefährlichsten Gegeden der Welt. Drogenkardelle und Militär bekriegten sich hier und es gab so viele Morde wie sonst nirgends. Auch Pablo Escobar und sein Medellin-Kartell war hier tätig, was in der Serie zu sehen ist.
Heute ist die Comuna 13 mit seiner schönen Aussicht über die ganze Stadt und den vieles Graffitis ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Ein Souvenirstand steht neben dem anderen, überall läuft laute Musik und Touristenmassen schieben sich durch die engen Gassen. So wie in anderen Ländern Bilder von Königen auf Tassen, T-Shirts, Magneten etc. gedruckt und verkauft werden, so ist hier überall das Gesicht von Pablo Escobar zusehen. Was irgendwie schon etwas komisch ist, dass ein Schwerverbrecher so verehrt wird.
Es fühlte sich unwirklich an nun selbst durch die engen und steilen Gassen zu gehen. Heute ist die Gegend zwar ruhig, es leben neben den Touristenströmen jedoch immer noch sehr viele Menschen in armen Verhältnissen auf engstem Raum. Als ich kurz die Gassen mit den Souvenirständen verlies, musste ich aufpassen, dass ich mich in den engen, verwinkelten Gassen und Treppen nicht endlos verirrte. Auf dem Boden hatte es plötzlich Müll und Hundekot. Zudem hatte ich das Gefühl, wenn bei einem Haus die Türe offen stand direkt durch die Küche oder das Wohnzimmer zu gehen. So war ich froh bald wieder zurück bei den Touristenattraktionen zu sein.

Je weiter ich nun in den Norden von Kolumbien komme, je sicherer wird es wieder. Dabei steigen zwar auch die Preise der Hotels aber ich hoffe auch wieder etwas mehr im Zelt schlafen zu können. Zudem komme ich endlich wieder ans Meer, worauf ich mich schon sehr freue!


Zebus


Belancazar

Belancazar

Zebus

Santa Barbara


Medellin

Medellin

Medellin

Medellin

Comuna 13

Comuna 13

Comuna 13

Comuna 13

Comuna 13

Comuna 13



Heimreise (Hasle, Schweiz)

Während der ganzen Reise habe ich immer wieder überlegt, von wo aus und wie ich am Ende zurück nach Europa kommen könnte. Schliesslich wurde...